BerlinGute Nachrichten sind bei Hertha BSC in diesen Tagen rar gesät. Aber eine gibt es dann doch. Der neue Rasen im  Olympiastadion ist ausgerollt, der marode Acker entfernt. Einfach mal auswechseln. Bei einer Spielfläche geht das problemlos. Einige wünschen sich nach dem desaströsen 1:4 in Freiburg, einer bisher enttäuschenden Saison mit 13 Punkten nach 13 Spielen und einer gefährlichen Nähe zu den Abstiegsplätzen auch im Verein einen Austausch: Mannschaft weg! Trainer Bruno Labbadia weg! Manager Michael Preetz weg!

Andere hören auch schon das Gras wachsen und wurden bei den Aussagen des neuen Geschäftsführers Christian Schmidt dann doch enttäuscht, weil der so gar kein Freund der schnellen Konsequenzen ist. In der Bild-Zeitung ließ er sich so zitieren: „Wir sind mit der Punkteausbeute und dem aktuellen Tabellenstand maximal unzufrieden. Im Januar muss gepunktet werden.“

Der erste Satz heißt nichts anderes als das: Die Vereinsbosse marschieren in die gleiche Richtung, sprechen mit einer Stimme. Denn nichts anderes sagen auch der Manager und der Trainer seit Monaten. Und der zweite Satz? Man kann ihn als Ankündigung für Konsequenzen im Falle des Ausbleibens von Siegen für Labbadia deuten. Oder man sagt einfach: Am 19. Januar wird mit dem Heimspiel gegen Hoffenheim die Hinserie beendet. Da gibt es dann die Saison-Halbzeitbilanz. Das sind vier Partien gegen Schlusslicht Schalke 04,  zwei Auswärtspartien bei den Tabellennachbarn Bielefeld und Köln und eben der TSG. Mindestens sieben Punkte sind Pflicht!

Schaut man sich den neuen Rasen auf der Webcam des Olympiastadions an, sieht man gerade einen grünen Flickenteppich. Die einzelnen Streifen sind noch nicht zusammengewachsen. Bei Mutter Natur geht das ziemlich schnell. Bei einer Fußballmannschaft ist es ein langwieriger, komplizierter Prozess. Und bei Hertha BSC gleicht es einer besonderen botanischen Herausforderung, der Kreuzung einer brasilianischen Knopfblume, die nach Ananas und Exotik duftet, mit einer Tulpe, die in Europa, Asien und Nordafrika heimisch ist, aber nicht in Südamerika. Die Blau-Weißen haben für viel Geld talentierte Einzelkönner eingekauft, doch eine Mannschaft ist es bisher noch nicht. Matheus Cunha ist der beste Techniker, der beste Trickser, der beste Torschütze. Aber auch der schwierigste Charakter. Seine taktische Disziplinlosigkeit, seine Launenhaftigkeit, zuletzt beim 0:0 gegen Mainz und dem 1:4 in Freiburg offen zur Schau gestellt, hat die Entwicklung des ganzen Teams gehemmt.

Cunha, der wie alle anderen ausländischen Spieler wegen Corona über die Weihnachtstage in Berlin bleiben muss, hat jetzt Zeit zum Nachdenken. Für Labbadia wird der Spieler zum Gradmesser. Schafft er es nicht, aus dem Brasilianer einen echten Teamplayer zu machen oder ohne ihn erfolgreich zu spielen, ist er gescheitert. Das ist die Hauptaufgabe im Januar. Bis dahin wächst das Gras im Olympiastadion ganz alleine weiter.