Wo zieht es ihn hin? Um Herthas Liverpool-Leihgabe Marko Grujic gibt es wieder viele Gerüchte. 
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BerlinSo richtig wusste Marko Grujic vor einem Jahr nicht, was mit ihm geschieht. „Verrückt“ sei das alles gewesen. Er selbst konnte damals nicht genau sagen, für welchen Klub er zukünftig spielen werde. Ob es Herthas Mittelfeldmann nun wieder so ergeht? Vieles spricht jedenfalls dafür, dass sich die Dinge für den 24-jährigen Serben in diesem Sommer wiederholen. Borussia Mönchengladbach, Herthas Gegner am letzten Spieltag am kommenden Sonnabend, soll interessiert sein, ihn von seinem Stammverein FC Liverpool auszuleihen und ein Jahr später fest zu verpflichten. Entsprechende Medienberichte kursieren in Grujics Heimat.

Vergangenen Juni entschied er sich nach langem Hin und Her für ein zweites Jahr bei den Blau-Weißen. Werder Bremen und Eintracht Frankfurt bekamen trotz heftiger Avancen einen Korb. Liverpools Trainer Jürgen Klopp habe dabei zwar eine wichtige, aber keine entscheidende Rolle gespielt, berichtete Grujic später. „Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass ich hier noch nicht fertig bin, dass ich noch nicht alles gezeigt habe, was ich kann“, erklärte er.

Sollte der sowohl physisch als auch technisch starke Antreiber Hertha nun den Rücken kehren, verlieren die Berliner einen wichtigen Taktgeber. Grujic, von den Kollegen nicht ohne Grund „Doktore“ genannt, kann eine Partie lesen und mit seiner Spielweise prägen. Zwar konnte er diese Saison zunächst nicht an die Leistungen des Vorjahres anknüpfen, was auch in Folge eines turbulenten Herbstes und Winters wohl kein Blau-Weißer von sich behaupten kann. Unter Trainer Bruno Labbadia fand Grujic jedoch wieder zu alter Stärke, bewies seit dem Restart, dass er über genügend Qualität besitzt, um bei Herthas anvisiertem Angriff auf das obere Tabellendrittel eine wichtige Rolle zu spielen. „Marko hat im Training gezeigt, welche Fähigkeiten er besitzt“, erklärt Labbadia, warum er auf den 1,91 Meter großen Mittelfeldmann setzte. In der Kombination mit dem defensiver denkenden Per Skjelbred harmonierte er so gut, dass er für Labbadia ein „wichtiger Faktor“ war.

Dabei ist Grujic nicht nur auf dem Platz ein Stratege. Schach ist seine große Leidenschaft. Und ähnlich wie man beim Brettspiel vorausschauend planen muss, geht er auch bei seiner Karriereplanung vor. „Ich muss nachdenken und klug sein, was als nächstes passiert. Ich bin kein junger Mann mehr. Im Alter von 24 Jahren bin ich in einem Stadium, in dem ich wichtige Schritte in meiner Karriere machen muss“, erklärte er zuletzt. Sein Traum sei es nach wie vor an der Anfield Road zu spielen. Bisher lief er seit seinem Wechsel aus der Kaderschmiede von Roter Stern Belgrad 2016 lediglich 14-mal für die Reds auf, an die er noch bis 2023 gebunden ist. Zumindest in der Vorbereitung scheint er nun bei Klopp eine neue Chance zu bekommen. „Liverpool möchte ihn zurückhaben und möchte, dass er dort die Vorbereitung absolviert“, erklärt Preetz.

So ganz haben sie Grujic bei Hertha aber noch nicht abgeschrieben. Auf dem Transfermarkt in Corona-Zeiten werde viel Bewegung sein, sagt Preetz. „Dann müssen wir sehen, was passiert. Natürlich ist Marko ein Spieler, über den wir bei Hertha BSC immer nachdenken.“ Und die Chancen, dass Grujic doch wieder zu haben ist, stehen nicht so schlecht. Beim neuen Meister der Premier League ist die Konkurrenz im Mittelfeld riesig. Erst recht, wenn es Bayerns Thiago auf die Insel ziehen sollte. Der Spanier ist zwar nicht der gleiche Spielertyp wie Grujic, dennoch ein Konkurrent, hinter dem er sich wohl zunächst anstellen müsste.

Dass sich auch Labbadia weiter Hoffnungen auf eine erneute Leihe oder gar einen Kauf macht, verrät er indirekt. Der Abgang von Per Skjelbred wird zwar durch den im Winter verpflichteten Franzosen Lucas Tousart kompensiert. „Die Frage, die wir uns stellen ist: Ist Marko der ideale Spieler zu Lucas? Oder müssen wir uns nach einem anderen umschauen?“, erklärt er.

Für Trainer und Manager wird es eine Herausforderung, einen Kader für die neue Spielzeit zusammenzustellen, der den gestiegenen Anforderungen in Westend gerecht wird und gleichzeitig die Tür für Grujic nicht schließt. Oder ein Konkurrent aus der Bundesliga schon vorher zuschlägt. Angeblich strebe Mönchengladbach zunächst eine Leihe an, um Grujic, wenn der finanzielle Spielraum nach der Krise wieder größer ist, ein Jahr später für rund 18 Millionen Euro unter Vertrag zu nehmen.

Sorgen, die die neureichen Blau-Weißen dank der Millionen von Investor Lars Windhorst nicht haben. Das Geld wäre da, Grujic fest zu verpflichten. Gleichzeitig hat es Hertha selbst in der Hand, am Sonnabend im direkten Duell dafür zu sorgen, dass die Mönchengladbacher die Champions League verpassen – und damit über deutlich weniger finanziellen Spielraum verfügen. Klingt ganz danach, als drohe Grujic erneut eine Hängepartie.