Berlin - Es war nur ein kleiner Nebensatz, der die Urlaubsplanung von Pal Dardai betrifft. In ihm versteckte sich aber die nahe Zukunft des Trainers von Hertha BSC. „Ich fliege bald nach Ungarn in mein Haus am Plattensee“, sagte der 45-Jährige, „Ich bleibe dort drei Wochen“. Kurze Pause. „Oder eben auch sechs Wochen.“ Drei Wochen? Sechs Wochen? Was denn nun? Die neue Bundesliga-Saison beginnt am 13. August, der DFB-Pokal eine Woche früher.

Dardai wird sich auf kein riskantes Abenteuer einlassen

Dardai freut sich auf sein Haus nahe Siofok, wo er gern den ganzen Tag barfuß herumläuft oder  – wie er mir einmal erzählte – meist ganz entspannt am Wasser sitzt, im Garten werkelt oder auch mit dem Boot hinausfährt. Wenn er lediglich drei Wochen die Sommerdüfte und Vorzüge seiner Heimat genießen kann, bleibt er der Cheftrainer der Hertha. Werden es sechs Wochen Erholung, wird er erneut als Nachwuchs-Coach arbeiten.

Sollten der künftige Sportchef Fredi Bobic und Vorstandsboss Carsten Schmidt auf Dardai setzen, wird der das Angebot annehmen, aber seine Vorstellungen und Forderungen deutlich einbringen – davon gehe ich aus. Auf ein zu riskantes Abenteuer wird er sich nicht mehr einlassen. Dafür ist zu viel passiert in einer oft desaströsen Spielzeit, in die Dardai erst Ende Januar als Retter eingreifen musste. Pokal-Aus in Runde eins, fünf Zugänge für insgesamt 26 Millionen Euro am Ende der Sommer-Transferperiode, dennoch heftige Niederlagen auf dem Platz, die Doppel-Entlassung von Trainer Bruno Labbadia und der Klub-Ikone Michael Preetz. Letzterer nach 25 Jahren im Verein, davon zwölf als Manager, danach die Inthronisierung von Dardai.

Nun stellt sich die entscheidende Frage: Können die Pläne von Dardai, der viele wichtige Lehren aus der verkorksten Saison mit hochtrabenden Plänen und der verfehlten Transfer- und Personalpolitik gezogen hat, mit den Vorstellungen der Klubchefs in Übereinklang gebracht werden?  Zweifel sind zumindest angebracht.

Dardai gab in seiner letzten virtuellen Medienrunde vor dem Urlaub drastisch und ehrlich Einblicke in den Ist-Zustand: „Wir haben es geschafft als Team, aber Hertha hat im Moment noch keine Mannschaft!“ Rumms! Immer wieder klang in seiner ersten Analyse durch, welch ungeheure Energie er aufbringen musste, um die vielen Egoismen im teuersten Kader der Vereinsgeschichte auszugleichen.

Seine Erkenntnis: Hertha benötige nun vor allem Mentalitätsspieler mit Führungsqualitäten. Der Ungar warnte nach dem personellen Umbruch vor einer erneuten Totaloffensive auf dem Spielermarkt. Geht es nach ihm, würden vier, fünf Spieler gehen und vielleicht vier neue Kicker geholt werden müssen, „aber nicht acht!“

Hertha BSC plant „Operation Goldelse“

Ob diese Vorstellungen, die ich für sehr realistisch halte, konform gehen mit der sogenannten „Operation Goldelse“? So geheimnisvoll umschreibt Herthas Führung einen großen Plan für eine erfolgreiche sportliche und wirtschaftliche Zukunft des Vereins. Laut diesem Strategiepapier, dessen Inhalt bislang weithin unbekannt ist, soll sich der Klub binnen fünf Jahren im ersten Drittel der Bundesligatabelle etablieren und möglichst dauerhaft ins internationale Geschäft kommen.

Ist dieses ambitionierte Vorhaben mit einem Cheftrainer Dardai möglich, der natürlich auch nach ganz oben will, aber dabei „step by step“ vorgehen möchte?

Der neue Sportchef Bobic, der einst zwei Spielzeiten – 2003/04 und 2004/05 – gemeinsam als Profi mit Dardai und Arne Friedrich bei Hertha auf dem Platz stand, muss schnell entscheiden, ob er weiter mit Fanliebling Dardai arbeiten will oder eben nicht. Neben der Trainerfrage ist auch die Zukunft von Arne Friedrich offen, der als „freiheitsliebend“ gilt, aber selbst entscheiden kann, ob er bleibt oder nicht. Ich plädiere für folgendes Organigramm: Sportchef: Fredi Bobic, Sportdirektor: Arne Friedrich; Cheftrainer: Pal Dardai. Diese drei Persönlichkeiten hätten das Zeug zu einem neuen „Magischen Dreieck“. Nur Mut!