Herthas Startelf beim Spiel in Bochum könnte für Überraschungen sorgen

Die Alte Dame will an den erfolgreichen Jahresabschluss anknüpfen. Gegen den Tabellennachbarn Bochum soll ein Sieg her.

Hertha-Trainer Sandro Schwarz erwartet im kalten Presseraum eine hitzige Atmosphäre beim Auswärtsspiel in Bochum.
Hertha-Trainer Sandro Schwarz erwartet im kalten Presseraum eine hitzige Atmosphäre beim Auswärtsspiel in Bochum.imago/Matthias Koch

Es war ein frostiger, aber sonniger Donnerstagmorgen am Schenckendorffplatz auf dem Hertha-Gelände. Auch im Medienraum warteten die Pressevertreter teilweise in Mützen, Jacken und Schals auf Trainer Sandro Schwarz und Sportchef Fredi Bobic, die sich vor dem Abstiegskrimi der Hertha gegen den VfL Bochum den Fragen stellen. „Es ist richtig kalt hier“, sagte Schwarz zu Beginn der Pressekonferenz. Entgegen den Temperaturen und der prekären tabellarischen Situation der Alten Dame herrscht jedoch Vorfreude im Westend auf das erste Pflichtspiel im Jahr 2023. „Uns erwartet eine hitzige Atmosphäre im Stadion, aber die Vorfreude ist da“, sagte Schwarz.

Schließlich sind aufgrund der Katar-WM auch mehr als zwei Monate seit der letzten Bundesliga-Partie vergangen. Das letzte Ligaspiel, der 2:0-Sieg im Olympiastadion gegen den 1. FC Köln, ist gefühlt schon eine Ewigkeit her. Nun gilt es für die Berliner, fokussiert die unbequeme Aufgabe gegen den Tabellennachbarn zu gestalten. „Wir haben die Winterpause sehr gut genutzt“, sagte Schwarz mit Hinblick auf den ersten wichtigen Stresstest vor der anstehenden Englischen Woche mit drei Spielen in sieben Tagen. 

Auch Fredi Bobic, der sich am Donnerstag keine Fragen zur Causa DFB-Manager anhören musste, war vom Trainingslager in Florida angetan. „Die Jungs sind in der Offensive zusammengewachsen, haben Schritte gemacht und kamen topfit aus der WM-Pause zurück“, sagte Bobic. Und in der Tat ist eine gefährlichere Offensivabteilung in der zweiten Saisonhälfte für Hertha bitter nötig: Die beiden Mittelstürmer Wilfried Kanga und Stevan Jovetic kommen gemeinsam auf erst drei Tore. Nicht wenige bei Hertha hoffen, dass in der Rückrunde besonders beim im Sommer hinzugekommenen Kanga endlich der Knoten platzt.

Um eines der seltenen Erfolgserlebnisse in der Ferne anzusteuern (in dieser Spielzeit nur ein Sieg in sieben Auswärtsspielen), schauten sich die Berliner zudem die bisher letzte Partie im Ruhrstadion an. Im September 2021 konnten die Herthaner einen 3:1-Auswärtssieg einfahren, wobei besonders Suat Serdar damals mit zwei Treffern überzeugen konnte. Jedoch hat sich die Mannschaft seit dem Spiel vor 16 Monaten stark verändert, nur drei Startelfspieler von damals – Tousart, Richter und eben Serdar – tragen noch heute das blau-weiße Trikot.

Zudem müssen die Berliner an der Castroper Straße ohne wichtige Offensivstützen auskommen. Linksaußen Chidera Ejuke fehlt verletzungsbedingt, Rechtsaußen Dodi Lukebakio, bisher so etwas wie die Lebensversicherung von Hertha, muss seine fünfte Gelbe Karte aus dem Spiel gegen Köln absitzen. Kelian Nsona befindet sich noch im Aufbautraining und auch für Zugang Florian Niederlechner kommt das Spiel in Bochum zu früh.

Für Florian Niederlechner kommt das Auswärtsspiel in Bochum noch zu früh.
Für Florian Niederlechner kommt das Auswärtsspiel in Bochum noch zu früh.Jan-Philipp Burmann/ City-Press GmbH

Personell könnte es deshalb ein paar Veränderungen und Überraschungen in der Startformation geben. Nachdem sein Impfstatus verhinderte, dass der etatmäßige Kapitän Marvin Plattenhardt mit ins Trainingslager in die USA kam, schielt Maxi Mittelstädt auf einen Startelfeinsatz. Der Berliner hatte – im Gegensatz zu Plattenhardt, dessen Vertrag nicht verlängert wird – am Mittwoch eine Vertragsverlängerung bis 2027 unterzeichnet und wird wohl den Anspruch haben, einer von elf Stammspielern unter Schwarz zu sein.

Schon beim letzten Spiel vor der Winterpause gegen Köln zeigte Mittelstädt eine ordentliche Partie und hinterließ beim Trainer einen guten Eindruck. Zudem habe „Maxi eine gute Vorbereitung absolviert“, sagte Schwarz. Bis Samstag wird sich der Trainer nun entscheiden müssen, wer für die Blau-Weißen auf der Linksverteidigerposition beginnt.

Während im Mittelfeld ein Überangebot an Spielern zur Verfügung steht, muss Schwarz in der Offensive etwas experimentieren. Rechtsaußen Marco Richter dürfte mit seiner Spritzigkeit gesetzt sein, es bleibt jedoch offen, wer den verletzten Ejuke ersetzen soll. Dabei werden Nachwuchsspieler Derry Scherhant große Chancen eingeräumt, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen und weitere Bundesligaminuten in Bochum zu sammeln oder vielleicht sogar zu starten.

Scherhant ist einer derjenigen, die nicht den klassischen Weg über ein Nachwuchsleistungszentrum eingeschlagen haben. Er stieß erst spät zur Hertha-Akademie. „In der Arbeit gegen den Ball und im Anlaufverhalten ist Derry sehr fleißig und dementsprechend eine Option für Samstag“, sagte Schwarz. Noch hat der Trainer des Tabellen-15. Zeit, seine Startformation zu formieren, spätestens wenn Herbert Grönemeyers „Bochum“ läuft, wirds ernst für die Berliner.