BerlinBruno Labbadia ist nicht zufrieden. Daraus macht Herthas Cheftrainer keinen Hehl. „Wir waren schon ein Stück weiter“, stellt der 54-Jährige vor dem schweren Auswärtsspiel bei Spitzenreiter RB Leipzig am Sonnabend fest. Dass im Westend bereits in der Anfangsphase der Saison der Druck spürbar ist, erklärt ein Blick auf die Tabelle: Drei Punkte aus vier Spielen sind deutlich zu wenig für die neuen blau-weißen Ansprüche. „Die Veränderungen sind größer als gedacht. Das müssen wir uns wieder erarbeiten“, verweist Labbadia abermals auf den Kaderumbruch. Um wieder dorthin zu kommen, „müssen wir einen Schritt zurückgehen“.

Das, was seinem Team bisher abgeht, ist die bereits nach der Corona-Zwangspause im zweiten Teil der vergangenen Rückrunde gezeigte mannschaftliche Geschlossenheit. Zum einem moniert Labbadia das Verhalten einzelner Spieler, indem er sagt: „Manche füllen ihre Position nicht so aus, wie es sein sollte.“ Zum anderen offenbarte sein blau-weißes Kollektiv erhebliche Mängel in der Rückwärtsbewegung und nach frühen Rückständen. „Wir hadern zu schnell und kreieren zu wenig Torchancen“, analysiert der Cheftrainer. Denn trotz der immensen individuellen Qualität der Einzelspieler haben sie ihre Stärken gemeinsam bisher zu selten auf den Platz gebracht.

Herthas zehn Gegentore aus vier Spielen sind zu viel

Vor allem in der Defensive: Zehn Gegentore aus vier Spielen sind deutlich zu viel. Um es in Leipzig besser zu machen, fordert Labbadia, zwei Dinge abzustellen: „Wir müssen die Standardsituationen besser verteidigen. Da appelliere ich an jeden Spieler, sich besser zu verhalten.“ Dass der Geschlossenheit auch die noch vorhandene Sprachbarriere des ein oder anderen Zugangs im Weg steht, lässt Labbadia nicht gelten. „Das heißt nicht, dass man nicht kommunizieren kann“, fordert er. Vielmehr hadert er wegen der vielen individuellen Fehler. „Die Gegentore wurden ja nie von derselben Person verschuldet“, erklärt er: „Das ist auf den ersten Blick nicht leicht abzustellen. Aber wir arbeiten intensiv daran und legen den Fokus nach vorne.“ Statt nach drei Pleiten in Serie hart mit seiner Mannschaft ins Gericht zu gehen, wählt Labbadia einen anderen Weg: „Ich habe als Trainer solche Situationen schon häufig erlebt. Man braucht eine klare Linie. Es gilt die Spieler darauf hinzuweisen, was sie zu tun haben. Gleichzeitig muss man sie stärken.“

Um das zu tun, griff Labbadia zu einem Potpourri an Maßnahmen: Video-Analysen, Einzelgespräche und vor allem gute Laune. Damit die Herthaner ihr Selbstvertrauen wiederfinden, ließ er unter der Woche im Training viel laufen und intensiv das Toreschießen üben. Zu schnell würden seine Spieler bisher die Köpfe hängenlassen. „Deswegen“, sagt Labbadia, „haben wir die ganze Woche mit viel Tempo und vielen Abschlüssen trainiert, sodass Erfolgserlebnisse da sind.“

Hoffnung, den Trend zu beenden, schöpft Labbadia aus dem starken Auftritt beim 3:4 gegen den FC Bayern sowie aus dem vergangenen Spiel in Leipzig, als sich Hertha im Mai – nach Rückstand –  beim 2:2 einen Punkt erkämpfte: „Wenn wir diese Geschlossenheit wieder an den Tag legen, sind wir schwer zu schlagen.“