Dodi Lukebakio trifft für Hertha BSC zur Führung gegen Eintracht Frankfurt
Foto: imago images

FrankfurtEin Hertha-Anhang, der wieder seine Fahnen schwenkt; ein Trainer, der mit offener Jacke bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt die Fäuste ballt: Die erste Dienstreise unter Jürgen Klinsmann hätte am Nikolaustag sicherlich schlechter laufen können. Bei nasskalter Witterung im Frankfurter Stadtwald gelang den Berliner Gästen unter dem überraschend installierten Nothelfer auf der Trainerbank immerhin das erste kleine Erfolgserlebnis: Mit einem schwer erkämpften 2:2 (1:0) verbuchte Hertha BSC bei Eintracht Frankfurt einen Teilerfolg, der dem prominenten Coach nur ein bisschen Ruhe verschafft. Der Projekteiter wird wissen, dass auch nach dieser Vorstellung noch viel Arbeit auf ihn wartet.

Duda zurück im Team

Dodi Lukebakio (30.) und Marko Grujic (63.) schossen zunächst eine 2:0-Führung heraus, ehe Martin Hinteregger (65.) und Sebastian Rode (86.) noch ausglichen. Die Passivität Herthas war am Ende eklatant. Das kann auch Klinsmann nicht wirklich gefallen. Der 55-Jährige hat noch einen weiten Weg vor sich, um in der Hinrunde in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Gut wäre auch, wenn der 1. FC Union am Sonntag gegen Köln gleich noch Schützenhilfe leistet. Hertha erwartet am kommenden Wochenende den SC Freiburg im Olympiastadion.

Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte im Vorlauf von einer zufälligen Begegnung mit seinem Gegenüber berichtet. Der Österreicher und der Wahl-Kalifornier hätten sich im Frühjahr zufällig in Frankfurt in einem Restaurant getroffen. „Er war ganz angetan von dem, was wir spielen, und das haben wir uns ein bisschen kennengelernt“, erzählte Hütter. Dem 49-Jährigen imponiert die Weltoffenheit, die Klinsmann umgibt. Dessen  XXL-Staff hatte sich für eine Formation entschieden, in die gegenüber dem missglückten Klinsmann-Debüt gegen Borussia Dortmund (1:2) drei neue Spieler rückten. Lukas Klünter und Marvin Plattenhardt sowie Ondrej Duda in der Mittelfeldzentrale bekamen für Marius Wolf, Maximilian Mittelstädt und Per Skjelbred ihre Chance.

Herthas Akteure trugen mausgraue Jerseys und verhielten sich anfänglich auch wie Duckmäuser. Während die Eintracht eine 3-5-2-Grundordnung dazu nutzte, um über die Außen Danny da Costa und Filip Kostic ständig den Vorwärtsgang einzulegen, interpretierte Hertha dieselbe Formation mit einer Fünfer-Verteidigungslinie.

Führung aus heiterem Himmel

So erarbeiteten sich die Hessen rasch ein Übergewicht. Torwart Thomas Kraft verhinderte bei einem Kopfball von Almamy Toure (20.) oder einem Versuch von Hinteregger (28.) einen Rückstand. Aus heiterem Himmel gelang der Klinsmann-Elf die Führung. Den Vorstoß von Plattenhardt nutzte der starke Grujic zu einem blitzgescheiten Zuspiel auf den schnellen Lukebakio, der SGE-Keeper Frederik Rönnow nach einer halben Stunde überwand.

Schon acht Minuten später bejubelte der Frankfurter Anhang den vermeintlichen Ausgleich, den Daichi Kamada nach Kostic-Flanke erzielt habe. Doch der serbische Dampfmacher hatte zuvor Niklas Stark zu Boden gerissen, so dass sich Videoassistent Guido Winkmann meldete. Schiedsrichter Christian Dingert sah sich die Szene selbst am Kontrollmonitor an und nahm das Tor zurück. Der in der Vorwoche noch über den VAR-Einsatz schimpfende Klinsmann dürfte nichts zu meckern gehabt haben. Denn wirklich verdient war die Pausenführung für seine Mannschaft nicht, die allenfalls in Sachen Kampfgeist und Effektivität überzeugen konnte.

Das war denn auch die positive Erkenntnis: Von der bekannten körperlichen Gangart war die Hertha nicht zu beeindrucken. So entwickelte die SGE zwar einigen Druck, aber außer einem Flankengewitter passierte nicht viel. Nach einem Plattenhardt-Freistoß bugsierte auf der Gegenseite der aufgerückte Dedryck Boyata die Kugel in die Mitte und Grujic traf zum 0:2. Doch postwendend konnte Hinteregger mit seinem bereits fünften Saisontreffer per Kopf wieder verkürzen. Logisch, dass es danach noch spannend. Aufregung kam auf, als Kraft das Spielgerät sich selbst ins Tor patschte, aber Goncalo Pacienca hatte den Hertha-Torwart zuvor leicht gestoßen, so dass Dingert erneut abpfiff (70.). Nun drückte die Eintracht noch mal mächtig aufs Gaspedal, Kraft rettete noch gegen Kostic (83.). Der Ausgleich durch den eingewechselten Rode kam im Anschluss an eine Kostic-Ecke und Hinteregger-Verlängerung dann aber fast folgerichtig zustande.