Einen Platz bei Madame Tussauds hat bei Hertha BSC noch niemand verdient

In der langen Vereinsgeschichte hatten die Berliner viele gute Spieler, aber keinen Weltstar. Ein paar Trainer aber hätten durchaus eine Wachsfigur verdient.

Pal Dardai ist einer der Helden, der mit Hertha BSC gegen den FC Bayern München gewinnen konnte. Dem Ungarn gelang das sogar als Spieler und Trainer.
Pal Dardai ist einer der Helden, der mit Hertha BSC gegen den FC Bayern München gewinnen konnte. Dem Ungarn gelang das sogar als Spieler und Trainer.dpa/Kay Nietfeld

Am Sonnabend ist es wieder so weit: Der große FC Bayern kommt ins Olympiastadion. Dieses Mal nicht wie üblich als Tabellenführer der Bundesliga, aber als Zweiter und entschlossener Jäger des überragenden Spitzenreiters 1. FC Union. Die Kluft zwischen den Münchnern und Gastgeber Hertha BSC ist im Moment so groß wie die zwischen der Ampelregierung und der Opposition. Das war nicht immer so. Ein Blick in die Vergangenheit könnte der Mannschaft von Cheftrainer Sandro Schwarz etwas Mut machen. Doch dazu später.

Szenenwechsel. Vor einigen Tagen sah ich einen Bericht über die französische Fußball-Legende Zinédine Zidane. Mit einer spektakulären Lichtshow wurde im Pariser Musée Grévin der einstige Weltstar als Wachsfigur präsentiert. Mir kamen – so abwegig das klingen mag – dabei die Hertha, aber auch der Stadtrivale Union in den Sinn. Beim Klub aus Köpenick könnte man im Moment die gesamte Mannschaft samt Trainer als Wachsfiguren präsentieren, als neue Attraktion für Berlin-Touristen. Und die Hertha?

Hertha BSC hat keine Weltstars besessen

Die besaß keinen Weltstar, aber allemal gute Fußballer, die Berlin einst begeisterten. Rekordspieler Pal Dardai, Rekordschütze Michael Preetz oder der verrückte Marcelinho in Wachs? Warum nicht. Aber Hertha hat ja noch immer kein eigenes Vereins-Museum wie etwa der kommende Gegner FC Bayern – und das als im Moment ältester Klub der Ersten Bundesliga.

Deshalb bleibt mir nur übrig, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Hätte Hertha ein Museum samt Wachsfigurenkabinett ähnlich dem von Publikumsmagnet Madame Tussauds Unter den Linden, gäbe es Persönlichkeiten, die man in Wachs bewundern könnte – alle aber aus sportlich erfolgreicheren Zeiten. Mindestens sechs Trainer müssten dann auch zu sehen sein. Diejenigen, die Hertha in unterschiedlichen Jahrzehnten in der Bundesliga gegen die übermächtigen Bayern zu zehn Siegen führten – bei insgesamt 74 Duellen seit 1968. Jürgen Röber gelang das sogar dreimal, gefolgt von Kuno Klötzer (2), Georg Kessler (2), Helmut Kronsbein, Lucien Favre und Pal Dardai (je 1).

Der erste Sieg datiert vom 30. Oktober 1969. Hertha, damals trainiert von Helmut „Fiffi“ Kronsbein, gewann in München mit 2:1. Ja, es gab sogar Momente, in denen Hertha die Bayern demütigte und ihnen tatsächlich die berühmten Lederhosen auszog. Unter Trainer Georg Kessler, genannt der „Sir“, gelang im Februar 1975 der höchste Triumph. Obwohl die Bayern mit vier ihrer fünf Weltmeister von 1974 angereist waren (Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Sepp Maier, Gerd Müller; nur Ulli Hoeneß fehlte) gingen sie mit 1:4 unter. Sie verloren bei dichtem Nebel im Olympiastadion den Durchblick, den behielten aber die Herthaner. Erich Beer (2) und Wolfgang Sidka schossen die Tore, hinzu kam ein Selbsttor von „Kaiser Franz“.

Die Saison 1977/78 brachte ein Novum und ließ Berlins Anhang jubeln. Zuerst siegte Hertha im Oktober 1977 in München mit 2:0 durch Tore von Gerhard Grau und Bernd Gersdorff. Damals ahnte niemand, dass dieser Erfolg mittlerweile als „historisch“ gilt, weil er bis heute der letzte Sieg einer Hertha-Mannschaft in München geblieben ist! Auch das Rückspiel gewann Hertha unter Trainer Kuno Klötzer im März 1978 mit 3:1! Zwei Berliner Siege in einer Saison gegen Bayern gab es seitdem nie wieder.

Den letzten Sieg gegen die Bayern gab es im September 2018

Bei den drei vergangenen Erfolgen gegen den Liga-Krösus, die zeitlich weit auseinander liegen, stiegen die Torschützen „Zecke“ Neuendorf und Pal Dardai zu Helden auf (2:1 im Dezember 2001), später schoss Andrej Woronin mit zwei Treffern den FC Bayern aus dem Stadion (2:1 im Februar 2009) und beim vorerst letzten Triumph (2:0 im September 2018) trafen Ondrej Duda und Vedad Ibisevic.

Es ist also an der Zeit für eine neue Großtat. Aber Fakt ist auch: Madame Tussauds muss noch auf Herthaner verzichten. Ein Zinédine Zidane im Berliner Trikot ist nicht in Sicht.