Als einer der letzten Spieler kam der viel umworbene Adrián Ramos am Donnerstagnachmittag zum Training von Hertha BSC. Der Kolumbianer grinste nur, sagen wollte er, wie zuletzt, nichts. Nur ein paar Fans diskutierten am Trainingsplatz über die aktuellen Entwicklungen im Transfer-Hickhack, das am Donnerstag noch mal an Dynamik gewonnen hatte.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine andere Quelle die Einigung zwischen Ramos und Borussia Dortmund vermeldet. Zuerst war es Sky-Experte Lothar Matthäus, der via TV sagte, Ramos sei ab Sommer 2014 der Nachfolger von Robert Lewandowski im Dortmunder Angriff. Am zurückliegenden Sonnabend verbreitete der Pay-TV-Sender Sky Italia, in Transferangelegenheiten oft führend, die Nachricht, dass Ramos für eine Ablöse von zehn Millionen Euro nach Dortmund geht.

Und nun berichtete Sport-Bild von einem Geheimtreffen zwischen Ramos, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Borussia-Manager Michael Zorc. Der Transfer, so heißt es, sei perfekt. Ramos soll demnach einen Vertrag bis 2018 plus ein Jahr Option bekommen und ein Jahressalär von 2,3 Millionen Euro. Die Ablöse soll sogar elf Millionen Euro betragen, was für Hertha BSC einen internen Rekord bedeuten würde.

Bislang führt die Liste der lukrativsten Verkäufe des Bundesligisten der Brasilianer Raffael an, für den Hertha im Sommer 2012 rund zehn Millionen Euro von Dynamo Kiew überwiesen bekam. Woher die konkreten Zahlen aus der Sport-Bild stammen, ist allerdings rätselhaft. Hertha verneinte jegliche Verhandlungen mit Borussia Dortmund.

Hertha BSC aber zeigt sich zunehmend genervt und auch gestört angesichts der ständigen Wechselgerüchte um den Führenden in der Bundesliga-Torschützenliste (14 Treffer), dessen aktueller Marktwert bei 7,5 Millionen Euro liegt. „Wir sind es langsam leid, permanent irgendwelche Meldungen kommentieren zu müssen“, sagte Vereinssprecher Peter Bohmbach über die Nachricht von Sport-Bild. Herthas Version der Dinge ist noch immer die Gleiche. Ramos, der in Berlin einen Kontrakt bis Juni 2015 besitzt, habe seit Monaten ein lukratives Angebot zur Vertragsverlängerung vorliegen. Ansonsten gebe es keine Angebote oder Anfragen – auch nicht von Borussia Dortmund. So verbreitet jedenfalls Hertha BSC die Faktenlage.

Möglich erscheinen dennoch geheime Verhandlungen hinter dem Rücken von Ramos’ Arbeitgeber, was in der Liga nicht unüblich ist.

Aufsteiger Hertha, der am Sonntag (17.30 Uhr, Olympiastadion) den VfL Wolfsburg empfängt, hat keinerlei Interesse, das Gerangel um Ramos weiter zu befeuern. Die Mannschaft könnte gestört werden und auch Ramos in seiner Konzentration aufs Toreschießen. Der aber zeigt sich bislang unbeeindruckt von den ständigen Gerüchten um seine Person und spielt die bislang beste Saison seiner Karriere.

Vor allem Trainer Jos Luhukay möchte das Thema „Ramos-Wechsel“ am liebsten ausblenden und nicht kommentieren. „Wenn man sich mit solchen Fragen beschäftigt“, so der Trainer, „verliert man den Fokus für die Herausforderungen der Gegenwart.“ Am Donnerstag nach dem Training wiegelte er ab: „Ich kann zu dem Thema nichts sagen.“

Dennoch ließ sich der Niederländer dieser Tage entlocken, dass man sich natürlich auf Abgänge oder Verletzungen vorbereite. „Man braucht eine Art Schattenmannschaft. Man muss Alternativen haben, aber das gilt nicht nur für Adrián Ramos.“

30 Tore in 80 Bundesligaspielen

Der Kolumbianer ist nun in 80 Bundesligaeinsätzen für Hertha bei 30 Treffern angelangt. Sein Marktwert ist noch einmal deutlich gestiegen und Hertha würde bei einem Verkauf in diesem Sommer – abgesehen vom enormen sportlichen Verlust – ein sehr gutes Geschäft machen. 2009 holte ihn Preetz für 1,4 Millionen Euro von America de Cali und erwarb 80 Prozent der Transferrechte. Im Sommer 2011 zahlte Hertha noch einmal 600 000 Euro und bekam die restlichen 20 Prozent der Transferrechte am Stürmer zugesprochen.

Die Mitspieler von Ramos – zumindest diejenigen mit längeren Verträgen – machen sich mit dem Gedanken vertraut, ab Sommer ohne ihren im Moment wertvollsten Mann auskommen zu müssen. So sagte Tolga Cigerci: „Adrián ist ein Superspieler. Er wird entscheiden, was das Beste für ihn ist.“ Und Johannes van den Bergh glaubt: „Wir sind als Verein noch nicht in der Lage, solch einen Spieler auf Dauer zu halten, wenn die Konkurrenz mit der Champions League lockt.“

Dennoch bietet gerade der jüngste Deal des Klubs mit dem Finanzinvestor KKR neue Möglichkeiten – künftig auch auf dem Transfermarkt. „Adrian weiß, dass sich bei uns gerade etwas entwickelt“, lockt Manager Preetz. Ob Ramos nach fünf Spielzeiten in Berlin noch die Geduld aufbringt, diese Entwicklung über den Sommer 2014 hinaus zu begleiten, ist eher unwahrscheinlich.