Es heißt, dass Ende März ein gewisser Steve Walsh Hertha BSC hinterhergereist ist. Walsh steht im Dienst von Leicester City, und dass der Scout ein Händchen für unterschätzte Spieler hat, beweist nicht zuletzt der Gewinn der Meisterschaft. Er hat Riyad Mahrez, Jamie Vardy und N’Golo Kanté für den Premier-League-Klub entdeckt. Im März also soll der Mann aus England Peter Pekarik unter die Lupe genommen haben. Die Vermutung machte die Runde, dass der Rechtsverteidiger Berlin bald verlässt.

Doch zeigt sich beim Blick auf den Spielplan: Pekarik kam in der fraglichen Zeit gar nicht zum Einsatz, ausnahmsweise saß er mal auf der Bank. Ob Walsh das aufgefallen ist? Irgendwie läuft der Slowake ja ständig unter dem Radar. Obwohl er einen nicht zu verachtenden Anteil daran hat, dass Hertha BSC Donnerstag im Rückspiel bei Brøndby IF (20.15 Uhr/Sport1) eine Runde näher an die Gruppenphase der Europa League heranrücken kann.

„Wenn der Druck groß ist, muss man einfach spielen“

Peter Pekarik lacht. Er hat an den zwei größten Fußballerfolgen der Slowakei mitgewirkt, aber wirklich berühmt wäre er selbst in seiner Heimat wohl nur, wenn er sich als Kind Schlittschuhe an die Füße geschnallt hätte, anstatt einem Ball hinterherzurennen. „Eishockey ist bei uns populärer“, sagt er. Die slowakischen Kufensportler sind 2002 Weltmeister geworden und 2010 Olympia-Vierter. Dahinter verblassen die Achtelfinal-Teilnahmen der Fußballer bei der Weltmeisterschaft 2010 und der Europameisterschaft 2016. Vermutlich hätte sich Pekarik dank seiner Lebens- und Arbeitseinstellung auch auf dem Eis durchgesetzt. Aber berühmt? Das ist keine Kategorie, die für Pekarik Bedeutung hat.

Als 20-Jähriger wurde er mit MSK Zilina slowakischer Meister, nach seinem Wechsel in die Bundesliga dauerte es 2009 keine fünf Monate, und er hatte mit dem VfL Wolfsburg auch den deutschen Titel gewonnen. Nicht als Mitläufer, sondern als Stammspieler. Groß in Erscheinung ist er dabei nie getreten, für die auffälligen Szenen sorgten meist andere. Und genau deshalb griff Pal Dardai vergangene Woche im Hinspiel gegen Brøndby auf den 29-Jährigen zurück, obwohl der aufgrund des durch die EM verzögerten Urlaubs erst wenige Tage mit dem Team trainiert hatte. Denn unauffällig zu sein, bedeutet auch, keine Fehler zu machen.

Wagemutig dank der EM

Vor dem Hinspiel hatte Pal Dardai nicht so recht einschätzen können, zu welcher Leistung sein Team imstande sein werde. Er entschied sich für die Unsicherheitsminimierung, und keiner eignet sich dafür im aktuellen Kader besser als Peter Pekarik. „Die ersten zehn Minuten waren krass“, erinnert sich der an den Spielbeginn, als Brøndby extrem früh und energisch attackierte. „Wenn der Druck groß ist, muss man einfach spielen“, sagt er. Jede Mannschaft braucht so einen. Er ist die Nummer sicher. Seit vier Jahren.

Es waren wirre Zeiten bei Hertha, als Pekarik nach dem Abstieg in Liga zwei 2012 als letzte und zwölfte Verpflichtung ankam, um den kurzfristig nach Spanien abgewanderten Christian Lell zu ersetzen. Auch weil Christoph Janker nicht fit wurde, Alfredo Morales schwächelte, und Marcel Ndjeng nicht der Richtige für die Position rechts hinten war. „Ich mag es, wenn ein Spieler, egal unter welchen Umständen, auf seiner Position funktioniert“, sagte Manager Michael Preetz damals über den Ersatz vom Ersatz.