Berlin - Auch wenn die Tage bei Hertha BSC wegen der desolaten Saison und der Abstiegsgefahr trübsinnig sind, konnte sich Pal Dardai, der seit vier Wochen wieder als Coach im Amt ist, ein bisschen freuen. Seit Dienstag trainiert er endlich seinen ewigen Wunschstürmer: Jhon Cordoba ist wieder fit und konnte alle Übungen mit der Mannschaft machen.

Dardai und Cordoba verbindet einiges

Den 27-jährigen Kolumbianer und Dardai verbindet einiges. Nachdem der Trainer in seiner ersten Amtszeit die Blau-Weißen 2015 vor dem Abstieg bewahrt und dann mit einer mittelmäßigen Truppe sensationell ein Jahr später Rang sieben belegt hatte, bevor ein weiteres Jahr danach mit Platz sechs sogar die Qualifikation für die Europa League folgte, wollte er Cordoba 2017 bereits verpflichten.

„Ich habe mit ihm im Olympiastadion gesessen. Jhon war mein Wunschspieler. Ich wollte ihn zu uns locken, aber damals hatten wir nicht so viel Geld“, sagt Dardai. Der 1. FC Köln überwies damals 17 Millionen Euro Ablöse an den FSV Mainz und Hertha war raus dem Rennen.

Vor dreieinhalb Jahren hatte Dardai mit dem Wunsch der Verpflichtung des Angreifers die europäische Bühne im Visier, die auch ohne viele Millionen Euro erreicht wurde. Jetzt hat Dardai seinen Stürmer, doch die Voraussetzungen sind ganz andere. Der Stürmer ist nicht mehr ein Hoffnungsträger für die Europa League, sondern für den brutalen Abstiegskampf.

Seit acht Spielen konnten die Blau-Weißen nicht mehr gewinnen und schossen dabei nur drei Tore. Herthas Kernproblem ist die Harmlosigkeit in der Offensive. Das Zusammenspiel zwischen Krzystof Piatek, Matheus Cunha und Dodi Lukebakio ist seit Wochen mangelhaft.

Der VfL Wolfsburg ist seit sieben Spielen ohne Gegentor

Dazu muss Hertha BSC am Sonnabend um 15.30 Uhr beim Tabellendritten VfL Wolfsburg antreten, der mit nur 18 Gegentoren die zweitbeste Abwehr der Bundesliga hat und in Serie sieben Spielen zu null gespielt hat. Beendet der Kolumbianer bei seinem Comeback die blau-weiße Sturmflaute bei den Verteidigungsspezialisten aus Wolfsburg?

Große Hoffnungen ruhen auf dem Stürmer, der in dieser Saison schon so viel Pech hatte. Als er im Sommer 2020 vom 1. FC Köln für eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro kam, legte er gleich einen Superstart mit drei Toren hin. Doch am siebten Spieltag, beim 3:0 in Augsburg, trat der FCA-Verteidiger Felix Uduokhai ihm in den Knöchel. Cordoba trug eine schlimme Bänderverletzung davon und das Jahr war für ihn gelaufen. Bei seinem Comeback im Januar traf der Kolumbianer beim 3:0 gegen Schalke auf Anhieb. Sein fünftes Tor gelang ihm beim 1:4 gegen Bremen. Cordoba präsentierte sich wieder als Torgarant, doch der nächste Rückschlag folgte nach der Heimpleite gegen Werder. Ein hartnäckiger Muskelfaserriss warf ihn wieder zurück.

Jetzt versucht Cordoba den nächsten Anlauf. Das Mannschaftstraining hat der bullige, schnelle Stürmer in dieser Woche vollständig mitgemacht. Trainer Dardai plant genau deswegen mit ihm. „Wir nehmen Jhon mit nach Wolfsburg. Entweder wird er eingewechselt oder spielt vielleicht sogar von Anfang an“, erklärt der Coach. Cordoba soll das Offensivproblem lösen, aber sich nicht gleich wieder verletzen. „Ich muss sehen, wie sein körperlicher Zustand ist. Wir reden über zwei Jhon Cordobas: einen, der topfit ist – und einen, der gerade aus der Reha kommt“, so Dardai.

„Wenn Jhon topfit ist, macht er den Unterschied. Er kann Bälle halten, ist torgefährlich, hat eine positive Ausstrahlung. Er ist ein Krieger. Er will immer gewinnen und tut 90 Minuten alles für seine Mannschaft: defensiv und offensiv“, schwärmt Dardai von seinem Stürmer.

Dardai hat die Trainingsarbeit auf die Offensive gelenkt

Doch er alleine kann diese Hertha auch nicht retten. Da sind auch seine Kollegen in der Angriffsabteilung gefragt. Matheus Cunha hat seit 978 Minuten nicht mehr getroffen. Dodi Lukebakio enttäuscht auch in seinem zweiten Jahr bei Hertha und Krzystof Piatek wirkt weiterhin glücklos. Dardai hat längst seine Trainingsarbeit auf die Offensive gelenkt, auch wenn er vor dem schwierigen Auswärtsspiel in der VW-Stadt scherzt:  „Wir werden Zielwasser trinken, was nicht als Doping zählt. Ich werde mit dem Doktor reden, er soll die Mischung machen.“

Nein, mit Zaubertrunk gelingt gar nichts. Dardai wird deshalb auch ganz ernst: „Natürlich machen wir Torschusstraining und versuchen, die Jungs stark zu machen. Wir machen jeden Tag Spielformen, sodass es viele Abschlüsse gibt und oft klingelt. Das ist das, was man machen kann.“