Hertha BSC verliert in der Verlängerung gegen Schalke 04

Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann überzeugt 75 Minuten lang und bricht dann umso drastischer ein. Die Partie wird von rassistischen Beledigungen gegen Jordan Torunarigha überschattet.

Gelsenkirchen-So langsam nimmt die Pokalgeschichte von Hertha BSC Berlin tragische Züge an. Seit 1985 wird das Finale des wichtigsten nationalen Pokalwettbewerbs nun in der Hauptstadt ausgetragen, aber die Herthaner waren noch nie dabei. „Die Sehnsucht nach einem Pokalsieg im eigenen Stadion kann ich absolut nachvollziehen.“, hatte Trainer Jürgen Klinsmann vor dem Achtelfinalspiel in Gelsenkirchen erklärt, und die Fans entrollten vor dem Anpfiff auf Schalke ein riesiges Transparent. „Der Traum lebt weiter“, stand dort, und sie hatten tatsächlich ausgiebig träumen können im Verlauf des Abends. Mit 2:0 führten die Berliner bis in die Schlussphase der regulären Spielzeit hinein und verloren schließlich noch durch einen Treffer von Benito Raman mit 3:2 nach einer dramatischen Verlängerung.

In der Nachspielzeit dreht Jordan Torunarigha durch. Er ist von der Tribüne mit Affenlauten bleidigt worden. Doch nicht nur er sieht Rot.
In der Nachspielzeit dreht Jordan Torunarigha durch. Er ist von der Tribüne mit Affenlauten bleidigt worden. Doch nicht nur er sieht Rot.Getty Images

Rassistische Schmähung von Torunarigha

Am Ende war es ein Pokaldrama, das nach seiner Vorgeschichte in dieser Form eher nicht zu erwarten war. Das in sich aber auch eine Vorgeschichte hatte. Denn Jordan Torunarigha war von der Tribüne auf Schalke rassistisch beleidigt worden, was später zu einem emotionalen Ausbruch führte und dazu, dass er später weinend auf dem Spielfeld zu beobachten war. Doch der Reihe nach.

Das Duell Hertha gegen Schake hatte ja bereits am vorigen Freitag mit einem trostlosen 0:0 in der Bundesliga begonnen, und zunächst passierte auch an diesem Abend nur wenig: Beide Mannschaften verteidigten ordentlich, wussten aber nur wenig mit dem Ball anzufangen, wenn kreative Lösungen auf dem Weg zum gegnerischen Tor gefragt waren. Jedenfalls bis Berlins Krzysztof Piatek einen klugen Diagonalball auf den rechten Flügel zu Marius Wolf schlug; der Flügelspieler passte vors Tor, wo Pascal Köpke den Ball geschickt über die Linie schob (12.). Der Sohn des Bundestorwarttrainers Andreas Köpke stand zum ersten mal in der Berliner Startelf und hatte sofort getroffen.

Es war überhaupt ein Abend der Debütanten. Bei Berlin feierte auch Piatek, der in der Winterpause für 23 Millionen Euro vom AC Mailand verpflichtet wurde, seine Premiere als Teil der ersten Elf. Und bei den Gelsenkirchenern tauchten mit Ahmed Kutucu, Jean-Clair Todibo sowie Nassim Boujellab gleich drei Profs erstmals in dieser Saison in der Liste der Startelfspieler auf. Besonders die Wahl des Personals von Schalkes Trainer David Wagner hatte alle überrascht, weil mit Ozan Kabak und Benito Raman zwei tragende Säulen der vergangenen Wochen fehlten. Und das rächte sich. Nach vorne klappte in der ersten Halbzeit wenig, während die Defensive immer wieder schlecht sortiert wirkte. Der einzige wirklich gefährliche Schalke Schuss der ersten Hälfte war Amine Harit gelungen, aber Jordan Torunarigha klärte den von Torhüter Rune Jarstein bereits etwas verlangsamten Ball gerade noch auf der Linie (14.).

Torunarigha und Wagner sehen Rot

Lange Zeit agierte die Berliner Defensive beeindruckend stabil gegen diese Schalker, und die gute Ordnung führte immer wieder zu guten Balleroberungen. So wie nach 39 Minuten, als das Sturmduo Köpke/Piatek bei einem Konter erneut viel Raum hatte. Köpke fand den richtigen Moment für ein Abspiel auf seinen polnischen Kollegen, dessen Schuss Alexander Nübel im Schalker Tor nicht mehr halten konnte, es stand 0:2. An allen Ecken fehlte den Schalkern die stabilisierende Präsenz von Ozan Kabak, und in der Pause korrigierte Wagner seine Aufstellung. Der türkische Innenverteidiger spielte nun für Todibo, der im Januar vom FC Barcelona ausgeliehen wurde, und den Lothar Matthäus für eines der größten Innenverteidigertalente Europas hält. Aber mit Kabak wurde Schalke immer besser.

Mit einem mal entstand wieder diese besondere königsblaue Energie, die Schalke derzeit so stark macht. Mit einer große Widerstandskraft stemmten sie sich gegen die drohende Niederlage, und der Anschlusstreffer war typisch für den FC Schalke der laufenden Saison: Mit einem Akt des Willens setzte sich Daniel Caligiuri an der Grundlinie gegen Maximilian Mittelstädt durch und traf aus sieben Metern zum wild umjubelten 1:2 (76.). Nun war Schalke da, Amine Harit gelang nach einem Querpass Caligiuris schnell das 2:2 (82.), es gab eine turbulente Verlängerung.

Die Partie wogte hin und her, Schalke war überlegen, aber die Hertha hielt wehrte sich mit großer Leidenschaft. Allerdings sah Torunarigha eine gelb-rote Karte, nachdem er am Spielfeldrand eine Kiste auf den Boden geworfen hatte, die Emotionen kochten.

Torunarigha war rassistisch beleidigt worden, Affenlaute waren ihm von der Tribüne aus entgegengeschallt. "Es gab rassistische Beleidigungen von der Tribüne", sagte Herth-Profi Niklas Stark später. "Jordan ist ein emotionaler Spieler. Wenn so etwas passiert, wäre ich wahrscheinlich auch ausgerastet. Sowas geht nicht. Das ist menschlich ganz abstoßend.“ Zu den Vorfällen soll es in der zweiten Halbzeit gekommen sein.

Die Partie blieb turbulent. Schalke Trainer David Wagner musste mit einer roten Karte in die Kabine, weil der Videoschiedsrichter eine Tätlichkeit des Trainers gesehen hatte (102.), der Torunarigha aber eigentlich nur beruhigen wollte. Den Schlusspunkt setzte dann der eingewechselte Benito Raman, der einen Konter mit einem Sprint übers halbe Spielfeld und einem Schuss durch die Beine von Jarstein krönte (115.).

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Vorgänge um Jordan Torunarigha aktualisiert. Die Ursprüngliche Version des Textes gab diese nur unvollständig wieder.