Sergio Cordova erzielt das 2:0 für Augsburg, Herthas Keeper Rune Jarstein, der zuvor leichtfertig den Ball verspielte, fliegt für den überharten Einsatz vom Platz.
Foto: Ottmar Winter

AugsburgMitte der zweiten Halbzeit stand Ante Covic wieder vor seiner Bank, doch der anfängliche Elan, mit dem er seine Elf gecoacht hatte, war längst verflogen. Regungslos verharrte der Trainer von Hertha BSC, was auch daran lag, dass seine Instruktionen wohl ohnehin nichts mehr hätten ändern können an der vierten Liganiederlage in Serie. 0:3 stand es schon aus Berliner Sicht. Am Ende reiste die Hertha mit einer 0:4 (0:2)-Niederlage beim FC Augsburg durch die Gegentore von Philipp Max (17.), Sergio Córdova (26.), André Hahn (52.) und Florian Niederlechner (79.) in die Hauptstadt, in der am Sonnabend der Vergleich der Enttäuschten ansteht.

Borussia Dortmund kommt ins Olympiastadion, in dem die Frage im Mittelpunkt stehen dürfte, welcher Trainer mehr um seinen Job bangen muss: BVB-Coach Lucien Favre oder Covic – sofern nicht schon vorher etwas passiert. „Ruhiger wird’s nicht, berechtigterweise“, sagte Covic später. Er sei in einer solch „schwierigen Situation“ aber „der Allerletzte, der an sich denkt. Es geht nur um den Verein, dem ich seit 20 Jahren diene.“ Und es gehe darum, „dass man die Situation umbiegt. Dazu haben wir schon am Samstag die Gelegenheit.“

„Da kann man trainieren wie ein Weltmeister, und dann spielt man so wie wir. So zu verlieren ist schon ein Schlag in die Fresse.“ 

Hertha-Verteidiger Niklas Stark

Erholen müssen sich die Berliner zunächst von der happigen Niederlage, die Verteidiger Niklas Stark als „Schlag in die Fresse“ bezeichnete. Es seien „einfach zu viele Sachen“, an denen es gerade hapere, so könne man in der Bundesliga nicht agieren, meinte der Nationalspieler. „Wir sind nicht mehr so eklig und trauen uns nicht hinten raus zu spielen“, befand Marius Wolf und ergänzte zu Covic: „Es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu diskutieren. Wir haben unter ihm zu trainieren. Wenn wir seine Vorgaben nicht umsetzen, wird es auch schwer für den Trainer.“

Manager Preetz äußert sich nicht zu Covic

Manager Michael Preetz hatte Covic vor dem Spiel noch gestärkt, danach wollte er sich nicht näher äußern. Nur so viel: Er müsse das „erstmal sacken lassen“. Covic hatte das Spiel zunächst fast ununterbrochen im Stehen verfolgt und dabei mal korrigierend, mal aufmunternd Einfluss zu nehmen versucht auf das Geschehen, das manche Beobachter bereits als schicksalhaft für ihn eingeschätzt hatten. Was sich im Verlauf der ersten Halbzeit ereignete, war Covic aber kaum anzulasten, sondern vielmehr der wiederholten Schlafmützigkeit seiner Spieler.

Vor dem 0:1 dämmerte die gesamte Berliner Hintermannschaft bei der Freistoßflanke von Max, die auf ihrer langen Flugbahn im Strafraum aufsetzte und ins lange Eck sprang. Gleich mehrere Augsburger hatten den Ball dabei erstaunlich freistehend verpasst. Herthas Spieler waren gar nicht erst eingelaufen. Beim 0:2 war vor allem Torwart Rune Jarstein gedanklich nicht auf der Höhe. Einen Rückpass von Niklas Stark nahm er trotz des nahenden Niederlechner an, der ihm den Ball wegschnappte, ehe Córdova diesen ins leere Tor schoss. Jarstein hatte es zudem geschafft, sowohl Niederlechner als auch Córdova bei seiner mehrfach verunglückten Aktion mit zwei groben Foulspielen abzuräumen, was ihm auch noch die Rote Karte einbrachte.

Ante Covic muss Partei erst mal sacken lassen

Und Covic? Sah all das mit Schrecken, sprach von einem „richtigen Aussetzer“ bei Jarstein und setzte sich nach beiden Gegentoren und nach dem Platzverweis jeweils auf die Bank. Auch er musste die Rückschläge in schneller Folge wohl erst mal sacken lassen. Dabei hatte Hertha zunächst gleichwertig begonnen, sich aber mit groben Fehlern in die missliche Lage manövriert, die sich in Unterzahl nicht mehr korrigieren ließ. Zwar kamen auch die zehn Berliner durchaus zu Torannäherungen, doch Augsburg blieb die bestimmende und gefährlichere Mannschaft.

Wir sind sehr enttäuscht nach der bitteren Niederlage. Wir haben nicht das auf die Platte bekommen, was wir uns vorgenommen haben. Das hat auch etwas mit dem Kopf zu tun.

Ante Covic

Das sah auch Covic, der nun immer häufiger seinen Sitzplatz auf der Bank aufsuchte, nachdem er notgedrungen Ersatztorwart Dennis Smarsch zum Bundesligadebüt verholfen und dafür Mittelfeldspieler Per Skjelbred ausgewechselt hatte. Doch auch der 20 Jahre alte Smarsch konnte nicht verhindern, dass der für den angeschlagenen Marco Richter eingewechselte Hahn kurz nach der Pause mit einem platzierten Schuss auf 3:0 für den FCA erhöhte. Weitere Augsburger Chancen und Niederlechners wuchtiger Abschluss aus spitzem Winkel zum 4:0 folgten. Covic sah es im Sitzen. Und zwar „sehr, sehr enttäuscht“, wie er später sagte.