Berlin-Westend - Vier Tage ist Pal Dardai, 44, wieder im Amt, noch einen Tag hat Herthas neuer alter Trainer Zeit, bis er elf Spieler auf den Platz schickt, die als Mannschaft, die sie bisher nicht waren, gegen Eintracht Frankfurt bestehen sollen. Sonnabend um 15.30 Uhr sieht er dann, ob sich seine Trainingseindrücke aus den ersten Tagen auf dem Rasen bestätigen. Für den Ungar wird es eine harte Mission, seinen blau-weißen Verein vor dem Abstieg zu retten. Denn der Hauptstadtklub hat spätestens seit dem 1:4 gegen Werder Bremen neben der Enttäuschung auch eine Unwucht erfahren.

Dardais Mannschaft muss 1,5 Punkte pro Spiel liefern

Es stellte sich das Kuriosum ein, dass Bruno Labbadia von seiner Entlassung, die noch gar nicht stattgefunden hatte, direkt nach dem Abpfiff vor laufender Kamera erfuhr. Und von der auch Manager Michael Preetz, der sonst für diese Personalie verantwortlich gewesen wäre, zu dem Zeitpunkt nichts wusste. Spätestens da ahnten aber beide, dass sie keine Zukunft mehr bei Hertha haben. Das bestätigte sich dann am vergangenen Sonntagmorgen. Der neue Geschäftsführer Carsten Schmidt sprach die Indiskretion offen an und sagte: „Das war ein Schlechtzeichen von Hertha BSC.“ Es sollte besser werden mit der externen Kommunikation und Maulwürfe sollten ausfindig gemacht werden.

Keine vier Tage später kam die nächste interne Geschäftsangelegenheit an die Öffentlichkeit. Wieder ging es um den Trainer, diesmal um Pal Dardai. Das Fachmagazin Kicker schrieb, dass sein Vertrag eine Verlängerungsoption beinhaltet. Demnach müsse der Coach in den restlichen 16 Spielen einen Punkteschnitt von 1,5 erreichen. Das wären 24 Punkte, damit sich sein Kontrakt für die nächste Saison automatisch verlängert. Angesichts der Lage des Klubs wäre das ein ziemlich ambitioniertes Unterfangen. Was viel schlimmer ist: Diese Version entspricht nicht ganz der offiziellen Vereinsverlautbarung, dass die Vereinsikone einen fixen Vertrag bis 2022 unterschrieben hat.

Am Donnerstag bemühte sich Sportdirektor Arne Friedrich, der die Aufgaben von Ex-Manager Preetz bis zum Sommer übernimmt, darum, das heikle Thema runterzufahren. „Wir haben einen Vertrag bis 2021/22. Pal ist unser Trainer. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es ist klar, dass über Vertragsdetails spekuliert wird“, erklärte er. Ein klares Dementi sieht anders aus.

Herz-Herthaner Dardai äußerte sich überhaupt nicht dazu, um nicht noch mehr Unruhe in den Verein zu bringen. An anderer Stelle erwähnte er nur, „wenn wir zwanzig Punkte holen, wäre das schon mal ganz gut“. Der Punkteschnitt seiner Amtszeit von Februar 2015 bis Juni 2019 liegt bei 1,38. Das heißt im Umkehrschluss: Dardai muss nicht nur die Spieler besser machen, sondern sich selbst auch. „Ich bin der Einzige, der hier imagemäßig etwas verlieren kann“, erklärt er.

Der Ungar weiß, dass er einen gnadenlosen Job übernommen hat. Er macht es aus Vereinsliebe, und diese fordert er auch von seinen Spielern ein. Sein größtes Problem beschreibt er so: „Ich habe keine sechs Wochen Vorbereitung mit der Mannschaft. Das macht alles schwieriger.“ Doch das ist auch die einzige Problematik, die er anspricht. Er versucht Optimismus in die verunsicherte Truppe hineinzubringen und verteilt Lob: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Training. Alle haben hart gearbeitet und waren motiviert. Ich kann nichts Negatives sagen. Warum sollte ich es jetzt tun. Wenn wir gegen Frankfurt gespielt haben, sehen wir mehr.“ Gute Trainingseindrücke, diese hatte auch Labbadia von Woche zu Woche. Doch in den Spielen klappte es nie so richtig. Vielleicht hat Dardai den besseren Zugriff auf die Profis und auch ein bisschen mehr Glück. Punkt für Punkt kommt man sich näher.