BerlinAusgerechnet in der Woche mit dem so brisanten Hauptstadt-Derby startet Carsten Schmidt in sein Amt. Trotz aller Aufregung, die rund um das Spiel am Freitagabend im Olympiastadion (20.30 Uhr) herrscht, will der neue starke Mann bei Hertha BSC den Verein erst mal auf sich wirken lassen. „Der Dezember steht für mich klar unter der Überschrift ‚Zuhören und Kennenlernen‘“, sagte Schmidt auf der Homepage zu seinem ersten Tag als neuer Vorsitzender der Geschäftsführung des Bundesligisten aus dem Westend. Der 57-Jährige bildet mit Michael Preetz (Sport) und Ingo Schiller (Finanzen) nunmehr das „Dreigestirn“ an der Spitze der Hertha, wie der Klub es formulierte. Schmidt hat dabei die Gesamtverantwortung.

Negativerlebnis in der ersten Woche droht

„Ich komme mit klaren Vorstellungen, über die ich mich mit dem Team in der nächsten Zeit intensiv austauschen werde“, wurde er auf der Vereins-Homepage weiter zitiert. Im Detail ausgeführt wurden Schmidts „klare Vorstellungen“ nicht. Klar dürfte aber sein, dass auch ihm der aktuelle Tabellenstand – Platz 13 – nicht gefallen dürfte und er seine erste Arbeitswoche nicht mit einem Negativerlebnis beim Duell zwischen der Hertha und dem 1. FC Union beenden will.

„Das übergeordnete Ziel, das uns alle im Verein eint, ist eine erfolgreiche Entwicklung von Hertha BSC“, sagte Schmidt. „Natürlich stehen die sportlichen Aspekte Woche für Woche im Fokus, aber wir haben neben dem Sport viele andere Bereiche, in denen wir uns verbessern müssen. Woran wir mit welcher Priorität kurz-, mittel- und langfristig arbeiten wollen, werden wir in den nächsten Tagen und Wochen im Detail besprechen.“

Schmidt, Marketingexperte und glänzend vernetzt in der Medienbranche, den Klubs und Verbänden, hat sich im Auswahlverfahren gegen rund 60 Mitbewerber durchgesetzt. Darunter befanden sich zahlreiche hochkarätige Manager aus verschiedenen Branchen. Seine Wahl gilt als wichtiger Schritt zur Professionalisierung des Vereins. Manager-Koryphäe Reiner Calmund bezeichnete ihn kurz nach der Ernennung bereits als „drei Sechser im Lotto“.

Der sportliche Druck ist gewachsen

Durch die insgesamt 374 Millionen Euro, die Investor Lars Windhorst über sein Unternehmen Tennor in die Hertha-Kassen fließen lassen will – 274 Millionen sind bereits überwiesen –, ist auch der sportliche Druck noch mal gestiegen: internationaler Fußball, Champions League, so die Wunschvorstellung.

Angestellte wie Preetz mahnten aber bereits Geduld an. Trainer Bruno Labbadia musste einige wichtige Abgänger verkraften und formt weiter an der Mannschaft, die nun die Eisernen aus Köpenick zum Derby empfängt. Der ehemalige Sky-Geschäftsführer Schmidt dürfte auch das am Freitag im Olympiastadion auf sich wirken lassen.