Hertha BSC und RB Leipzig begegnen sich auf Augenhöhe.
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LeipzigEs ist schon erstaunlich, was Bruno Labbadia  innerhalb von wenigen Wochen aus dieser Mannschaft gemacht hat, noch dazu unter diesen Umständen.  Nach seinem Amtsantritt am 9. April war bei Hertha BSC wegen der Corona-Pandemie zunächst ja kein Mannschaftstraining möglich, sondern sehr viel Improvisation angesagt. Klar, wie bei allen anderen Bundesligaklubs, das stimmt schon, aber Labbadia hatte eben auch eine Mannschaft im kollektiven Selbstzweifel übernommen, eine Mannschaft ohne Hierarchie, ohne einer konkreten Idee vom Spiel, nach dem irrwitzigen Experiment mit Jürgen Klinsmann als Cheftrainer und einer aus der Verlegenheit heraus geborenen Lösung mit Alexander Nouri. Labbadia ist aber offensichtlich das, was Klinsmann immer für sich in Anspruch genommen hat, ein Bessermacher.

Für diese These darf auch das 2:2 (1:1)  bei RB Leipzig  als weiterer Beleg angeführt werden. Denn die Hertha war im Duell mit diesem Spitzenteam der Bundesliga allemal ebenbürtig, agierte phasenweise sogar dominant, spielte kontrolliert, aber eben auch energische, wie schon beim 3:0 in Hoffenheim oder beim 4:0 im Stadtderby gegen den 1. FC Union.

Der Wandel der Hertha unter Labbadia lässt sich an einigen Spielern festmachen, auch an Marko Grujic, der  durch die Absicherung durch den Fleißarbeiter Per Skjelbred wieder das Gefühl hat, dass er etwas wagen darf. Dass Fehler im Spiel nach vorne erlaubt sind, ohne dass  durch so einen Fehler gleich das komplette Miteinander destabilisiert wird. Er war es auch, der seine Mannschaft in Führung brachte (9.), nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach einem Eckstoß von Marvin Plattenhardt. Wobei es schon ein bisschen kurios anmutete, dass Plattenhardt nach einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler noch zur Ausführung des Eckstoßes fähig war, danach aber mit dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung aus dem Spiel genommen werden musste.

Jarstein erneut unsicher

Zwei Dinge scheint aber auch Labbadia bis dato nicht in den Griff bekommen zu haben. Zum einen die Schwäche der Hertha bei gegnerischen Standardsituation. Das zeigte sich in der 19. Minute, als Lukas Klostermann nach einem Eckball am ersten Pfosten ungehindert zum Kopfstoß kam. Zum anderen hat Rune Jarstein, der Keeper, offensichtlich noch immer nicht seine Flatterhaftigkeit im Griff. Nahe am Eigentor war jedenfalls das, was er in der 68. Minute beim Schuss von Patrik Schick fabrizierte. Gefangen, ja, aber irgendwie nicht richtig, sodass er sich im Nachfassen den Ball selbst ins Tor warf.

Dass der Hauptstadtklub in Überzahl (Marcel Halstenberg hatte in der 62. Minute nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot gesehen) noch zum Ausgleich, war einfach nur gerecht. Und letztlich der Cleverness von Matheus Cunha geschuldet. Der Brasilianer zog nämlich im Zweikampf mit Ademola Lookman geschickt einen Elfmeter, den der eingewechselte Krzysztof Piatek sicher verwandelte (82.).