Berlin - Dass er sich viel vorgenommen hatte, war deutlich zu erkennen. In der Anfangsphase der am Ende schmerzlichen 2:5-Niederlage gegen Borussia Dortmund schmiss sich Krzysztof Piątek in Zweikämpfe, behauptete Bälle und lief die Abwehr des BVB einige Male gefährlich an, wobei auch Ballgewinne heraussprangen, die die Hertha aber nicht in zwingende Torchancen ummünzen konnte. Der Mittelstürmer will bei Hertha BSC endlich den Durchbruch schaffen. Und sein Aufwand wurde gegen Dortmund belohnt: Die 1:0-Führung von Matheus Cunha leitete der Pole mit ein, indem er das Kopfballduell gegen Nationalspieler Emre Can gewann. Von einem Fremdkörper, wie der für 23 Millionen Euro vom AC Mailand im Januar verpflichtete Torjäger in vielen Spielen für die Blau-Weißen wirkte, konnte gegen die Borussen keine Rede mehr sein. Gleichwohl setzte Piątek weiterhin nicht die Akzente, die sich Bruno Labbadia von ihm wünscht. „In der ersten Halbzeit hatte er gute Szenen und gute Passstafetten“, erklärte Herthas Cheftrainer, forderte aber zugleich: „Es liegt auch am Spieler, sich noch mehr in diese gefährlichen Situationen zu bringen.“

Bis Weihnachten wird Labbadia allerhand zu tun haben, um den Saisonstart mit sieben Punkten aus acht Spielen ins Positive zu drehen. Damit das gelingt, wird der 54-Jährige nach dem längerfristigen Ausfall seines bisherigen Nummer-eins-Stürmers Jhon Cordoba alles probieren, um Piątek ins Spiel zu integrieren und seinen Torriecher wieder zu aktivieren. „Wir müssen ihn mehr einbinden und in Szene setzen“, appellierte Labbadia an dessen Mitspieler. Gleichwohl hatte er auch noch eine Botschaft für Piątek: „Er muss sich mehr zeigen.“

Denn zur Wahrheit dieses denkwürdigen wie historischen Spiels gehört auch, dass Piątek – wie seine Sturmkollegen – in der zweiten Halbzeit den BVB nicht mehr genügend am Spielaufbau störte, wodurch die Gäste überhaupt erst in die gefährlichen Räume vorstoßen konnten, aus denen sie dann kurzen Prozess mit den Berlinern machten. Theorien, wonach der polnische Nationalstürmer, anders als Cordoba, nur ein reiner Strafraumspieler sei, der gefüttert werden muss und damit ungeeignet für Labbadias Spielphilosophie ist, widerspricht der Coach energisch: „Er kann es auch, wenn er das Spiel vor sich hat und zu Abschlüssen im Umschaltspiel kommt.“

Erinnerungen an Leverkusen

Dass er über diese Qualtäten verfügt, bewies er nicht nur bei vielen seiner 26 Treffern in 55 Spielen in Italien. Bei Herthas 3:0-Sieg in Augsburg vor zwei Wochen zeigte er nach seiner Einwechslung mit einem Tor und einer Vorlage, dass er mit seiner Schnelligkeit und seinen Laufwegen auch als Konterspieler Gegnern wehtun kann.

Darauf wird Labbadia wohl auch nächsten Sonntagnachmittag setzen, wenn Hertha beim Tabellendritten Leverkusen antritt. Als Alternative im Angriff steht ihm sowieso nur Nachwuchstalent Jessic Ngankam, 22, zur Verfügung – oder Spielmacher Cunha rückt in die Spitze vor. Gedanken, die Labbadia wohl verwerfen wird. Als ehemaliger Vollblutstürmer weiß er ziemlich genau, wie man mit einer Durststrecke umgeht. Und eben auch, wie man eine Torflaute beendet. Deswegen kündigte er bereits, neben der erfolgten Gruppentherapie, weitere Einzelgespräche mit Piątek an. „Ich hoffe, dass er die Dinge beherzigt.“ Helfen könnten Piątek dabei seine Erinnerungen an die Werkself. Ende Juni, beim 2:0-Sieg gegen Bayer, zeigte Piatek sein bisher bestes Spiel mit der Fahne auf der Brust. Dabei erzielte er zwar kein Tor, war jedoch omnipräsent und bereitete beide Treffer vor.