US-Unternehmen 777 Partners will Herthas Windhorst-Anteile übernehmen

Lars Windhorst hat vor, seine Anteile an Hertha BSC an einen Investor aus Miami zu veräußern, der gerade dabei ist, sich ein Multi-Klub-Portfolio zuzulegen.

Josh Wander (r.), der mit 777 Partner voriges Jahr bei CFC Genua einstieg, bei der Präsentation von Andrij Schewtschenko als neuem Trainer.
Josh Wander (r.), der mit 777 Partner voriges Jahr bei CFC Genua einstieg, bei der Präsentation von Andrij Schewtschenko als neuem Trainer.dpa/Tano Pecoraro

Ist es nur Zufall? Oder ziemlich clever geplant von Kay Bernstein? Der Präsident von Hertha BSC macht gerade mit Frau und Kind Urlaub in Florida. In dem US-Bundesstaat also, aus dem die Investmentfirma 777 Partners agiert, die Herthas bisheriger Investor Lars Windhorst und seine Tennor Holding nach etwa zwei Wochen Verhandlungszeit am Donnerstag als Käufer seiner Anteile präsentierte. „777 Partners, ein strategischer Investor in Fußballclubs weltweit, und die Tennor Holding haben vereinbart, dass 777 Partners die Tennor-Anteile in Höhe von 64,7 Prozent an der Hertha BSC GmbH Co KGaA übernehmen wird“, lautet das Statement von Tennor.

„Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, wird Windhorst zitiert. Ein Tennor-Sprecher bestätigte dem Handelsblatt, der Verkauf erfolge „ohne finanziellen Schaden“. Das würde bedeuten, dass 777 Partners tatsächlich die 374 Millionen Euro auf den Tisch legt, die Windhorst seit 2019 in den Bundesligaklub gesteckt hat.  

Hertha BSC freut sich über die Nachricht von Lars Windhorst

Hertha BSC hatte nach Windhorsts Käufer-Ankündigung am Mittwoch erklärt: „Wir freuen uns über diese Nachricht. Alles Weitere wird nun entsprechend unserer Vereinbarung behandelt.“ Darüber hinaus wollte sich der Klub am Donnerstag nicht äußern. Er hat ein Vorkaufsrecht und könnte ein Veto einlegen, falls der neue Investor den Werten des Vereins entgegenstünde. Auch die DFL muss der Übernahme zustimmen.

Was ist 777 Partners also für ein Unternehmen? Es gehört seit 2015 den Amerikanern Josh Wander und Steve Pasko und investiert in Fluglinien, Versicherungen und Fußballklubs. Laut einem Report der Anwaltskanzlei Norton Rose Fulbright hat 777 Partners Don Dransfield, der zuvor bei Manchester City Leiter für Strategie und Geschäftsplanung war, beauftragt, ein Netzwerk von Fußballvereinen zu schaffen. Cross-Club-Ownerships scheinen derzeit im Trend zu sein.

Seit September 2021 hat die global agierende Investmentfirma Anteile an Fußballvereinen mit langer Tradition erworben: Etwa dem spanischen Erstligisten FC Sevilla (1890 gegründet), dem italienischen Zweitligisten CFC Genua (1893), dem brasilianischen Zweitligisten Vasco da Gama (1898), dem belgischen Erstligisten Standard Lüttich (1898) oder dem französischen Red Star FC (1897). Mit dem Gründungsjahr 1892 scheint Hertha BSC da perfekt in das Multi-Klub-Portfolio zu passen. „Hertha BSC ist mit seiner 130-jährigen Geschichte und als Mitbegründer der Bundesliga ein sehr bedeutender Fußball-Verein in Deutschland. Für uns ist es eine Ehre, als Gesellschafter die Zukunft dieses Vereines mitgestalten zu können“, ließ Wander verlauten.

777 Partners setzen auch auf den Wachstumsmarkt Frauenfußball

Der bei 777 für Sport, Medien und Unterhaltung zuständige Geschäftsführer Juan Arciniegas betont gegenüber Norton Rose Fulbright, dass die Vereine, die er übernahm, alle eine starke Identität und Verbindung zu ihren Fans haben, die oft über die sportliche Leistung hinausgeht. Und: 777 habe nicht die Absicht, die Traditionen und Identitäten seiner Vereine zu ändern. Daher müssen Hertha-Fans wohl nicht befürchten, ihre blau-weißen Devotionalien bald Red-Bull-Group-artig gegen rote Stiere oder eine lilablassgrüne Triple-Sieben einzutauschen und Bernstein kann weiter seine blaue Retrojacke tragen. 

Der Besitz mehrerer Vereine bedeute für die Anleger laut Arciniegas eine Risikostreuung. Zudem seien Synergien, die sich aus dem Betrieb eines Vereinsnetzwerks ergeben viel wert. Etwa bei der gemeinsamen Nutzung von Daten, Scouting, hochentwickelten Finanzfunktionen oder banaleren Back-Office-Aufgaben.

Mit dem kürzlich präsentierten Jahresverlust von knapp 80 Millionen Euro dürfte es für Hertha keine Option sein, die Windhorst-Anteile selbst zurückzukaufen, dazu steht kommendes Jahr die Ablösung einer Anleihe von 40 Millionen an. Dennoch schien Herthas Geschäftsführer Thomas Herrich zuletzt bei der Präsentation der Zahlen guter Dinge zu sein. Ob er da schon vom Interesse von 777 wusste?

Es gibt noch einen Grund, weshalb eine Partnerschaft mit dem US-Investor für Hertha Sinn ergeben könnte. 777 Partners investiert über sein Portfoliounternehmen, den Pay-TV-Sender Ata Football, in den Frauensport. Und Hertha BSC? Will kommenden Sommer erstmals ein eigenes Frauenfußballteam an den Start schicken. Wobei Wander ja betont, sein Unternehmen wolle Herthas Zukunft mitgestalten. Mitsprache war Windhorst und der Tennor Holding vertragsbedingt bislang nicht möglich. Gibt es hier unter Floridas Sonne eventuell eine Annährung?