Hertha-Investor Lars Windhorst schießt Giftpfeile auf die Alte Dame

Hertha BSC hat dem Finanzier angeboten, ihn bei der Käufersuche seiner Mehrheits-Anteile zu unterstützen. In wessen Hände gerät der Klub nun?

Foto aus fröhlicheren Tagen: Herthas früherer Finanzchef Ingo Schiller (l.) mit Investor Lars Windhorst im Olympiastadion.
Foto aus fröhlicheren Tagen: Herthas früherer Finanzchef Ingo Schiller (l.) mit Investor Lars Windhorst im Olympiastadion.imago/Matthias Koch

Lars Windhorst, das muss man dem Investor und selbst ernannten Lifetime Entrepreneur tatsächlich lassen, hat es mal wieder geschafft: Hertha BSC ist in aller Munde. Unter Gesichtspunkten der PR gilt für alles, jeden und natürlich auch für Fußballbundesligavereine: schlechter als schlechte Neuigkeiten sind nur – keine Neuigkeiten. PR-mäßig haben am Donnerstag aber weder Lars Windhorst noch Hertha BSC für Schmunzeln gesorgt, sondern die Berliner Verkehrsbetriebe. Die hatten sich über Twitter an den Hertha-Investor gerichtet, der tags zuvor über Facebook bekannt gegeben hatte, kein Hertha-Investor mehr sein zu wollen: „Hey Herr Windhorst“, twitterte die BVG in ihrer „Weil wir dich lieben“-Kampagne also, „wenn Sie nochmal 374 Mio. In ein Berliner Unternehmen investieren möchten, einfach bei unserer Hotline melden.“

Etwas mehr als drei Jahre, nachdem die erste von mehreren Tranchen von Lars Windhorsts Investmentfirma Tennor Holding B.V. auf einem Treuhandkonto der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA einging, ist von einer Liebe zwischen Windhorst und Hertha BSC, die wohl nie eine war, nichts mehr übrig. Dafür stehen die 374 Millionen Euro im Raum, die Windhorst inzwischen in den Fußballbetrieb des Klubs gesteckt hat.

Hertha bietet Windhorst Unterstützung bei der Käufersuche an

„Präsident Kay Bernstein ist erkennbar an einer vertrauensvollen und seriösen Zusammenarbeit nicht interessiert. Dies zeigt auch der aktuelle Fall der Debatte über eine angebliche Beauftragung der israelischen Agentur durch Tennor. Statt gemeinsam mit uns an der Aufklärung zu arbeiten, hat Präsident Bernstein entschieden, sich ohne Prüfung der Beweislage den Vorverurteilungen anzuschließen“, hatte Windhorst am Mittwoch verlauten lassen. Tennor beende sein Engagement bei Hertha BSC und biete dem Verein offiziell an, „unsere Mehrheits-Anteile in Höhe von 64,7 Prozent zum damaligen Kaufpreis zurückzukaufen“, heißt es in dem Windhorst-Schreiben auf Facebook weiter.

Noch am Abend wies Hertha BSC in einer Stellungnahme die Vorwürfe zurück. „Hertha BSC, Kay Bernstein oder ein anderer Vertreter des Vereins haben sich zu keinem Zeitpunkt Lars Windhorst oder Tennor gegenüber vorverurteilend in der Öffentlichkeit geäußert“, heißt es in der Erklärung an die Vereinsmitglieder, in der der Klub bestätigte, eine Kanzlei mit der Prüfung des Sachverhalts beauftragt zu haben. Dabei geht es um den Vorwurf, Windhorst habe eine israelische Detektei beauftragt, den früheren Hertha-Präsidenten Werner Gegenbauer zu diskreditieren und auszuspionieren. Die Stellungnahme schließt mit dem Satz: „Hertha BSC bietet Tennor die Unterstützung bei der Käufersuche in einem geordneten Investorenprozess im besten Interesse von Hertha BSC und Tennors Investoren und Gläubigern an.“

Was bedeutet das nun? Viele weitere Schlagzeilen vermutlich. Denn Windhorst will ohne Verluste nach Hause gehen. Doch die 374 Millionen Euro waren schon zu dem Zeitpunkt, als Windhorst sie bei Hertha investierte, in etwa so überbewertet, als kaufe einer einen Elf-Wochen-Klinsmann zum Preis von drei Ganzjahres-Klopps – zu wenig Substanz für zu viel Geld also. Hertha BSC investierte 175 Millionen Euro in den Kauf von Spielern, mit dem Rest tilgte der Klub seine Schulden und nutzte ihn, um die Corona-Zeit zu überstehen.

In wessen Hände wird der Klub nun geraten? Hertha werde mit Sicherheit nicht an irgendwelche Oligarchen verscherbelt. Der Verein habe rechtliche Möglichkeiten, das zu verhindern, sagte der langjährige Finanzchef Ingo Schiller dem Spiegel im September. Hertha ließ Windhorst bei der KGaA einsteigen, nicht im Verein. Das war der Grund, weshalb Windhorst Mehrheitseigner werden konnte, ohne dass die 50+1-Regel angetastet wurde, eine Kontrollfunktion hat er nicht. Dass der Verein selbst die Anteile zurückkauft, scheint allerdings auch ausgeschlossen zu sein. Dazu fehlen finanzielle Mittel. Manager Fredi Bobic muss bereits den laufenden Betrieb durch Transferüberschüsse sichern.

Am Sonntag steht das Heimspiel gegen den SC Freiburg an

Zwischen all den Finanz-Jonglagen und einer schwierigen Käufersuche geht fast unter, dass am Sonntag (17.30 Uhr) das nächste Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg ansteht und Trainer Sandro Schwarz dabei ist, eine Mannschaft zu formen, die den Fans gerade wieder Spaß zu machen beginnt.

Dass sich das Team in einem ruhigen Vereinsumfeld stabilisieren kann, war Ziel aller Maßnahmen, die Präsident Bernstein seit seiner Wahl im Juni anging. Dazu gehörten, das teilte Hertha mit, zwei Gesprächstermine mit Windhorst sowie zuletzt eine einstündige Besprechung am Mittwochmorgen. Kurz darauf schoss Windhorst erneut Giftpfeile von außen. Ob die Alte Dame, die kürzlich noch auf der Intensivstation lag, stark genug ist, sich in absehbarer Zeit mit neuer Kraft aus der Aufwachstation zu erheben? Der öffentliche Konflikt, den Windhorst ausgelöst hat, trägt sicher nicht zu ihrer Genesung bei.