Es gibt nur wenige Fußballer, deren Namen die Massen in den Fankurven inbrünstig rufen. Einst galten die Ovationen Hamburgs Mittelstürmer Uwe Seeler, später gab es das lang gezogene „Ruuuuudi“ für Angreifer Rudi Völler. Und im Berliner Olympiastadion raunte die Ostkurve in den zurückliegenden Jahren häufig erwartungsfroh „Rooooonyyyy!“, wenn der knuddelige Brasilianer im Hertha-Trikot mit seinem linken Zauberfuß zum Freistoß antrat.

Solch Emotionen wird es bald nicht mehr geben, denn Ronny, 29, steht nach fünf Jahren in Berlin zum Verkauf. Für die Zweite Liga zu gut, für die Erste Liga nicht voll tauglich – so kann man das Engagement des ein Jahr jüngeren Bruders von Mönchengladbachs Raffael kurz umschreiben. „Ja“, sagt Dino Lamberti, der langjährige Schweizer Berater der Brüder aus Fortaleza, „es hat wohl keinen Sinn mehr mit Ronny und der Hertha. Ich bedauere das sehr, denn einen besseren Verein als Hertha wird Ronny nicht mehr finden.“

Nur mit strenger Kontrolle

Verschiedene Trainer versuchten in Berlin, aus dem hervorragenden Techniker mit dem Mordsschuss einen vollwertigen Erstliga-Profi zu machen – mit relativ wenig Erfolg. Unter Jos Luhukay erlebte Ronny, der oft mit Übergewicht zu kämpfen hatte und „ohne strenge Kontrolle nicht funktioniert“ (Lamberti), seine beste Zeit in der Zweiten Liga. In der Saison 2012/2013 schoss er mit 18 Toren und 14 Assists Hertha in die Erste Bundesliga zurück. Dafür liebten ihn die Fans.

Doch Zweifel, ob er diese Leistung auch ganz oben bringen kann, blieben immer. In der Euphorie des Aufstiegs verlängerte Hertha im April 2013 Ronnys Vertrag gleich bis 2017, was sich zunehmend als Hypothek erwies. Damals pokerte Ronny lange, kokettierte mit einem märchenhaften Angebot von Al Ahli aus Doha, fühlte sich aber „zu jung für die Wüste“. Das ist nun anders.

Alt genug für die Wüste

Nach einer schwachen Saison 2014/2015 mit nur drei Toren in 19 Einsätzen (10 Mal eingewechselt, 7 Mal ausgewechselt) setzt Trainer Pal Dardai nicht mehr auf Ronny. Dem fehlt oft die professionelle Einstellung, was Kämpfernatur Dardai gar nicht mag. Zudem ist Ronny zu verspielt und zu langsam. Berater Lamberti sagt: „Ich hatte immer gehofft, Ronny etabliert sich in Berlin. Aber es blieben nur Ansätze.“

Nun orientiert sich das Duo Ronny/Lamberti nach Nahost. Klubs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen Interesse zeigen. „Wir haben etwas Konkretes“, sagt Lamberti. Hertha möchte eine angemessene Ablöse erzielen und den hoch bezahlten Brasilianer von der Gehaltsliste bekommen, um neue Mittelfeldspieler zu kaufen. Lamberti gibt zu: „Es ist zu verstehen, dass man bei Hertha keine Geduld mehr mit Ronny hat, weil er viele Chancen, sich zu ändern, nicht genutzt hat.“

Ronny könne zwar bei den Scheichs sehr viel Geld verdienen, aber es bestehe die Gefahr, dass der Brasilianer bei sportlich leichterer Gegnerschaft in einen bequemen Lebenswandel verfällt. Lamberti wird weiter den Aufpasser spielen – egal, wohin es Ronny verschlägt. Doch jetzt muss erst einmal verhandelt werden. Der Berater wagt keine zeitliche Prognose: „Wann es zu einem Abschluss kommt, ist im Moment nicht seriös zu sagen.“