Hertha BSC: Talent Julius Kade in Wolfsburg vor Startelf-Debüt

Berlin - Das Lazarett bei Hertha BSC wird immer größer. Für die Profis Niklas Stark, Mitchell Weiser, Julian Schieber, Valentin Stocker und Fabian Lustenberger ist die Saison allem Anschein nach vorzeitig beendet. Jammern? Nicht Trainer Pal Dardai. Der setzt im Endspurt um die Europa-League-Plätze mutig auf die Jugend. Sonnabend (15.30 Uhr) soll Julius Kade, 17, gegen den VfL Wolfsburg in der Startelf stehen.

„Julius hat alles, was mit Torgefahr zu tun hat. Er hat Gier, er ist für den Gegner unangenehm in den Zweikämpfen. Er ist ein jüngerer Valentin Stocker. Von links hinten über links vorne bis zentral kann er alles spielen“, lobt Dardai, und stellt dem Youngster ein Startelf-Debüt in Aussicht. In der A-Junioren-Bundesliga traf der 1,81-Meter große Schlaks (nur 67 Kilo) in 16 Spielen neunmal und bereitete sechs Tore vor.

Vor 15 Tagen spielte der junge Kerl das erste Mal bei den Profis, beim 0:1 in Gladbach. In den neun Minuten als Joker für den ausgewechselten Salomon Kalou gab er eine exzellente Visitenkarte ab. Frech, unerschrocken wirbelte er in der Offensive. Fast wäre durch seine Vorlage für Stocker noch der Ausgleich in der Nachspielzeit gefallen.

Klar, dass so etwas Dardai gefällt, wenn sich jemand vom Nachwuchs aufdrängt. Denn die Personalsituation ist bei den Blau-Weißen angespannt. „Ich heule mich deswegen nicht aus. Ich habe genug Spieler hier. Sie müssen nur frei und ohne Hemmungen spielen“, sagt der Coach. Er meint damit die Talente. Und gerade jetzt Kade.

Dardai: "Wir bauen auf den Nachwuchs"

Stocker ist verletzt, und Salomon Kalou soll wieder auf dem linken Flügel spielen, weil Genki Haraguchi im Formtief steckt. Der lange verletzte Zugang Ondrej Duda kann maximal für eine halbe Stunde spielen. Deshalb ist Kade die Option für die Mittelfeldzentrale. Beim Training nahm Kade die Position hinter Stürmer Vedad Ibisevic ein. „Ich will sehen, wie Julius mit Vedo zusammenspielt“, sagt Dardai.

Der Ungar macht ernst mit dem Programm „Jugend forscht“. Er hat als ehemaliger Nachwuchstrainer die Toptalente seit Jahren im Blick. Das kann sich schon in naher Zukunft auszahlen. „Wir haben kein großes Portemonnaie für teure Spieler. Deswegen bauen wir auf unseren Nachwuchs“, betont Dardai immer wieder.

Maxi Mittelstädt, 18, Jordan Torunarigha, 19, und Kade setzte Dardai schon in dieser Saison ein. Doch die Liste der jungen Juwelen ist sehr lang: Dennis Smarsch, Ugur Tezel, Arne Maier, Florian Baak, Sidnay Friede, Nikos Zografakis, Maurice Covic, Palko Dardai (Sohn des Trainers). Alle trainierten schon bei den Profis mit.

Doch jetzt wird erst mal Kades Traum zur Realität. Im Sommer 2016 sagte er erwartungsfroh: „Ich will in dieser Saison durch gute Leistungen vielleicht mal in den Profikader kommen, vielleicht sogar mal zum Einsatz kommen.“ Hat schon geklappt. Das Märchen könnte an seinem 18. Geburtstag am 20. Mai den ersten Höhepunkt finden. Vielleicht schießt er beim Saisonfinale gegen Leverkusen das Siegtor...