Deftige Klatsche für Hertha BSC gegen Wolfsburg: Die Hinrunde endet auf Platz 17

Das erste Heimspiel in diesem Jahr verlieren die Berliner kläglich. Nach der Pleite gegen Wolfsburg stehen Spieler und Trainer nun mächtig unter Druck.

Abstiegskampf pur heißt es für Hertha BSC in der Rückrunde
Abstiegskampf pur heißt es für Hertha BSC in der RückrundeSoeren Stache/dpa

Schon in der S-Bahn auf dem Weg zum Olympiastadion bot sich am Dienstagabend ein eher untypisches Bild für ein Herthaspiel. Spärlich besetzte Bahnen, klirrende Januarkälte im Berliner Westend, keine grölenden Fans, die sich wirklich auf das erste Heimspiel im Jahr 2023 freuten. Es herrschten eher Bedenken bei den Zuschauern, in Anbetracht des schwachen Auftritts der Blau-Weißen in Bochum und des 6:0-Sieges der Gäste aus Wolfsburg gegen Freiburg. Was sie wenig später sahen, sollte die Befürchtungen sogar noch übertreffen. Mit einer deftigen 0:5-Klatsche gehen die Herthaner in den Derbysamstag am kommenden Wochenende.

Zuschauer-Minusrekord nach dem Ende der Corona-Beschränkungen

Mit der Niederlage werden die Berliner die Hinrunde auf dem 17. Tabellenplatz abschließen, also einem direkten Abstiegsplatz. Seit Saisonstart hagelte es somit neun Pleiten, bei nur drei mickrigen Siegen und fünf Remis. Dabei wollten die Blau-Weißen voller Vorfreude und Motivation in das letzte Spiel der Hinserie gehen, wenn auch nur 29.483 Zuschauer den Weg ins Olympiastadion antraten. Minusrekord seit der Aufhebung der coronabedingten Einschränkungen.

Immerhin kehrte Herthas Lebensversicherung Dodi Lukebakio, der gefährlichste Mann der bisherigen Saison in die Anfangsformation zurück. Suat Serdar war die zweite Veränderung von Trainer Sandro Schwarz im Vergleich zum schwachen Auftritt in Bochum. Derry Scherhant und Jean-Paul Boetius blieben gegen die formstarken Wolfsburger zunächst nur auf der Bank. Bringen sollte es jedoch nichts.

Berliner Fehlstart auf schlechtem Rasen

Von der ersten Aktion an hatten die in dunkelgrün spielenden Gäste das Kommando auf dem qualitativ eher schlechten Rasen übernommen. Die erste Chance nutzten die Wölfe auch gleich gegen zerfahrene Berliner. Einstudierter Freistoß: Mattias Svanberg rannte sich frei im Strafraum und hatte keine Probleme die Wölfe nach drei Minuten schon in Führung zu schießen.

Herthas Verteidigung blieb löchrig. Mal verlor Marc-Oliver Kempf einen Zweikampf, mal kam Agustin Rogel zu spät, stets waren die Berliner einige Schritte zu spät gegen giftige Wolfsburger. Die Offensivabteilung der Blau-Weißen wurde die erste Halbzeit komplett ausgeschaltet. Anspielversuche auf Hoffnungsträger Lukebakio misslangen schon im Ansatz, ein Aufbäumen nach dem Rückstand war nicht zu erkennen.

Rund um die 30. Minute gelang den Wölfen dann auch schon die Vorentscheidung. Zunächst verwandelte Maxi Arnold einen Handelfmeter, den ausgerechnet Lukebakio verursachte: 2:0. Wenige Augenblicke später lud Ivan Sunjic die Gäste mit einem Fehlpass zur nächsten Großchance ein. Jonas Wind, schon beim Freiburg-Sieg des VfL mit einem Doppelpack, vernaschte Oliver Christensen gekonnt mit einem Heber.

Pfeifkonzert zur Halbzeit im Olympiastadion

Wenn es läuft, dann läufts für Wolfsburg, das nun schon den sechsten Bundesligasieg in Folge feierte, während Hertha maximal unbefriedigend ins neue Jahr gestartet ist. Das 0:3 hinterließ ratlose Gesichter bei Schwarz, Manager Fredi Bobic, Präsident Kay Bernstein und allen Hertha-Fans im Rund des Olympiastadions. Das bisher größte Pfeifkonzert seit vergangenem (Aufbruch)-Sommer war die Folge zur Halbzeit.

Mit Anpfiff der zweiten Hälfte lehnten sich für Wölfe mehr und mehr zurück, was sie sich jedoch bei den ungefährlichen Bemühungen der Herthaner auch leisten durften. Trainer Schwarz wechselte gleich drei Mal (Filip Uremovic für den überforderten Rogel, Jessic Ngankam kam für Sunjic, Herthas etatmäßiger Kapitän Marvin Plattenhardt für Mittelstädt), die Leistung des Tabellen-17. wirkte daraufhin auch etwas frischer und zielstrebiger. So gewannen die Berliner in der zweiten Hälfte mehr an Zugriff, außer einem Weitschuss von Lukebakio in der 51. Minute war jedoch nichts drin. Die Ostkurve quittierte den Auftritt mit langen „Wir wollen euch kämpfen sehen“-Schlachtrufen.

Mit dem 4:0 erstickt Wolfsburg alle Hertha-Hoffnungen

Das fein herausgespielte 0:4 durch Nationalspieler Ridle Baku in der 72. Minute setzte den Schlusspunkt hinter diesen Albtraum-Abend für alle Herthaner. Spätestens ab dem Zeitpunkt waren die elf Herthaspieler auch kämpferisch gebrochen. Das sehenswerte 0:5 durch Omar Marmoush setzte den Berlinern dann zusätzlich zu. Mit solch einer blutleeren Leistung wird die Alte Dame am Sonnabend (15.30 Uhr) beim Derby wohl kein Land sehen.

Und Herthas kommende Aufgaben werden nicht einfacher. Nach dem Derby im Olympiastadion müssen die Blau-Weißen zur Frankfurter Eintracht, dann geht’s zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach. Irgendwann müssen die Herthaner punkten, sonst wird es eng mit dem Klassenerhalt.