Stegersbach - Der Traum vom eigenen Stadion im Olympiapark droht für Hertha BSC endgültig zu platzen. Berlins Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) erteilte den Plänen der Blau-Weißen, eine reine Fußball-Arena auf dem 130 Hektar großen Areal im Olympiapark zu bauen, eine deutliche Absage. Das Gelände sei als Standort komplett ausgeschlossen, sagte Geisel gegenüber dem Tagesspiegel. „Der Olympiapark zeichnet sich durch ein Gesamtbild mit einer entsprechenden Geschichte aus, das wir nicht der Beliebigkeit preisgeben können.“

Stattdessen bekräftigte Geisel seinen Vorschlag aus dem Juni, wonach der Bundesligist, der bis 2025 in einem reinen, privatfinanzierten Fußballstadion ohne Leichtathletik-Laufbahn mit einem Fassungsvermögen von 55 000 Zuschauern spielen will, doch nach Tegel ziehen könne. „Wir können jetzt gerne noch mehrere Jahre ergebnislos über den Olympiapark reden, aber das bringt uns nicht weiter“, sagte Geisel. Auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Tegel wäre dagegen sowohl eine Fläche vorhanden, als auch eine gute Anbindung möglich. Sollte Hertha sich letztlich für einen Standort in Brandenburg – den die Mehrheit der Klubmitglieder bereits kategorisch ablehnte – entscheiden, würde Geisel das „sehr bedauern“.

Gespräche mit dem Senat

Bei Hertha, dessen Führungsspitze um Präsident Werner Gegenbauer, Manager Michael Preetz und Finanzchef Ingo Schiller derzeit bei der Mannschaft im österreichischen Stegersbach im Trainingslager weilt, reagierte man überrascht und mit einer Spitze auf diese Absage. „Wir haben die Äußerungen von Herrn Geisel zur Kenntnis genommen. Aufgrund der parlamentarischen Sommerpause gehen wir davon aus, dass es sich dabei um seine Einzelmeinung handelt“, teilte der Klub mit, und verwies darauf „die Gespräche mit dem Senat nach der Sommerpause fortsetzen zu wollen“.

Geisel, der von seinem Anfang des Jahres betonten Plan, er wolle „lieber mit- als übereinander reden“, abgerückt zu sein scheint, bevorzugt dagegen weiterhin, dass Hertha BSC auch nach 2025 Mieter im Olympiastadion bleibt. „Das wäre meine Lieblingsvariante. Ich würde gerne mit Hertha darüber reden, wie wir das Olympiastadion noch schöner und besser gestalten könnten.“

Ein solches Szenario lehnte Manager Preetz stets ab. Auch, weil die Laufbahn nach einer erneuten Sanierung nicht ausgebaut werden soll. Ohne ein reines Fußballstadion, das „steil, nah und laut“ sein soll, sehen sich die Blau-Weißen im Vergleich zu anderen Bundesliga-Klubs benachteiligt. Tatsächlich ist Hertha der einzige Erstligist, der in keinem reinen Fußballstadion spielt. Obwohl die Fronten verhärteter denn je sind, glaubt Hertha „durchaus noch an Möglichkeiten, das Stadion an dem von uns favorisierten Standort zu realisieren. Dazu ist guter Wille auf beiden Seiten die beste Voraussetzung. Wir sind dazu unverändert bereit.“

Tatsächlich rückt aufgrund der jüngsten Entwicklung eine Lösung der Stadion-Debatte in noch weitere Ferne. Ursprünglich hoffte Hertha auf eine Zustimmung des bis 2021 gewählten Senats bis Ende 2018, sodass die neue Heimspielstätte bis 2025 errichtet werden könne. Selbst wenn sich der Klub vom Standort Tegel überzeugen lasse, scheint die Einhaltung des Termins nahezu ausgeschlossen zu sein. Schließlich soll der Flughafen erst im Frühjahr 2021 schließen – und auch nur, wenn der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) tatsächlich im Herbst 2020 seine Pforten öffnen sollte.