Bielefeld/Berlin - Aus dem Gröbsten wollten sie eigentlich raus sein. Doch die Aufbruchsstimmung – 2021 sollte alles besser werden als im beispiellos chaotischen verlaufenen Vorjahr – ist bereits dahin. Statt mit Europa wird sich Hertha BSC nach dem desolaten Auftritt bei Aufsteiger Arminia Bielefeld auch in dieser Saison eher mit dem Abstieg beschäftigen.

Denn das hochveranlagte Team von Trainer Bruno Labbadia ließ auf der Alm wiederholt alles vermissen, was es im Fußball braucht. Wer kein Tempo und keine Ideen hat, bekommt auch keine Punkte. Schlimmer als das spielerische Versagen wirkt jedoch die Art und Weise, wie sich die Herthaner mal wieder ihrem Schicksal ergaben. Die sogenannte Mentalitätsfrage, die über viele enge Spiele entscheidet, wie sie in der Bundesliga Woche für Woche vorkommen, steht im Raum. Immerhin bekannten sich einige Spieler nach der nächsten Pleite gegen ein qualitativ deutlich schwächeres Team der mangelnden Gegenwehr schuldig. „Bielefeld hat den Kampf in den entscheidenden Situationen mehr angenommen“, erklärte Niklas Stark. „Arminia hat den Sieg mehr gewollt“, sagte Maximilian Mittelstädt. Die Frage nach dem „Warum?“ beantwortete das Duo nicht.

Unisono verweisen Manager Michael Preetz und Labbadia auf den im Sommer erfolgten Umbruch, auf neue, junge und ausländische Spieler, die eben Zeit benötigen. Das mag ein Grund sein, warum Automatismen noch nicht greifen und Hertha eben selten spielerisch überzeugt. Eine Erklärung, warum die Blau-Weißen nicht die Ärmel hochkrempeln können und die Köpfe meist auch nach kleinsten Rückschlägen hängen lassen, ist es nicht.

Dass sich nach einem halben Jahr immer noch keine Typen hervortun, die auf dem Platz aber auch in der Kabine das Wort ergreifen, zeigt vielmehr, dass Hertha es trotz der zig Millionen Euro von Investor Lars Windhorst verpasst hat, bei der Kaderplanung eben genau diese Typen zu verpflichten. Deswegen steckt Hertha von Kopf bis Fuß im Schlammassel.