Jürgen Klinsmann freut sich auf die Rückrunde mit Hertha BSC.
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BerlinJürgen Klinsmann nahm die beiden Treppenabsätze hoch aufs Podium mit Schwung und rief freundlich ein „Mahlzeit“ in den Medienraum. Wie nicht anders zu erwarten, geht Herthas 55 Jahre alter Cheftrainer   voller Freude und Optimismus in die Rückrunde – auch oder gerade weil zum Auftakt gleich der FC Bayern München ins mit 74 000 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion kommt. „Beide Mannschaften haben sehr unterschiedliche Ziele im Moment“, sagte Klinsmann, „die Bayern wollen Meister werden und in der Champions League weit vorn landen. Wir kämpfen noch gegen den Abstieg, sind noch nicht weit genug von den gefährlichen Plätzen entfernt.“ Die Stimmung in seinem Team sei „toll“ und „das Trainingscamp in Florida hatte es in sich. Wir haben viel gearbeitet.“

Den Wirbel um den fehlenden Nachweis seiner gültigen Trainerlizenz, der alle drei Jahre mit Lehrgängen erbracht werden muss, versuchte Klinsmann wegzulächeln. „Nein, das hat uns in keiner Weise in der Vorbereitung auf das Spiel gestört“, beteuerte er. „Ich habe Dinge, die der DFB braucht, nachgereicht. Ich hatte noch einiges im Laptop, die anderen Nachweise liegen zu Hause in Kalifornien. Das ist alles kein Problem.“ Ganz so einfach scheint es aber nicht zu sein. Manager Michael Preetz, neben dem Trainer auf dem Podium, ergänzte: „Wir sind als Verein im Austausch mit dem DFB und der DFL. Das braucht halt alles seine Zeit. Ich bin zuversichtlich, dass bis zum Spiel alles geklärt ist.“ Klinsmann hatte in den zurückliegenden Jahren vor allem in Mexiko und Brasilien an Weiterbildungslehrgängen teilgenommen. Egal, wie die Geschichte bis Sonntag ausgeht, Klinsmann wird auf der Hertha-Bank sitzen, im Notfall soll sein Assistent Alexander Nouri als Chef auftreten.

Klinsmann hat Stammformation gefunden

Konfrontiert mit der Tatsache, dass Hertha in den zurückliegenden zehn Jahren in der Bundesliga stets eine schlechtere Rückrunde gespielt hatte als in der Zeit vor der Winterpause, sagte Klinsmann: „Ja, das ist Fakt, ich habe diese Information aufgenommen. Wir wollen dieses Mal das Gegenteil erreichen und viel mehr Punkte holen als zuletzt bis Weihnachten.“

Schon in der Hinrunde, als Hertha unter dem neuen Chefcoach in fünf Spielen acht Punkte holte und zuletzt dreimal ohne Gegentreffer blieb, hatte Klinsmann eine Stammformation gefunden. In Florida wurde diese weiter eingespielt. In der Defensive vertraut er auf Karim Rekik und den Belgier Dedryck Boyata, den der Trainer gestern als „einen der besten Innenverteidiger Europas“ titulierte. Im Mittelfeld setzt er vor allem Marko Grujic und Vladimir Darida. Auf den Flügeln sollen Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio wirbeln, zentral Davie Selke stürmen. „Es wird personell keine großen Überraschungen geben“, so Klinsmann. Aller Voraussicht nach wird der einzige Winter-Zugang, Santiago Ascacibar, der für zwölf Millionen Euro Ablöse vom VfB Stuttgart kam, sein Debüt geben – auf der Sechser-Position. „An dem werdet ihr eure Freude haben“, rief Klinsmann in den Raum. Spieler wie Vedad Ibisevic, Niklas Stark oder Jordan Torunarigha, die „alle nah an der Stammelf sind“, müssten im Moment Geduld aufbringen.

Xhaka-Transfer noch nicht geplatzt

Preetz, zuletzt medial im Schatten des Trainers, lobte Klinsmann: „Wir brauchten solch eine Lokomotive wie Jürgen. Die Aufmerksamkeit um den Klub tut Hertha gut. Aber wir haben viel Arbeit vor uns, müssen zuerst aus der Abstiegszone heraus. Dann können wir andere Ziele formulieren. Natürlich wollen wir später Europa erreichen und dann dort oben bleiben.“

Der Manager wird weiterhin den Transfermarkt beobachten, der bis zum 31. Januar geöffnet ist.   Wie diese Zeitung erfuhr, ist der Transfer des 82-maligen Schweizer Nationalspielers Granit Xhaka – entgegen anderer Meldungen – noch nicht geplatzt. Hertha arbeitet weiter am Deal mit Arsenal London, parallel geht es um den Franzosen Lucas Tousart von Olympique Lyon. Dagegen sollen die auch gehandelten Julian Draxler und Mario Götze im Moment keine Rolle mehr in den Überlegungen   spielen.