BerlinBlau sein und eine Fahne haben, das kann auch mal ganz schön sein. Gerade in dieser Derbywoche, in der am Dienstagmorgen plötzlich mehrere zehntausend blau-weiße Flaggen in den zwölf Berliner Stadtbezirken aufgestellt, in den Boden gesteckt oder auf Verkehrsinseln aufgereiht für ein frisches Stadtbild sorgten

„Wir wollen die Stadt für uns gewinnen“

Immerhin: mal eine Idee. Von Hertha BSC! Ein bisschen frischer Wind, der die Banner zum Wehen und die Diskussion vor der Partie im Olympiastadion an diesem Freitag gegen den 1. FC Union (20.30 Uhr/DAZN) in Wallung brachte. Ob am Olivaer Platz in Kudammnähe, in Rudow, am Bierpinsel in Steglitz, in Kreuzberg oder in den östlichen Bezirken auf Union-Territorium - die Fahnen der Hertha wehten am frühen Morgen. „Wir wollen die ganze Stadt für uns gewinnen“, sagte Herthas Kommunikationschef Marcus Jung.

Das mit dem Gewinnen hat bei Arne Herz nicht so gut geklappt. Denn der Stellvertretende Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Bürgerdienste, Wirtschafts- und Ordnungsangelegenheiten in Charlottenburg/Wilmersdorf sagte demnach, was Stellvertretende Bezirksbürgermeister und Bezirksstadträte für Bürgerdienste, Wirtschafts- und Ordnungsangelegenheiten so zu sagen pflegen: „Die Aktion war nicht genehmigt, sie wäre auch niemals genehmigt worden.“ Seit dem frühen Vormittag seien die Polizei, die Ordnungsämter und die Straßen- und Grünflächen-Ämter damit beschäftigt, die Fahnen einzusammeln.

Ganz offenbar nicht, weil sie alle Hertha-Fans sind. Dabei hätten die Fans doch zugreifen sollen. Wollten sie etwa nicht? Oder waren die Ordnungshüter einfach schneller - so wie kürzlich Erling Haaland bei seinem Berlin-Abstecher? Dabei hätte Hertha, wie Jung behauptet hat, alle Restposten am Ende doch selbst entsorgt. So ähnlich wie es der Klub damals mit Vedad Ibisevic vorgemacht hat. 

Der Stellvertretende Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Bürgerdienste, Wirtschafts- und Ordnungsangelegenheiten in Charlottenburg/Wilmersdorf hat jedenfalls nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Ordnung, wem Ordnung gebührt, samt Ordnungsgebühr für Hertha BSC, also. Die Stadt hat Flagge gezeigt: Berlin im Dezember muss graugrün und ganz unbedingt ordentlich sein. Wer kreative Ideen hat, soll sie nicht auf schnöden Verkehrsinseln oder Grünstreifen zeigen, sondern am Freitagabend im Olympiastadion.