Licht und Schatten sah Hertha-Trainer Bruno Labbadia in der vergangenen Transferphase.
Foto: Ottmar Winter

Berlin-WestendGut 100 Minuten ließ Bruno Labbadia, Herthas Cheftrainer, am Mittwochvormittag trainieren. Doch der 54-Jährige hatte nur zehn Feldspieler zur Verfügung, zu denen auch noch zwei Akteure aus der U23 gehörten. 13 Profis aus seinem Aufgebot sind zu Länderspielen abgestellt worden, darunter auch die beiden Zugänge vom Montag, dem letzten Tag der Transferperiode. Innenverteidiger Omar Alderete, 23, spielt mit Paraguay gegen Peru und in Venezuela. Mittelfeldmann Matteo Guendouzi, 21, wird mit der U21 von Frankreich gegen Liechtenstein und die Slowakei antreten. Keine optimale Situation für den Trainer. Dieser Ausnahmezustand wird bei Hertha noch bis kurz vor dem nächsten Bundesligaspiel am 17. Oktober gegen den VfB Stuttgart anhalten.

Es ist eine schwierige Zeit für Labbadia, der mit einer stark verjüngten Mannschaft arbeiten wird. „Wir haben nicht die großen Namen oder die fertigen Spieler geholt, wir haben die drittjüngste Mannschaft“, sagte Labbadia nach dem Training. Dabei fing es in dem Moment an, heftig zu regnen, als sich der Trainer am Rande des Schenkendorffplatzes den Journalisten stellte, die sich mit Regenschirmen schützten. Das Wetter passte zur eher gedämpften Stimmung bei Hertha. Labbadia wurde pitschnass, was ihn aber nicht groß störte.

Mit den Transferaktivitäten zeigte er sich nur bedingt zufrieden. „Wir hatten einiges anders vor. Aber wir haben klare Vorgaben aufgrund der Situation, die in der Welt herrscht, die auch in der Bundesliga herrscht“, sagte Labbadia, „wir konnten und wollten am Ende einige Dinge auch nicht umsetzen. Aber unter den schwierigen Umständen haben wir das Bestmögliche herausgeholt.“

Hertha hatte in Alderete vom FC Basel und Guendouzi von Arsenal London zwei Profis im letzten Moment verpflichtet und die Leihgabe an den FC Augsburg, Eduard Löwen, 23, vorzeitig nach Berlin zurückgeholt. Im Gegenzug wurde Mittelfeldspieler Arne Maier, 21, an Arminia Bielefeld ausgeliehen, nachdem der zuvor seinen Vertrag bei Hertha verlängert hatte – eine Bedingung für das Leihgeschäft, wie Manager Michael Preetz später erläuterte. Zudem spülte der Verkauf von Innenverteidiger Karim Rekik an den FC Sevilla rund vier Millionen Euro Ablöse in die Kasse.

Labbadia sieht sein Aufgebot im Moment eher als „Mannschaft für die Zukunft“ und sagte: „Wir haben jetzt die Chance, ein gutes Team aufzubauen und alle haben die Gelegenheit, sich zu zeigen und zu entwickeln.“

Heikel bleibt dabei weiter das Thema „Erfahrung“, nachdem im Sommer viele verdiente Profis Hertha verlassen hatten, etwa Per Skjelbred, Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic. Michael Preetz verwies in diesem Zusammenhang später auf Profis wie Dedryck Boyata, Lucas Tousart oder Krzysztof Piatek, die „keine Greenhorns sind und in Führungsrollen hineinwachsen können“.

Angedachte Transfers wie die von Marko Grujic (ging vom FC Liverpool als Leihgabe zum FC Porto) oder von Jeff Reine-Adelaide (wechselte als Leihspieler von Olympique Lyon zu OGC Nizza) scheiterten auch an zu hohen Ablöseforderungen der abgebenden Vereine. Preetz gab einen kleinen Einblick in die Verhandlungen: „Da wurden von den abgebenden Vereinen, die die Regeln bestimmen, enorme Preise aufgerufen. Viele hofften, Hertha wird schon darauf eingehen. Aber das haben wir nicht getan.“

Der Grad der Zufriedenheit mit den Transfers fiel beim Manager aber höher aus als beim Trainer. Preetz war froh, „dass die längste Transferperiode, die sehr speziell war, zu Ende ist“. Er habe danach erst einmal Sport getrieben, um Abschalten zu können. „Das war auch dringend notwendig.“

Preetz, der seit 2009 schon mehr als zwanzig Transferzeiten bei Hertha verantwortete, erklärte den relativ moderaten Einkaufskurs trotz der Investoren-Millionen. „Wir sind nicht unzufrieden mit dem, was wir gemacht haben. Jetzt können wir das Augenmerk wieder auf den Fußball legen.“ Man habe maßvoll mit den Mitteln umgehen müssen.

Er verwies auf bereits zuvor getätigte Transfers, wie die von Torhüter Alexander Schwolow (acht Millionen Ablöse), Deyovaiso Zeefuik (4 Millionen) oder von Mittelstürmer Jhon Cordoba, der für 15 Millionen vom 1. FC Köln kam. Der Manager sieht im aktuellen Aufgebot, das nun endlich komplett ist, einen „spannenden Kader, mit dem wir konkurrenzfähig sind“.

Preetz vermied eine klare sportliche Vorgabe für die Mannschaft, die mit einem Sieg und zwei Niederlagen in die Saison gestartet war und zuletzt unglücklich mit 3:4 beim FC Bayern München verloren hatte. „Das Ziel bleibt das gleiche. Wir wollen das Team weiterentwickeln und wir wollen den Anschluss an die internationalen Plätze herstellen.“