Jürgen Klinsmann: Hertha-Cheftrainer, ohne Cheftrainer zu sein?
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BerlinDie Debatte um eine flächendeckende Einführung der Meisterpflicht scheint jetzt ein prominentes Opfer zu fordern. Jürgen Klinsmann steht seit Mittwoch unter einem gewissen Rechtfertigungszwang, wobei es diesmal nicht ums Bäckerhandwerk geht, dafür kann der 55-Jährige immerhin einen Gesellenbrief aus dem Jahr 1982 vorweisen. Es geht um Fußball und den Umstand, dass Klinsmann Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC ist, ohne Cheftrainer zu sein.

Jedenfalls soll er der Bild-Zeitung zufolge bis zum Start der Rückrunde am Sonntag mit der Partie gegen den FC Bayern eine Lizenz vorlegen, den Meisterbrief für die Bundesliga quasi. Erworben hat er ein solches Dokument im Jahr 2000, mindestens alle drei Jahre müssen die Kenntnisse aber aufgefrischt werden. „Die Dinge, die der DFB braucht, habe ich ihm schon zugemailt“, sagt Klinsmann. Der Deutsche Fußball-Bund will jetzt sehen, wie er eine lückenlose Beweisführung hinbekommt.

Denkbar wäre zum Beispiel die Teilnahme an einer Fortbildung für Trainer der Eliteklasse in Mainz. Offenbar ist dem DFB die Fortbildung nicht elitär genug, die Klinsmann vor sieben Wochen in Berlin begann. Thema: Wie rette ich einen Klub vor dem Abstieg unter besonderer Berücksichtigung von 225 Millionen Euro eines Großinvestors namens Lars Windhorst. Wenn das nicht Eliteklasse ist, was dann?

Die Meisterpflicht, sicher, die ist Extra-Eliteklasse, und irgendwann will der Großinvestor für sein Geld und wegen seiner Anteile von 49,9 Prozent an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA vielleicht ja auch mal Großtaten sehen, einen Titel etwa. Doch dass so etwas ohne Legitimation geht, haben schon ganz andere bewiesen. Franz Beckenbauer ist 1990 Weltmeister geworden, Rudi Völler 2002 WM-Zweiter. Mit nichts als der Lizenz zum Flöten, auf den Trainerschein nämlich.

Max Verstappen ohne Fleppen

Überhaupt wird die Bedeutung von Bescheinigungen im Fußball   überschätzt. Dass Profis ein Fahrzeug steuern können, ohne über eine Fahrerlaubnis zu verfügen, ist nicht erst seit dem Dortmunder Freigeist Marco Reus bekannt. Das kommt sogar in den besten Rennställen vor: Max Verstappen gab sein Debüt in der Formel 1 ohne Fleppen.

Aber das führt jetzt zu weit. Das und die Forderung, Jürgen Klinsmann am Sonntag im Berliner Olympiastadion den Zutritt zur Trainerbank zu verweigern. Und wenn doch jemand auf diese Idee kommt – dann backt Klinsmann eben kleinere Brötchen. Die Lizenz dafür hat er ja.