Es gab am Abend viele beispielhafte Szenen voller Unglück und Unvermögen. Bilder von genervten und fluchenden Fußballern. Wie sie nach einem verlorenen Zweikampf auf dem Boden lagen. Wie sie nach einem misslungenen Querpass in den Himmel starrten.

Und dann gab es diesen Einwurf von Peter Pekarik. Mr. Zuverlässig, wie sie ihn bei Hertha BSC nennen, versagte bei der Ausführung einer simplen Tätigkeit. Der Schiedsrichter zuckte kurz mit den Schultern, als wollte er sich entschuldigen, als hätte er Mitleid, aber sein Pflichtgefühl war stärker. Ein Pfiff, ein Handzeichen, und wieder mal landete der Ball beim Gegner.

Hertha hat am Freitagabend 0:2 gegen den FSV Mainz 05 verloren. Eine Niederlage war das, die noch nachwirkt und die Pal Dardai zu einer nicht zu widerlegenden Aussage veranlasste: „Das war das schlechteste Heimspiel, seit ich hier bin.“ Dardai ist seit drei Jahren Cheftrainer einer Mannschaft, deren Entwicklung stetig nach oben gegangen ist. Und mit so einem plötzlichen Leistungsabfall hatte er nicht mehr gerechnet.

Klar, es ist normal, dass junge Spieler unsteuerbaren Formschwankungen unterliegen. Es ist auch schwer, ansehnlichen Kombinationsfußball zu spielen auf so einem kartoffelackerartigen Rasen – der übrigens vor dem nächsten Spiel gegen Freiburg ersetzt werden soll. Trotzdem: „Darüber müssen wir reden“, sagte Dardai. „Nach drei Jahren sind wir an einem Punkt angelangt, wo ich einige Sachen in Einzelgesprächen klären muss.“ Zu dieser Maßnahme greift er selten.

Ein Verhältnis von 30:30:30

Der Trainer ist sich anscheinend nicht mehr ganz so sicher, dass alle immer alles geben. Denn aus seiner Sicht müssen sie das unbedingt, wenn sie in der Summe ihrer durchschnittlichen Talente etwas Überdurchschnittliches schaffen wollen wie in den vergangenen beiden Saisons. Dreißig Punkte hat Hertha bislang geholt, 30:30 ist das Torverhältnis, wenn es am Ende 40:40:40 steht, wäre Dardai nicht unzufrieden.

Einzeln reden wird er also auch mit Valentino Lazaro. Doch man kann davon ausgehen, dass sich Trainer und Spieler schnell einig werden in ihrer Situationsanalyse. Lazaro fiel ja bereits am Freitag mit den selbstkritischsten Worten auf. „Ich habe das Gefühl“, sagte er, „wir verkacken es richtig in den Spielen, in dem man sich Raum schaffen kann.“

Ein dreizehn Punkte großer Raum hätte es werden können. Jetzt sind es wieder nur sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Andererseits sagte Lazaro auch: „Und dann wenn der Hut brennt, sind wir auf einmal da und gewinnen die Spiele. Das war schon drei-, viermal so.“ Warum? Das konnte er sich nicht erklären. Da muss dann der Trainer nachhelfen.

Es fehlt an Ideen und Alternativen

Fußball ist nicht Tennis, aber irgendwie fühlte sich diese Niederlage wie ein Rebreak an, wie ein leichtfertig verspielter Vorteil. Den Auswärtssieg in Leverkusen wollten sie ja eigentlich „vergolden“ (Manager Michael Preetz), doch niemand konnte glänzen an diesem Abend. Die Mainzer blockierten einfach die Zufahrtswege auf den Flügeln und schon hatte Dardais Mannschaft keine Idee mehr, wie sie auch nur halbwegs gefährlich in Tornähe gelangen soll.

Den ersten Schuss aufs Tor hatten die Statistiker eine Viertelstunde vor dem Ende notiert. Die erste und einzige Chance ein paar Minuten später. „Dieser Spielertyp fehlt, der nur mit einer Finte ein Tor macht“, sagte Dardai. Sollte ganz oben vermerkt werden auf dem Einkaufszettel für die nächste Saison.

Gegen Mainz spielten Fabian Lustenberger und Per Skjelbred vor der Abwehr, davor Vladimir Darida, doch sie waren einfach nicht in der Lage, Lücken im Zentrum zu finden. Dass der 19 Jahre alte Arne Maier (Grippe) hier fehlte, ehrt ihn einerseits. Andererseits ist die Alternativlosigkeit ein echtes Problem. Ondrej Duda hatte nicht mal einen Kaderplatz abbekommen. Dardai ist zwar noch überzeugt von seinem Talent, er hat aber auch immer größere Zweifel an der körperlichen Bundesligatauglichkeit seines Spielmachers. „Er muss fit werden.“ Geredet hat Pal Dardai in diesem Fall bereits genug.