Hertha BSC und ungarische Nationalmannschaft: Pal Dardai wehrt sich gegen Vorwürfe der Doppelbelastung

Blaue Jogginghose, Kapuzenpullover, Wetterjacke, Turnschuhe – so ist Pal Dardai an der Seitenlinie bei Bundesligaspielen von Hertha BSC anzutreffen. Weißes Hemd, anthrazitfarbener Anzug, schwarze Lederschuhe – so coachte er am Sonntagabend die ungarische Nationalmannschaft. Es war ein besonderes Outfit für einen besonderen Anlass, denn schließlich gehören Länderspiele nicht zum Alltagsgeschäft des 39-Jährigen.

Genau ein Mal war Dardai seit der Ernennung zum Cheftrainer der Hertha-Profis vergangene Woche in Diensten des ungarischen Verbandes unterwegs. Mit dem Unentschieden (0:0) seines Teams gegen Griechenland war er zufrieden. „Der Gegner war gut, die Leistung der Griechen spiegelt nicht ihren aktuellen Tabellenplatz wider“, sagte er. Momentan ist Griechenland Schlusslicht der Gruppe F, Ungarn rangiert hinter Rumänien und Nordirland auf Rang drei, eine aussichtsreiche Position für die Teilnahme an der Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

Unzufrieden war Dardai vielmehr, weil er außerhalb seiner Traineraufgaben diverse Gemüter in Ungarn beruhigen musste. Vor der Länderspielpause hatte er mit Hertha 1:0 in Hamburg gewonnen und somit noch einmal drei Punkte zwischen die Berliner und die Abstiegszone gelegt. Da könnte es ja nicht so dramatisch sein, wenn er das Team, aufgrund der vielen abgestellten Nationalspieler ohnehin nur ein Schatten seiner selbst, mal für ein paar Tage in die verantwortungsvollen Hände seiner Assistenztrainer gibt – dachte er.

„Wir haben das in der Hand“

Doch Dardai hatte Berlin noch nicht ganz verlassen, da kursierten schon die ersten Spekulationen ob der Dauer dieser Doppelbelastung. Hertha habe eine Klausel mit dem ungarischen Verband verabredet, die es dem Klub ermögliche, Dardai schon im Sommer aus dem Vertrag herauszulösen und hauptamtlich als Cheftrainer der Berliner zu verpflichten, hieß es. Als Beweis wurde ein ohne Zusammenhang stehendes Zitat von Michael Preetz angeführt: „Wir haben das in der Hand“, soll der Geschäftsführer von Hertha BSC gesagt haben. Márton Vági, Generalsekretär des ungarischen Fußballverbandes, beharrte hingegen auf der Gültigkeit des Vertrags mit Dardai bis zum Ende der EM-Qualifikation Ende November 2015 .

„Es war gar nicht so einfach, die Stimmung in Ungarn wieder zu beruhigen. Ich finde nicht schön, was die Presse da gemacht hat. Da gibst du alles in deinem Job, und dann kommt sowas, das ist einfach unnötig“, sagte er. Um 10 Uhr ist Dardai gestern am Flughafen Tegel gelandet, um 15 Uhr leitete er bereits wieder das Training der Hertha-Profis auf dem Schenckendorffplatz. „Damit bin ich sogar vor dem einen oder anderen Spieler wieder zurück“, sagte er. Salomon Kalou befand sich nach dem Einsatz für die Elfenbeinküste noch auf dem Rückweg, Per Skjelbred hatte sich im Dienst für Norwegen eine Muskelverhärtung zugezogen, und konnte gar nicht mittrainieren.

Und noch etwas ärgerte Dardai: „Ich finde das auch gegenüber meinen Kollegen ungerecht, ich habe sehr gute Trainer in beiden Lagern – ich mach das ja nicht alles alleine“, sagte er. Die Notwendigkeit, jetzt etwas an den Vertragsverhältnissen zu verändern, sieht er nicht. Wozu auch, schließlich kann man derzeit weder mit Sicherheit sagen, ob Hertha den Klassenerhalt schafft, noch ob Ungarn sich für die EM qualifiziert.

Beide Variablen könnten Änderungen für Dardais berufliche Situation nach sich ziehen. „Darüber kann man sprechen, wenn es so weit ist. Ich hoffe, jetzt ist erst einmal Ruhe, das nächste Mal bin ich ja erst im Sommer weg“, sagte Dardai. Am 13. Juni spielt er mit Ungarn gegen Finnland. Bis dahin ist dann definitiv auch die Ligazugehörigkeit der Berliner geklärt.