Berlin-Westend - Sechs Punkte aus drei Spielen. Hertha BSC verschafft sich im Abstiegskampf und vor dem Derby gegen den 1. FC Union etwas Luft. Ein Befreiungsschlag der anderen Art gelang Maximilian Mittelstädt (24) dagegen bereits zuvor. Der blau-weiße Linksverteidiger zog dem Hass im Netz den Stecker. „Es gab viele Beleidigungen unter der Gürtellinie“, sagt Mittelstädt über die Parallelgesellschaft in den angeblich so sozialen Medien.

Dass der raue Ton im Internet zunimmt, ist schon länger zu beobachten. Unter dem Deckmantel der vermeintlichen Anonymität sind Beleidigungen, Rassismus, Hass und sogar Todesdrohungen leider an der Tagesordnung. „Du kannst nichts. Ich hoffe, du holst dir einen Kreuzbandriss. Du blöder Vollidiot“, lautete noch einer der harmloseren Kommentare, die Mittelstädt ertragen musste.

Social Media als Belastung

Sein Management, das auch Nationalspieler Toni Kroos sowie Hertha-Kollege Niklas Stark berät, setzte ein Zeichen, produzierte zusammen mit den Berliner Signature Studios ein emotionales Video, das unter die Haut geht. Die Botschaft: „Wir schätzen deine Meinung. Aber Hass ist keine Meinung. Hinter jedem Bildschirm ist ein Mensch.“

Auch persönlich zog Mittelstädt Konsequenzen – und dem Hass im Netz den Stecker. Der Berliner meldete seine offizielle Instagramseite ab, nutzt sein Konto nur noch privat. „Wir stehen den Spielern zur Seite. Wenn Maxi sich entschieden hat, noch mal neu zu starten, um ganz klare Regeln zu setzen, finden wir das als Verein natürlich gut. Ich glaube, dass wir alle ein paar Regeln dafür gebrauchen können, wie wir miteinander umgehen“, erklärte Herthas Pressesprecher Marcus Jung. Mittelstädt selbst betont, wie gut ihm sein Rückzug tut. „Ich bin sehr glücklich, dass ich etwas mehr Ruhe habe, mich auf den Fußball konzentrieren kann“, sagt er und erklärt: „Das hätte mich sonst nur belastet.“

Revanche für das Derby 2019

Jetzt liegt der volle Fokus auf dem Sportlichen – und dem Derby gegen den 1. FC Union (Ostersonntag, 18 Uhr). Mittelstädt geht mit dem Rückenwind einer historischen Marke in das Prestigeduell, die er beim 3:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen knackte. „Mit 24 Jahren 100 Bundesligaspiele gemacht zu haben, dazu als Berliner für meinen Verein, das macht mich stolz.“

Als Kind der Stadt weiß Mittelstädt, was das Spiel vor allem für die Fans bedeutet. „Das Spiel ist ein besonderes Highlight. Wir haben zu Hause zweimal das Derby gewonnen, aber an der Alten Försterei noch etwas wiedergutzumachen. Wir wollen dort gewinnen“, erinnert er sich an die knappe 0:1-Niederlage in der Saison 2019/2020.

Warum die Revanche an der Wuhle klappt? Weil Hertha unter Pal Dardai wieder lebe. „Es ist so ein Gefühl, das man hat, dass eine Einheit zusammenwächst“, sagt Mittelstädt über die blau-weiße Stimmung und erklärt: „Viele haben kapiert, worum es jetzt geht.“ Bleibt nur zu hoffen, dass das auch schnellstmöglich für viele Menschen im Internet gilt.