Berlin-Westend - Dass er in einer etwas skurrilen Situation steckt, daraus macht Arne Friedrich gar kein Geheimnis. Der ehemalige Nationalspieler ist seit Ende Januar mit der Entlassung von Manager Michael Preetz so etwas wie der starke Mann bei Hertha BSC. Wobei das nur insofern zutreffend ist, als schlichtweg kein anderer bei den Berlinern übriggeblieben ist, nachdem Preetz die Machtfülle seiner Position über mehr als ein Jahrzehnt zementiert hatte. Nun ist das Vakuum in Westend bekanntlich bald beendet. Fredi Bobic steht als neuer Sportchef in den Startlöchern, übernimmt offiziell ab 1. Juni und bringt mit Dirk Dufner einen neuen Kaderplaner mit. Inwieweit Platz für einen Sportdirektor bleibt und Friedrich selbst bereit ist, die in seiner Wahlheimat Kalifornien gewonnene Freiheit gegen das tägliche Rampenlicht der Bundesliga zu tauschen, soll schon bald entschieden werden. Nichtsdestoweniger laufen bei Hertha die Vorbereitungen auf die neue Saison. Entsprechend übt Friedrich den Spagat. 

Auf Instagram stellte er sich in einer kurzen Live-Schalte den Fragen der Fans. Jerome Boateng? „Kein Kontakt!“ Andrej Kramaric? „Zu Namen äußern wir uns nicht.“ Konkreter wurde Friedrich bei Spielern, die bei den Berlinern unter Vertrag stehen, beziehungsweise standen. Denn sowohl der Vertrag von Peter Pekarik, Musterprofi seit 2012 und dienstältester Herthaner, als auch die Leihe von Außenbahnspieler Nemanja Radonjic enden im Sommer. „Aus unserer Sicht ist Nemanja ein Spieler, der alles gezeigt hat. Mit seinem Speed und seinen Eins-gegen-eins-Aktionen zieht er zwei bis drei Gegenspieler auf sich“, lobte Friedrich und ergänzte: „Wir sind von ihm überzeugt.“

Peter Pekarik und Nemanja Radonjic sollen bei Hertha bleiben

Danach sah es freilich lange nicht aus. Der Serbe, als eine von Friedrichs ersten Amtshandlungen auf den letzten Drücker im Winter von Olympique Marseille geholt, hatte immense Startschwierigkeiten. Cheftrainer Pal Dardai löste das Radonjic-Rätsel, päppelte den Flügelstürmer mental und körperlich auf. Besonders nach der Corona-Quarantäne und dem anschließenden kräftezehrenden Endspurt blühte Radonjic auf, begeisterte die Fans und auch Friedrich. „Er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann“, erklärte er und ließ durchblicken, dass Hertha die Kaufoption von zwölf Millionen Euro zwar noch etwas drücken, grundsätzlich Radonjic aber fest verpflichten will. Mit Bobic wolle er schon bald darüber diskutieren.

Herthas neuer Sportchef wird sich auch mit Pekarik beschäftigen. Der Slowake galt schon vergangene Saison als Auslaufmodell, erstrahlte unter Bruno Labbadia wieder und machte auch unter Pal Dardai so weiter. Als Lohn winkt dem 34 Jahre alten Rechtsverteidiger nun der nächste außerplanmäßige Einjahresvertrag. „Peka“, erklärte Friedrich, „ist ein unglaublich wichtiger Spieler für uns. Man weiß bei ihm, was man bekommt.“ Es sei zwar noch nichts entschieden, „aber es gibt eine Tendenz und es sieht gut aus“. Ob das auch für seine eigene Zukunft gelte, ließ Friedrich erneut offen.