Suleiman Abdullahi tunnelt Hertha-Keeper Alexander Schwolow.
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BraunschweigBruno Labbadia hatte ja schon so eine Ahnung. Die Hertha sei „noch nicht die schöne Braut“, sagte der erfahrene Fußballlehrer vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig. Wobei „noch nicht schön“ mit „noch nicht so weit“ gleichzusetzen ist. Und fatalerweise wurde aus der Ahnung eine Gewissheit: Denn der Bundesligist offenbarte am Freitagabend im Besonderen in der Defensive eklatante Schwächen, unterlag 4:5 und steht im Hinblick auf den Start der Bundesliga vor einer komplizierten Woche der Fehleranalyse.

Die wohl spannendste Personalfrage, die Labbadia vor der Partie zu beantworten hatte, war die nach der Nummer eins. Alexander Schwolow, der Sommerzugang vom SC Freiburg, oder Rune Jarstein, der Routinier, der in der vergangenen Saison unter dem Covic-Klinsmann-Nouri-Trubel doch sehr gelitten und erstaunliche Schwächen gezeigt hatte? Labbadia gab schließlich Schwolow den Vorzug, was nicht wirklich überraschte, weil er ja auch so etwas wie einen Relaunch zu verantworten hat. Doch dann das: Gerade mal eine Minute war gespielt, als Karim Rekik im Zweikampf gegen Fabio Kaufmann das Timing fehlte und einen Freistoß verursachte. Drei Mann beorderte Schwolow in die Mauer, positionierte sich daraufhin in der Mitte seines Tores. Der ehemalige Unioner Martin Kobylanski, Braunschweigs Kapitän, legte sich in etwa 25 Meter Torentfernung den Ball zurecht, nahm Anlauf und gab dem Ball mit viel Schwung jede Menge Effet mit auf dem Weg. Schwolow machte einen Schritt nach links, dann einen nach rechts, streckte sich, brachte aber seine Hand nicht mehr an den Ball. Unglücklicher kann man bei seinem ersten Pflichtspiel für einen neuen Klub nicht debütieren. Kurzum: Es war ein Torwartfehler.

16 Minuten später gab es einen weiteren verstörenden Moment für Schwolow. Noch immer hatte er keinen Ball berührt, als das Spielgerät nach einem Eckstoß und einem Kopfstoß von Jannis Nikolaou über die menschliche Bande Maxi Mittelstädt in einem hohen Bogen durch den Strafraum flog. Suleiman Abdullahi, der ehemalige Unioner, rauschte heran, Schwolow streckte sich erneut, doch weder er noch Abdullahi kamen an den Ball, der schließlich ins Tor plumpste. Kurzum: Schwolow sah auch beim 0:2 nicht gut aus.

Seine Mitspieler, zumindest diejenigen, die in der Offensive Akzente sollten, waren ob des Rückstands unbeeindruckt, allen voran Matheus Cunha. Der Brasilianer bereitete nämlich mit einem gefühlvoll getretenen Eckball zunächst das 1:2 durch Dodi Lukebakio vor (23.), um sechs Minuten später mit einem platzierten Flachschuss aus halblinker Position gleich auch noch den Ausgleich zu erzielen.

Hertha war obenauf, dominierte, doch Schwolow war in der Rolle des Unglückraben nicht allein. Nein, Rekik und Mathew Leckie, der doch etwas überraschend in der Startelf stand, taten es ihm gleich, brachten eine Minute vor der Halbzeit im Duett Abdullahi an der Strafraumgrenze zu Fall. Kobylanski trat an, Schowolw parierte ab, doch Kobylanski war hellwach, traf im Nachschuss. Kurzum: Schwolow war ab diesem Moment nur noch zu bemitleiden.

Es war ja nicht so, dass Labbadias Mannschaft nicht wollte und nicht konnte. Und als Peter Pekarik nach Vorarbeit von Cunha zum 3:3 traf (65.), sah es ja tatsächlich so aus, als könnte der Abend noch ein gutes Ende für die Hauptstädter nehmen. Aber die Eintracht hatte eben zwei in ihren Reihen, denen alles gelang, während die Hertha einen ihren Reihen hatte, dem nichts gelingen wollte. So trafen Kobylanski und Abdullahi zum 3:4 (67.) beziehungsweise 3:5 (73.), wobei Schwolow von Abdullahi sogar noch getunnelt wurde. Lukebakios Treffer in der 83. Minute ließ nur noch mal kurz die Hoffnung der Herthaner aufkeimen.