Frankfurts Bas Dost köpft gegen zwei Herthaner aufs Tor.
dpa/Sören Stache

Berlin-CharlottenburgVon einem Sechs-Punkte-Start haben sie in Charlottenburg nach dem starken Beginn vor einer Woche in Bremen und dem 4:1-Triumph bei Werder geträumt. Davon, dass sie bei Hertha BSC zumindest über Nacht Tabellenführer sind. Dazu jedoch hätte es gegen Eintracht Frankfurt zumindest eines Teilerfolges bedurft. Nach dem 1:3 (0:2) gegen die Hessen aber sind die Blau-Weißen ziemlich geerdet. Nichts ist es mit dem Angriff auf die Spitze. Der muss warten, wenn er denn überhaupt möglich ist. Die Elf von Bruno Labbadia ist doch noch nicht so stabil, dass sie wie verwandelt aus der zuletzt ziemlich missratenen Saison hervorgehen könnte.

Dabei tut der Coach alles, was in seiner Macht steht. Vor allem beherzigt er einen nahezu zementierten Grundsatz: Ändere nie ein erfolgreiches Team. Akkurat jene Mannschaft lässt Labbadia gegen die Eintracht los, die an der Weser überrascht und überzeugt hatte. Eines ist trotzdem anders: Anstelle eines Sponsors steht auf den Hertha-Trikots „für Pauline“, die Aufforderung, sich typisieren zu lassen, um dem an Leukämie erkrankten kleinen Mädchen eventuell als Stammzellenspender zu helfen. Nur nehmen die Gäste darauf keinerlei Rücksicht, der Gegner ist diesmal, was die Gegenwehr angeht, ein komplett anderer als zum Saisonauftakt. Wer von den endlich wieder zugelassenen Zuschauern, 4000 sind gekommen, geglaubt hatte, die Blau-Weißen könnten auch zu Hause zeigen, was sie draufhaben, sah sich zumindest anfänglich ziemlich enttäuscht.

Von Anfang an sind die Frankfurter präsent, sie gehen in die Zweikämpfe, als gebe es kein Morgen. Von der zuletzt überschwänglich gelobten Hertha-Offensive ist so gut wie nichts zu sehen. Im Gegenteil, die Gäste gewinnen die allermeisten ihrer Zweikämpfe, lassen in der Defensive zunächst so gut wie nichts zu und setzen ihrerseits gefährliche Nadelstiche. Nicht einmal von der frühen Verletzung von Spielmacher Filip Kostic, der Serbe wird wegen einer Bänderverletzung im rechten Knie nach nicht einmal einer Viertelstunde durch Steven Zuber ersetzt, lassen sich die Männer von Trainer Adi Hütter aus dem Konzept bringen.

Dafür leisten sich die Platzbesitzer Schludrigkeiten, die sofort bestraft werden. Dedryck Boyata, erstmals als wirklicher Kapitän angetreten, um hinten möglichst die Null zu halten, kommt gegen André Silva zu spät, bringt den Gäste-Torjäger völlig unnötig im Strafraum zu Fall. Die Entscheidung ist derart klar, dass Videoassistentin Bibiana Steinhaus nicht einmal zuckt, einzugreifen. Den Rest lässt sich, entgegen der weitverbreiteten Auffassung, dass der Gefoulte nicht selbst schießen soll, Silva nicht nehmen. Alexander Schwolow ahnt zwar die Ecke, kommt aber gegen den platziert geschossenen Ball nicht heran (30.). Dabei hätte es gerade Boyata bei seinem Foul besser wissen müssen. Bereits im vorigen Spieljahr nämlich hatte der Belgier drei Elfmeter verschuldet. Nun geht es schon wieder los …

Bas Dost ist Herthas Angstgegner

Als ob dieses 0:1 noch nicht genug sei, setzen sich die Leichtsinnigkeiten einfach fort. Diesmal geht Lucas Tousart mit hohem Bein gegen Sebastian Rode ins Duell – Freistoß, und auch der hat fatale Folgen: Zwischen Boyata und Jordan Torunarigha springt Bas Dost in den von Daichi Kamada geflankten Ball – es ist das 0:2 (36.). Es hat den Anschein, als wären die Blau-Weißen so etwas wie Dosts Lieblingsgegner, im fünften Spiel gegen Hertha erzielt der Niederländer bereits sein sechstes Tor.

In der Pause herrscht in der Kabine reger Gesprächsbedarf. Labbadia handelt, greift mit drei (!) Wechseln – Deyovaisio Zeefuik, Arne Maier und Jhon Cordoba kommen für Peter Pekarik, Vladimir Darida und den erneut schwachen Krzysztof Piatek – radikal durch. Draußen lässt Arne Friedrich gehörig Luft ab. „Wir verlieren die Bälle viel zu leicht“, mosert der Sportdirektor. „Wir spielen nicht das Spiel, das wir spielen wollen. Es ist in allen Bereichen zu wenig.“ Vor allem was die Zweikämpfe angeht, ist der ehemalige Top-Verteidiger total enttäuscht, sagt: „Es spricht Bände, dass die Quote in den Zweikämpfen 70:30 für Eintracht ist.“

Diese Kritik zeigt Wirkung. Noch nicht zählbare, aber vom Auftreten her ist viel mehr Zug im Team. Plötzlich sind die Platzbesitzer da, marschieren nach vorn, setzen die Frankfurter unter Druck und kommen endlich zu Chancen. Nur kommt es doch völlig anders! Als eher der Anschlusstreffer winkt, gibt es den endgültigen Genickbruch. Rode, bei den Gästen eigentlich eher für die groben Aufgaben zuständig, wird auf Strafraumhöhe völlig allein gelassen, nimmt haargenau Maß und zirkelt den Ball mithilfe des linken Innenpfostens zum 0:3 ins Netz (71.). Da passt fast dazu, dass das 1:3 durch Martin Hinteregger trotz feiner Vorarbeit von Torunarigha ein Eigentor ist (77.). Es ist von Anfang bis Ende ein gebrauchter Tag – und als Nächstes warten am Sonntag kommender Woche die schier unschlagbaren Bayern