Blau auf Weiß: Krzysztof Piatek ist jetzt ein Herthaner. Er soll die Probleme in der Offensive beheben helfen.
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Berlin-WestendMichael Preetz hatte noch das eine oder andere zu tun. Das hat er über die Presseabteilung des Fußballbundesligisten Hertha BSC ausrichten lassen und sich für die Pressekonferenz am Donnerstag entschuldigen lassen. Die Fakten sprachen ohnehin für sich. Hertha BSC hat den Polen Krzysztof Piatek, 24, verpflichtet. Der Stürmer kommt vom AC Mailand. Gekostet haben soll er die Ablösesumme von 23 Millionen Euro. Unterschrieben hat er laut Hertha BSC einen langfristigen Kontrakt. Manager Preetz war tatsächlich beschäftigt und ist es vielleicht noch: mit der Anbahnung einer weiteren Verpflichtung? Die Transferperiode endet an diesem Freitag um 18 Uhr, wenige Stunden somit vor der Bundesligapartie der Herthaner im Olympiastadion gegen den FC Schalke 04 (20.30 Uhr). 

Piatek könnte in diesem Duell schon auflaufen. Wahrscheinlicher ist sein Einsatz im DFB-Pokal am kommenden Dienstag, wieder gegen den FC Schalke, diesmal in Gelsenkirchen.  Rein technisch wäre ein weiterer Zugang für Hertha BSC möglich. Finanziell offenbar ja sowieso. Rund 60 Millionen Euro hat Hertha BSC in der Winterpause ausgegeben. So viel wie kein anderer Bundesligist. Und so viel wie in den vergangenen fünf Spielzeiten insgesamt. Dafür eingekauft wurden Lucas Tousart als Rekordtransfer der Berliner, mit 25 Millionen Euro Ablösesumme, der jedoch sogleich für ein halbes Jahr an Olympique Lyon zurückverliehen wurde. Perspektive Wachstum – wenn das mal gut geht. Ach ja, und dann ist da noch Santiago Ascacibar, er kam vom VfB Stuttgart.

Robert Lewandowski lässt grüßen

Nun also Piatek. In Polen sehen sie in dem 24 Jahre alten Angreifer eine Art neuen Robert Lewandowski, 31, gleichsam den legitimen Erben des Bayern-Stürmers. „Ich habe versucht, mir sein Verhalten auf dem Platz abzuschauen“, hat Piatek einmal gesagt. „Während des Spiels versuche ich, mich auf ähnliche Weise zu bewegen.“ Auch in der Nationalmannschaft, in deren Kader Piatek seit Sommer 2018 im Kader steht, für die er in zehn Spielen auflief und fünf Treffer erzielte. Beim AC Mailand waren es in dieser Saison übrigens in 18 Partien der Serie A vier Treffer. In der Vorsaison kamen in 37 Ligaspielen 22 Treffer zusammen.  

Milan hatte 2018 38 Millionen Euro an den CFC Genua überwiesen, aber immer noch genug Geld übrig, um sich jetzt auch Zlatan Ibrahimovic zu leisten, an dem es auch gelegen haben könnte, dass sich Piatek nach Berlin aufgemacht hat. Mit dem bisherigen Transfergebaren setzt Hertha BSC Maßstäbe, setzt damit allerdings auch die Mannschaft und die sportlich Verantwortlichen unter Druck. Für Platz 13 in der Bundesligatabelle ist Piatek vermutlich nicht nach Berlin gekommen, hat Investor Lars Windhorst sicher nicht 225 Millionen Euro lockergemacht. Interessant wird nun vor allem auch sein, wer der Transferpolitik zum Opfer fällt. „In allen Vereinen gibt es zurzeit Gerüchte und Spekulationen und unzufriedene Spieler, das ist völlig normal in unserem Geschäft“, hat Alexander Nouri gesagt, der Zeit für die Pressekonferenz am Donnerstag zu haben hatte und als Assistenztrainer Chefcoach Jürgen Klinsmann und den unabkömmlichen Michael Preetz vertrat.

Es ist vollbracht. Hertha-Manager Michael Preetz, Zugang Krzysztof Piatek und Cheftrainer Jürgen Klinsmann posieren mit Trikot.
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Der hatte sich vermutlich mit Anfragen bezüglich einiger Spieler aus seiner Mannschaft zu beschäftigen. Mittelfeldspieler Arne Maier sucht das Weite, ihn ließ Preetz bisher jedoch nicht ziehen. Niklas Stark strebt einen Klubswechsel an, weil er mit seiner Rolle unzufrieden ist. Auch Salomon Kalou hat mit seinem Kroll über Coach Klinsmann keinen Hehl gemacht. Der hatte ja gesagt, dass er den Kader zu verschlanken beabsichtige, und zwar lange vor Herthas ausführlicher Einkaufstour, was den internen Konkurrenzdruck ordentlich befeuerte. Einen „Champions-League-Spieler“ hatte der Chefcoach gefordert. Piatek fällt in diese Kategorie, jedenfalls von der sportlichen Perspektive her, die ihm zugeschrieben wird, nicht nur in seiner von Lewandowski reichlich verwöhnten Heimat Polen. „Ich weiß, dass ich sein Niveau erreichen kann“, sagt Piatek über Lewandowski, „aber ich muss noch hart arbeiten.“

Dazu wird dem Mann aus Dzierzoniów in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien sein neuer Arbeitgeber ausreichend Gelegenheit einräumen. Dem Vernehmen nach hat sich Piatek für vier, fünf Jahre an die Berliner vertraglich gebunden. Derartige Details halten die Verantwortlichen gern unter Verschluss. Bis 2023 wäre sein Arbeitspapier beim AC Mailand gelaufen, der sich mit derartigen Informationen spendabler erweist.

„Er ist gut im Abschluss, kann Bälle festmachen“, hat Assistenztrainer Nouri an seinen Eindrücken die Qualität des 1,83 Meter großen Mittelstürmers festgemacht. Den medizinischen Check, auch das ist ja nicht ganz unwichtig, bestand Krzystof Piatek am Donnerstagvormittag. Ein Foto im Netz zeigt ihn mit rosa Turnschuhen in der Hand, er trägt einen schwarzen Kapuzenpulli mit Aufdruck. Mona Lisa lächelt den Betrachter an, und es sieht so aus, als würde Piatek mit der Schöpfung des Leonardo da Vinci etwas sagen wollen. Ob er eine Vorliebe für Genies und ihre Schöpfungen hat, kann Krzystof Piatek ja mal bei Gelegenheit erzählen. Vorerst wird er es mit seinem neuen Manager halten: Er hat noch das eine oder andere zu tun.