Die Freunde aus der Männer-WG: Sandro Schwarz und Marco Rose werden zu Rivalen

Die Trainer von Hertha BSC und RB Leipzig sind eng befreundet. Sie verreisen zusammen. Am Sonnabend jedoch streben sie mit ihren Teams nach maximalem Erfolg.

Marco Rose (l.) und Sandro Schwarz begegnen sich am Samstag in der Bundesligapartie zwischen RB Leipzig und Hertha BSC.
Marco Rose (l.) und Sandro Schwarz begegnen sich am Samstag in der Bundesligapartie zwischen RB Leipzig und Hertha BSC.dpa/Rolf Vennenbernd

Sympathie und Vertrauen machen Freundschaft aus. Der Soziologe Ferdinand Tönnies hält auch den Aspekt der Gleichheit des Berufes für eine Grundlage. Bei Herthas Trainer Sandro Schwarz und RB Leipzigs Coach Marco Rose treffen all diese Aspekte zu. Tatsächlich ist die Freundschaft der beiden über viele Jahre gewachsen. Und nun, wo Hertha BSC am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) in Leipzig antreten muss, ist die enge Verbindung der Fußballtrainer ein Thema, das Schwarz keinesfalls leugnen, aber eben auch nicht überbewerten möchte. „Leipzig – Hertha steht im Fokus, nicht Rose gegen Schwarz“, sagte der 43-Jährige am Donnerstag, „es wird auch für uns der Anspruch sein, jeder mit seiner Mannschaft maximal erfolgreich zu sein. Und so gehen wir das an.“ Hertha BSC brauche eine Top-Leistung, viel Mut im eigenen Ballbesitz und hohe Konzentration.

Ist es nicht trotzdem komisch, gegen einen Menschen anzutreten, mit dem so viel geteilt, so viel erlebt, so viel gelacht hat? „Wir werden vorher nicht übers Spiel reden, aber weiter schreiben und telefonieren. Da bespricht man nicht nur den Fußball, sondern den Alltag, Familie und Freunde“, sagt Schwarz. Ja, er und Rose (46) sind richtig dicke. Rose war Trauzeuge, als Schwarz heiratete. Er ist der Patenonkel von Schwarz-Filius Carlo. Schwarz wiederum ist der Patenonkel von Roses Tochter Maria. Sie fahren gern gemeinsam in den Urlaub – und das seit Jahrzehnten.

In der Männer-WG mit Tischtennisplatte und Dartscheibe

Wie hat sich diese Freundschaft entwickelt? Beide spielten unter Trainer Jürgen Klopp gemeinsam von 2002 bis 2004 bei Mainz 05. Der Leipziger Rose kam vor 20 Jahren zum FSV, dort war Schwarz schon vier Jahre eher in die Profi-Mannschaft integriert. 2003 verpasste Mainz dann mit einem Tor Unterschied den Bundesliga-Aufstieg, ein Jahr später gelang er.

Sandro Schwarz (r.) und Marco Rose feiern 2004 zusammen den Aufstieg mit dem FSV Mainz 05 in die Fußball-Bundesliga.
Sandro Schwarz (r.) und Marco Rose feiern 2004 zusammen den Aufstieg mit dem FSV Mainz 05 in die Fußball-Bundesliga.imago/Martin Hoffmann

Diese Erfahrungen schweißten Schwarz und Rose zusammen. Als Schwarz nach einem Jahr bei Rot-Weiß Essen beim Lokalrivalen Wehen-Wiesbaden anheuerte, zog er mit Rose in eine WG. Männerwirtschaft, mit Tischtennisplatte und Dartscheibe in der Wohnung. Schwarz nahm öfter den Staubsauger in die Hand. Der Kühlschrank war meistens leer. Schwarz redete damals freimütig darüber im Fernsehen: „Wenn dann die Tankstelle auch noch um 22 Uhr geschlossen ist, werden halt die Zähne geputzt und ab ins Bett.“

Doch das Verhältnis der beiden wurde noch viel inniger. Beide sind gläubige Christen, sie diskutierten über die Bibel. Schwarz sagt auch jetzt: „Egal, wie traurig eine Situation ist, der Glaube hilft definitiv, sich selbst zu finden, zur Ruhe zu kommen und dann wieder Zuversicht auszustrahlen. Es ging darum, Werte und Zuversicht in sich zu tragen und das auch immer wieder den Menschen zu vermitteln.“

Das erklärt auch einiges bei Hertha momentan. Schwarz schafft es trotz der durch die vielen Unentschieden verlorenen Punkte, jeden Tag aufs Neue das Team zu motivieren. Am Donnerstag freute sich die Mannschaft darüber, dass Mittelfeldspieler Jean-Paul Boetius nach seiner Tumor-Operation im Hoden erstmals wieder auf den Trainingsplatz zurückkehrte. „Hey Leute, Djanga da, ich war wieder auf dem Platz. Ich will mich noch mal für die Unterstützung bedanken und die schönen Nachrichten“, übermittelte der Niederländer in einer kurzen Videobotschaft.

Marco Rose ist seit fünf Wochen Coach bei RB Leipzig. Er hat die Star-Truppe nach einem Bundesliga-Fehlstart wieder auf Vordermann gebracht. Ein Trainer-Duell der Buddys, dieses besonders spezielle Freundschaftsspiel, gab es bislang erst einmal. 2019 verloren die Mainzer mit Coach Schwarz 1:3 gegen die von Rose trainierten Gladbacher. Gibt es jetzt die überraschende Kumpel-Revanche? Schwarz bleibt cool: „Für viele drumherum – Familie, Freunde – ist es viel spezieller als für uns beide. Wir kommen da an, machen bestmöglich unseren Job und fahren dann wieder nach Hause.“ Und bleiben Freunde, egal wie das Spiel ausgeht. Auch danach wird der eine über den anderen sagen: „Er ist ein herausragender Mensch, mein bester Freund.“