Ein bisschen überspitzt könnte man sagen, dass Michael Preetz ein hervorragender Manager für einen Fußballklub ist – in der Zweiten Liga. Sobald Hertha BSC abgestiegen war, funktionierte es jeweils bestens beim Berliner Verein.

Die Trainer, erst Markus Babbel, dann Jos Luhukay, leisteten gute Arbeit, erfüllten die Mission Wiederaufstieg, alles schien gerichtet für eine bessere Zukunft. Doch dann war wieder Erste Liga, und das Elend ging von vorne los. Zwei Mal ist Preetz seit seinem Amtsantritt 2009 abgestiegen, gut möglich, dass es ihm nun ein drittes Mal passiert. Das wäre rekordverdächtig, auch weil nirgends sonst ein Sportdirektor die Gelegenheit zu einer derartigen Sequenz des Scheiterns erhält.

Es scheint das Schicksal von Michael Preetz zu sein, dass ihn die Rückschläge stets mit beachtlicher Geschwindigkeit ereilen. Das begann schon kurz, nachdem er den Posten des langjährigen Hertha-Bosses Dieter Hoeneß übernommen hatte.

Nach nur sieben Spieltagen sah sich Preetz damals bemüßigt, Lucien Favre zu entlassen, der mit Hertha noch wenige Monate zuvor knapp an der Meisterschaft vorbeigeschrammt war. Einem bemerkenswert kurzen Geduldsfaden fiel der Schweizer zum Opfer, der ein exzellenter und erfolgreicher Trainer vorher und nachher war, nur eben nicht an diesen sieben Spieltagen. Viele Beobachter in der Hauptstadt vertraten damals die Meinung, dass Hertha mit Favre nicht abgestiegen wäre, so wie es dann mit Friedhelm Funkel der Fall war.

Slapstick im Winter

Auch bei Babbel kam nach dem Wiederaufstieg und einer ansprechenden Hinrunde die Trennung recht plötzlich, begleitet von einer unappetitlichen und dubiosen Affäre mit gegenseitigen Lügenbezichtigungen. Was folgte, war pures Chaos mit dem slapstickartigen Kurzauftritt von Michael Skibbe und der grotesken Rettungsmission des überforderten Ruheständlers Otto Rehhagel. Wundersamerweise überlebte Michael Preetz auch diesen Abstieg.

Und dann gelang ihm so etwas wie der Befreiungsschlag: die Verpflichtung von Jos Luhukay. Ein Trainer, der sofort durch seine ruhige und besonnene Art bestach, sich wohltuend von seinen auf ihre Weise allesamt etwas merkwürdigen Vorgängern abhob und die perfekte Dauerlösung zu sein schien – für die Zweite und die Erste Bundesliga.

Umso sinnloser wirkt der abrupte Bruch so kurz nach langer Winterpause. Alle Gründe, die Preetz jetzt für die Trennung nannte, galten auch schon vorher, und dass man in Bremen und gegen Leverkusen gut verlieren könnte, war ebenfalls abzusehen. Man hätte also im Dezember handeln können, um dem Nachfolger eine komplette Vorbereitung zu ermöglichen.

Doch Preetz setzte auf das Prinzip Hoffnung – so wie jetzt, „bis auf Weiteres“, mit Pal Dardai. Geht die Sache schief, darf sich Hertha BSC nächste Saison wieder eine Klasse tiefer profilieren. Vermutlich mit Michael Preetz. Zweite Liga kann er ja.