Umkämpftes Match: Arne Maier im Kopfballduell mit Freiburgs Robin Koch.
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FreiburgNach der Berliner 1:2-Niederlage in Freiburg verabschiedeten sich Christian Streich und Bruno Labbadia branchenunüblich herzlich voneinander. Der SC-Trainer hatte im Vorfeld der Partie nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren seine Hochachtung für den Berliner Kollegen zum Ausdruck gebracht. Den habe er auf diversen Trainertagungen als ausgesprochen sympathischen Zeitgenossen erlebt. „Bruno ist total bei sich, ein höflicher und aufgeschlossener Mensch.“ Und dass die Hertha unter ihm einen relativen Höhenflug erlebe, wundere ihn schon mal gar nicht. Seinem Trainerteam habe er, kaum dass die Nachricht von Labbadias Verpflichtung durch die Hertha publik geworden sei, gleich gesagt, dass ab nun mit den Berlinern wieder zu rechnen sei.

Und tatsächlich zeigte der Gast am Dienstagabend, dass er kaum noch etwas mit der mutlosen und schlecht organisierten Truppe aus der ersten Saisonhälfte gemein hat. Wo früher auch immer wieder große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen geherrscht hatten, gab es nun die Kompaktheit zu bestaunen, von der viele Trainer reden, die aber nicht immer auf dem Platz zu sehen ist.

Etwas mehr Offensivdrang im zweiten Durchgang wäre allerdings ebenfalls kein Schaden gewesen. In der 14. Minute war es Dodi Lukebakio, der den ersten gefährlichen Berliner Angriff initiierte und auf Vedad Ibisevic querlegte, der auch zum Abschluss kam. Doch mit vereinten Kräften klärten Philipp Lienhart und SC-Keeper Alexander Schwolow zur Ecke.

In der Folgezeit war es dann allerdings der Sportclub, der die klareren Torchancen hatte. Mitte der ersten Hälfte sorgte das Team, das überraschend mit Europa-League-Chancen in die Partie gegangen war, binnen zweier Minuten drei Mal für Gefahr vorm Berliner Tor. Nach einem Eckball von Vincenzo Grifo köpfte Robin Koch den Ball nur knapp am Tor vorbei. Kurz darauf vergaben Roland Sallai und Nicolas Höfler weitere Chancen nach langen Bällen (21./22./23.). Kurz darauf dann die größte Chance für den Sportclub, die der perfekt freigespielte Lucas Höler fahrlässig vergab. Doch anstatt sofort abzuziehen oder nach einer Körpertäuschung den Abschluss zu suchen, legte er noch einmal quer – und vergab so die Chance (31.). Danach verflachte die Partie etwas, beide Seiten drosselten nach dem schwungvollen Beginn erkennbar das Tempo.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit dann eine kuriose Szene, bei der Hertha zumindest nicht vom Glück verfolgt war. Um einen Berliner Konter zu verhindern, warf sich Freiburgs Jonathan Schmid in den Weg von Vladimir Darida, der ihn beim Kampf um den Ball seinen Gegenspieler am Unterschenkel berührte. Im Nachgang der Aktion erzielte Lukebakio nach Zuspiel von Jordan Torunarigha mit einem strammen Schuss die vermeintliche Hertha-Führung. Doch die wurde durch den VAR annulliert, stattdessen sah Darida die Gelbe Karte (53.). Kurz darauf lag Berlin dann zurück.

Und mal wieder war es eine Standardsituation, die dem Sportclub zum Torerfolg verhalf: Grifo verwandelte einen Freistoß aus 18 Metern direkt, indem er ihn kunstvoll über die Mauer hob. Ein toller Schuss – völlig unhaltbar schien der Ball allerdings nicht (61.) zu sein. Rune Jarstein im Hertha-Tor wirkte dann kurz darauf besonders erleichtert, als Ibisevic einen Foulelfmeter zum 1:1-Ausgleich verwandelte (66.), Robin Koch hatte Petar Pekarik von den Beinen geholt.

Mit einem Remis wollte sich der SC allerdings nicht zufrieden gegeben und spielte offensiv weiter. Prompt traf der kurz zuvor eingewechselte Nils Petersen zum 2:1 (71.). Zuvor war Darida der Ball versprungen, Freiburgs Joker nutzte den Fauxpas umgehend aus. Außer einem Schüsschen von Lukebakio, das Schwolow problemlos festhielt und einem Kopfball von Matheus Cunha in der Nachspielzeit hatte die Hertha keine Chance mehr auf den Ausgleich. Es blieb beim 1:2 aus Berliner Sicht, das die eh nur noch minimalen europäischen Ambitionen der Hertha endgültig zum Erlöschen bringen dürfte.