Berlin - Bangen in Neukölln, Erleichterung in Westend. Hertha BSC gewinnt gegen die nun seit 30 Spielen sieglosen Profis des FC Schalke 04 mit 3:0 (1:0). Damit droht der Revierklub den legendären Negativrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/1966 mit 31 Partien ohne Sieg bereits am kommenden Wochenende im Spiel gegen die TSG Hoffenheim einzustellen. Während sich die Neuköllner, die mittlerweile in der Oberliga kicken, um die seit Jahrzehnten kostenlose Publicity sorgen, atmet Hertha zum Jahresauftakt auf. Mattéo Guendouzi (36.), Jhon Córdoba (56.) und der eingewechselte Krzysztof Piątek (80.) bescherten dem Team von Bruno Labbadia den ersten Dreier seit dem Derbysieg gegen den 1. FC Union Anfang Dezember und nehmen zunächst einmal Druck vom blau-weißen Kessel. „Wir haben ein bisschen gebraucht, um reinzukommen. Konnten uns dann aber deutlich steigern und haben verdient gewonnen“, freute sich Herthas Torhüter Alexander Schwolow direkt nach Abpfiff. 

Labbadia veränderte seine Startelf im Vergleich zum desaströsen 1:4 in Freiburg in der Woche vor Weihnachten auf gleich vier Positionen. Für Jordan Torunarigha, Maximilian Mittelstädt, Piątek und den verletzten Kapitän und Abwehrchef Dedryck Boyata, rückten Omar Alderete, Marvin Plattenhardt, Lucas Tousart und Córdoba ins Team. Während erstere drei der zuletzt arg gebeutelten Abwehr neuen Halt geben sollten, lagen Herthas Hoffnungen im Angriff vor allem auf der Rückkehr von Córdoba.

Die Wucht, die der Kolumbianer mit seiner Physis in einem Spiel erzeugen kann, wurde bei den Berlinern seit seiner Anfang November zugezogenen Sprunggelenksverletzung schmerzhaft vermisst. Vor allem galt es aber aus Berliner Sicht endlich wieder die richtige Balance zu finden. Starke Offensivleistungen machten im Herbst meist individuelle Aussetzer in der Defensive zu Nichte. Stand die Abwehr dagegen mal kompakt und sicher, herrschte im Spiel nach vorne dafür akute Flaute.

Während Schalke nach der bisher desaströsen Ausbeute von lediglich fünf Punkten aus 13 Spielen aufgrund des dritten Trainerwechsels der Saison unter Christian Gross mutig begann, war Labbadias Elf zunächst bemüht, die Kontrolle über das Spielgeschehen zu gewinnen. Nach dem gegenseitigen Abtasten wurde es in der 23. Minute zum ersten Mal richtig gefährlich: Nach einem Abwurf von Schwolow schnappte sich der zuletzt von Labbadia harsch kritisierte Matheus Cunha den Ball an der Mittellinie. Der Brasilianer nahm Tempo auf und bediente mit einem klugen Steckpass im Strafraum Dodi Lukebakio, der aus spitzem Winkel an Schalkes Rückhalt Ralf Fährmann und dessen schneller Fußabwehr scheiterte.

Piątek sorgt für die Entscheidung 

Die vergebene Großchance diente aber als Weckruf. Von nun an spielte Hertha schneller und vor allem zielstrebiger, fing sich aber fast einen Gegentreffer durch einen Schalker Konter ein. Mark Uths strammer Schuss aus fünfzehn Metern lenkte Schwolow aber gekonnt mit der Kraft des Zeige- und Mittelfingers seiner rechten Hand noch um den Pfosten (29.). Nicht weniger handlungsschnell präsentierte sich kurz darauf Guendouzi, der Hertha mit einem feinen Schlenzer in Führung brachte. Cunha hatte nach einem Plattenhardt-Einwurf sein Glück per Fernschuss gesucht. Den geblockten Ball schnappte sich Guendouzi und bugsierte ihn gefühlvoll aus rund 13 Metern in die rechte untere Ecke – 1:0 (36.).

Mit dem Tor im Rücken setzte Hertha die taumelnden Gäste zu Beginn der zweiten Hälfte direkt unter Druck - und belohnte sich prompt: Cunhas Antritt konnte kein Schalker folgen, Vladimir Daridas Pass von der Grundlinie verwerte Córdoba aus rund sechs Metern eiskalt zum 2:0 (56.).

Das vierte Tor im achten Spiel des bulligen Mittelstürmers sorgte nicht nur für ein Lächeln bei Labbadia. Es gab seinen Spielern auch die nötige Sicherheit – und zog den dem Abstieg entgegen taumelden Gästen den Stecker. Weil Hertha allerdings größte Chancen teils fahrlässig liegen ließ, dauerte es bis zur 80. Minute, bis Piątek keine 120 Sekunden nach seiner Einwechselung und nach einem feinen Steilpass von Darida zum 3:0-Endstand traf.

Durch den Dreier hofft Hertha auf weiteren Aufwind, um in den restlichen drei Spielen bis zum verspäteten Ende der Hinrunde in Bielefeld gegen Köln und in Frankfurt weitere Zähler zu sammeln und Boden in der Tabelle gutzumachen. „Wir sind immer positiv geblieben, auch wenn die letzten Spiele nicht einfach für den Kopf waren. Es war heute ein wichtiger Schritt. Jetzt hoffen wir, die nächsten Partien gewinnen zu können“, erklärte Schwolow.