Hertha BSC: Neuzugang Vladimir Darida ist ein Mann mit Potenzial

Es ist natürlich noch viel zu früh, Hertha BSC zu diesem Transfer zu gratulieren, denn natürlich gibt es auch bei Vladimir Darida keine Garantie aufs große gemeinsame Glück, und doch dürfen die Verantwortlichen des Bundesligisten die Verpflichtung des tschechischen Nationalspielers (22 Länderspiele) für den Moment schon mal als kleinen Coup feiern. Denn der Mittelfeldspieler, der sich in seinen zwei Jahren beim SC Freiburg mit durchschnittlich fast 13 Kilometern Laufleistung pro Partie den Beinamen Lunge der Liga verdient hat, verfügt mit seinen 24 Jahren fraglos über jede Menge Potenzial. Potenzial, das auch andere Bundesligaklubs wie der FC Augsburg und Hannover 96 nervös gemacht hatte. Aber offensichtlich hat Hertha-Trainer Pal Dardai in den vergangenen Wochen, vielleicht ja auch Monaten bemerkenswerte Überzeugungsarbeit geleistet.

Darida, für den der SC Freiburg vor zwei Jahren eine Klubrekordablösesumme in Höhe von vier Millionen Euro gezahlt hatte, soll beim Hauptstadtklub dem Vernehmen nach einen Vertrag bis 2019 unterschreiben. Ob und wenn ja wie viel die Berliner für ihren zweiten Sommerzugang aufbringen mussten, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch unklar. Also auch, ob im bis 2018 datierten Vertrag mit dem Sportclub für den Fall des tatsächlich eingetretenen Bundesligaabstiegs eine Ausstiegsklausel zu finden war.

Neuer Schwung

Es heißt, Darida soll Dardais Wunschspieler 1a gewesen sein, noch vor dem Wunschspieler 1b, den Ungarn Balazs Dzsudzsak, der zwei Millionen Euro netto Jahresgehalt gefordert haben soll. Allemal zu viel für die Berliner, die ja schon im vergangenen Sommer bei der Entlohnung von Salomon Kalou die Grenzen des mannschaftsintern Vertretbaren überschritten hatten. Darida jedenfalls gefällt nicht nur wegen seiner rekordverdächtigen Mobilität, sondern auch wegen seiner Ballsicherheit und seinem exzellenten Gespür für Raum und Zeit. Er, der in der vergangenen Spielzeit 31 Mal zum Einsatz gekommen ist und dabei sechs Tore erzielte, soll in Dardais Team sowohl das Angriffsspiel in Schwung bringen, als auch in der Rückwärtsbewegung zum einen entscheidende Zweikämpfe gewinnen, zum anderen Passwege des Gegners zustellen.

Dass er das kann, hat er wiederholt in Freiburg nachgewiesen, wo er nach eigener Auskunft unter der Expertise von Trainer Christian Streich gelernt hat, in unterschiedlichen Systemen nach Plan zu laufen, also „die richtigen Wege zu gehen“. Im Gegenzug schwärmte Streich wiederholt von der Professionalität seines ehrgeizigen Schützlings. Unter anderem mit diesen Worten: „Ich bin froh, mit solch einem tollen Fußballspieler zusammenarbeiten zu dürfen.“

Darida stammt aus der Nachwuchsschule von Viktoria Pilsen, aus der auch internationale Größen wie Pavel Nedved oder Petr Cech hervorgegangen sind. Mit Nedved, der freilich weitaus exzentrischer ist als er, verbindet ihn jedenfalls die Lust am Laufen, die für ihn so wie für den ehemaligen Ausnahmespieler von Juventus Turin keine Belastung, sondern eine Selbstverständlichkeit darstellt. Darida sagt: „Für mich ist das Laufen nicht so anstrengend wie für andere Fußballer. Ich bekomme nicht so schnell Krämpfe. Ich kann 13 Kilometer pro Spiel laufen, andere können es nicht. So ist das eben. Nach dem Spiel bin ich auch nicht so fertig. Da habe ich einen Vorteil.“

Nach einer Serie von starken Auftritten im Nationaltrikot wurde er in seiner Heimat zuletzt schon als „neuer Nedved“ bezeichnet, was ihm aber viel zu weit geht. In einem Interview mit der Prager Zeitung zu Beginn dieses Jahres sah er sich mal wieder mit diesem Terminus konfrontiert. Als Reaktion darauf soll er nur gelacht und Folgendes gesagt haben: „Das ist übertrieben. Unsere Karrieren lassen sich bis jetzt nicht vergleichen.“ Und eben wohl auch nicht die Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor.

Herthas Bemühungen auf dem Transfermarkt dürften mit der Personalie Darida noch lange nicht abgeschlossen sein. Insbesondere im Angriff besteht nach dem Ausfall von Sami Allagui, der wegen einer Zerrung des linken Kreuzbandes und eines damit einhergehenden Knochenmarködems am Schienbeinköpfchen mindestens vier Wochen pausieren muss, akuter Handlungsbedarf. In Abwesenheit von Sandro Wagner (Achillessehnenprobleme) und Julian Schieber, der nach seinem im März erlittenen Knorpelschaden im Reha-Zentrum Da Vinci vor allem noch mit dem Aufbau der Muskulatur beschäftigt ist, hat Dardai zurzeit nur eine Option im Sturm. Die trägt den Namen Salomon Kalou und hat in der Vorbereitung bis dato noch nicht die Erwartungen des Trainers erfüllen können oder wollen. (BLZ)