Berlin - Vor vier Wochen als Hertha-Retter auserkoren. Doch jetzt sieht Trainer-Methusalem Felix Magath (68) in ganzer Tragweite, was er für ein Himmelfahrtskommando übernommen hat. Nach der 1:4-Derby-Niederlage gegen den 1. FC Union Berlin läuft auch Magath Gefahr, dass er seine Trainerkarriere mit seinem größten Misserfolg beendet. Er rettete schon den HSV (1996), Eintracht Frankfurt (2000), VfB Stuttgart (2005) und den VfL Wolfsburg (2011) vor dem Abstieg. Bei seinem Amtsantritt am 14. März sagte er mit viel Selbstbewusstsein: „Nennen Sie mir einen anderen Trainer, der Hertha in der Situation helfen kann.“

Magath ist weiter vom Klassenerhalt überzeugt

Und auch als er nach der Niederlage gegen die Eisernen gefragt wurde, ob er noch fest davon überzeugt sei, dass er Hertha zum Klassenerhalt führen könne, war da weiterhin viel Selbstbewusstsein herauszuhören. Zumal die Hoffnung, nach einer bis dahin sieglosen Rückrunde mit Vorgänger Tayfun Korkut doch noch in acht Spielen die Saison zu retten, im ersten Spiel unter seiner Regie auf nährreichen Boden traf. Nach dem 3:0 gegen Hoffenheim lebte die Hoffnung so richtig auf, waren alle von den magathschen Wunderkräften überzeugt.

Magath selbst ließ sich davon nicht täuschen. Das Hauptproblem hatte er sofort erkannt: Diese Mannschaft kämpft und spielt – aber jeder für sich und nicht gemeinsam. Es folgte ein Trainingslager in Harsewinkel – für den Teamgeist –, das in eine 1:2-Niederlage gegen Top-Team Leverkusen mündete. Doch danach sagte Magath: „Das ist der schwierigste Job, den ich jemals übernommen habe.“ Und nach dem 1:4 gegen Union erklärt er es ganz deutlich: „Das Team ist keine Mannschaft. Sie wollen alle, aber alles ist unkoordiniert. Daran müssen wir arbeiten.“ Wie schon seine Vorgänger.

Den echten Schlüssel dafür hat er noch nicht gefunden, und er gibt ehrlich zu: „Ich lerne die Mannschaft noch immer kennen.“ Sein Problem: Viel Zeit, viele Spiele hat er dafür nicht mehr. Fünf Partien im gnadenlosen Abstiegskampf (in Augsburg, gegen Stuttgart, in Bielefeld, gegen Mainz und in Dortmund). Jetzt kommen erst mal drei Spiele der Wahrheit. Magath hofft: „Das sind Gegner, die auf Augenhöhe sind. Deswegen sehe ich das nicht so schwarz.“

Vermeintlich leichte Gegner liegen Hertha BSC nicht unbedingt

Vielleicht kennt Magath Hertha doch noch nicht so genau. Genau gegen diese Mannschaften tun sich die Blau-Weißen besonders schwer. Nach der Derby-Pokalpleite im Januar holte Hertha danach in der Bundesliga gegen Bochum und Fürth nicht die erhofften sechs Punkte, sondern nur einen Zähler (1:1 gegen Bochum, 1:2 in Fürth). Das dritte Abstiegsduell in Bielefeld ist für Magath ein stolzes Jubiläum: sein 500. Bundesligaspiel als Trainer. Es kann Herthas Rettung werden, aber auch Herthas Untergang. Magath weiß es selbst und sagt: „Herthas Klassenerhalt ist eine größere Leistung als meine Doubles mit Bayern.“