Berlin -  Donna Summer stöhnte ins Mikrofon: „I feel Love“, Space hob auf Synthesizern zum „Magic Fly“ ab, Boney M. trällerte „Belfast“, Baccara war überzeugt: „Yes Sir, I can Boogie!“ und Hertha BSC gewann 2:0 beim FC Bayern München. Ja, es ist eine Zeitreise in den Oktober 1977. Vor knapp 44 Jahren siegten die Blau-Weißen das zweite und letzte Mal in der Bundesliga bei den großen Bayern. Folgt Sonnabend um 18.30 Uhr der dritte Auswärtssieg in München?

Ja, das ist eine verrückte bis vermessene Frage. Doch wir leben in seltsamen Zeiten und die Bundesliga ist ein sich stetig erneuerndes Sammelsurium an Kuriositäten. Für ein blau-weißes, historisches Wunder ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt. Bayerns B-Elf gewann im Pokal-Trainingsspiel am Mittwoch 12:0 gegen den Bremer SV und demonstrierte seine Übermacht im deutschen Fußball. Hertha legte dagegen ein Fehlstart in der Bundesliga mit einem 1:3 in Köln und einem 1:2 gegen Wolfsburg hin. Klarer geht eine Rollenverteilung nicht und deswegen wird eine Sensation umso wahrscheinlicher. Hat das Fußballparadoxum am Sonnabend mal ein Hertha-Herz?

Trainer Pal Dardai sagt es so: „Eigentlich haben wir keine Chance. Wir haben gegen Köln verloren, Bayern hat Köln geschlagen.“ Dabei lacht er und will damit ausdrücken, dass Quervergleiche im Fußball nichts wert sind und man sich bei solchen Gedanken eigentlich die Reise nach München sparen könnte. Nein, der Coach ist trotz der zwei Auftaktniederlagen davon überzeugt, dass seine Mannschaft gegen die Übermannschaft von der Isar etwas holen kann. „Gegen München haben wir uns oft gut präsentiert, wir bleiben unserer Linie treu. Es gab Spiele gegen die Bayern, in denen wir in den letzten fünf Minuten verloren und mal nach einer Führung noch den Ausgleich bekommen haben.“

„Auch die besten Mannschaften machen Fehler“

Dardais Trainer-Bilanz gegen den Rekordmeister in bisher elf Spielen: Sieben Niederlagen (die höchste war vor fünf Jahren ein 0:3), drei Unentschieden und ein 2:0-Sieg vor drei Jahren. Die Bayern tun sich seit Jahren immer schwer gegen Hertha. „Wichtig wird sein, dass wir läuferisch ans Limit kommen. Wir sind vorbereitet und haben einen Plan. Auch die weltbesten Mannschaften machen Fehler – wir versuchen alles rauszuholen“, schwört Dardai die Spieler auf die „Mission impossible“ ein.

Niemand erwartet so richtig etwas von Herthas Profis. Das könnte der größte Vorteil sein. „Gegen große Mannschaften hast du weniger Druck – das hat mit Sicherheit etwas mit psychologischen Faktoren zu tun“, so Dardai. Das könnte Flügel verleihen und vielleicht einen Magic Fly, ein magisches Fliegen, von dem Space vor 44 Jahren sang, ermöglichen. So ein Flug würde Hertha sofort in andere Tabellensphären katapultieren.