Berlin-Westend - Die Auszeit hat Friedhelm Funkel nicht gutgetan. Der wieder einmal als Feuerwehrmann eingesprungene und aus dem Rentnerdasein zurückgekehrte Fußballlehrer sorgte nach seinem missglückten Einstand als Chefcoach des 1. FC Köln nach der 0:3-Niederlage im Rheinderby in Leverkusen für Irritationen. „Sie haben eine enorme Schnelligkeit durch ihre, den einen oder anderen Ausdruck darf man ja nicht mehr sagen ... – durch ihre Spieler, die halt so schnell sind“, hatte der 67-Jährige über Bayers konterstarke Mannschaft gesagt.

Am Sonntag zeigte sich Funkel angesichts des vor allem in den Sozialen Medien aufgekommenen Gegenwinds überrascht. „Wenn ich da wirklich missverständlich verstanden worden bin, dann tut mir das echt leid“, betonte er. Jeder, der ihn kenne, wisse, dass er mit vielen Spielern aus allen Kontinenten zusammengearbeitet hat. „Es hat mir immer Spaß gemacht. Egal, ob der Spieler jung, alt oder was weiß ich ist“, so Funkel.

Dresden? Inter Mailand! 

Auch seine Einschätzung über die Auswirkungen der 14-tägigen häuslichen Quarantäne und das dadurch entstehende Mammutprogramm im Abstiegskampf für Hertha BSC mit sechs Spielen in drei Wochen sorgte für Aufsehen. „Ich sehe da keinen Nachteil“, erklärte Funkel, der die Berliner von 2009 bis 2010 trainierte, den Abstieg aber nicht verhindern konnte. Das sehen bekanntlich nicht nur die große Mehrheit der Sportwissenschaftler, sondern auch alle anderen Bundesligatrainer anders.

„Die Situation wird superschwer“, schätzt Herthas Arne Friedrich, der in den vergangenen turbulenten Tagen mehr als Krisen- denn als Sportmanager gefragt ist, die Lage selbst ein. Ob sich die Berliner im Falle des sechsten Abstiegs der Klubgeschichte rechtliche Schritte aufgrund des Corona-Chaos vorbehalten, sei bisher kein Thema gewesen.

Vergeblich geklagt hatte bekanntlich vergangene Saison Dynamo Dresden. Die Sachsen sahen nach Quarantäne und Partien im Dreitagesrhythmus nach dem Wiedereinstieg kein Land mehr und stiegen mit bitterem Beigeschmack in die 3. Liga ab. Für Hertha kein mahnendes Beispiel. In Westend denkt man ja bekanntlich trotz der abermaligen Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit weiterhin groß – und lieber an positive Beispiele: „Inter Mailand musste im März auch in die Quarantäne und hat danach die nächsten drei Spiele gewonnen“, führte Herthas Geschäftsführer Carsten Schmidt aus.

Schmidt dankt den Ärzten 

Und tatsächlich hatten die Berliner auch Positives zu vermelden. Herthas schwer an Covid-19 erkrankter Torhüter Rune Jarstein wurde am Sonnabend aus der Klinik entlassen. „Der Dank geht an alle Ärzte, die sich um ihn gekümmert haben“, sagte Schmidt und erklärte: „Wenn man mit Corona ins Krankenhaus kommt, ist der erste Schritt eines Dramas leicht vorgezeichnet. Rune hatte Glück. Er ist ein Hochleistungssportler und war in der Charité in sehr guten Händen.“

Und auch die Blicke auf die spielenden Konkurrenten dürften bei Hertha für kollektives Aufatmen im Homeoffice gesorgt haben. Schalke machte auch in Freiburg seinem Namen alle Ehre, ging 0:4 unter ist nach der 20. Saisonpleite kaum mehr zu retten. Das trostlose 0:0 zwischen Augsburg und Bielefeld sorgt zwar dafür, dass Hertha nun auf dem Relegationsplatz steht. Davonziehen konnte die Arminia aber nicht. Gleiches gilt für Funkels 1. FC Köln.