Berlin - Die Nullnummer im Krisengipfel beim 1. FC Köln am Sonnabend brachte Bruno Labbadia zwei Erkenntnisse. „Wir haben zwei Punkte liegengelassen“, erklärte der Cheftrainer von Hertha BSC sowie: „Cunha geht es gut.“ Gemeint war natürlich Matheus Cunha, blau-weißer Spielmacher und bisheriger Topscorer, der die intensive Schlussphase ohne weitere Blessuren überstanden hatte. Dass der Brasilianer ab der 60. Minute doch noch mitwirkte, lag schlichtweg daran, dass Labbadia gegen die in der Tabelle nur fünf Punkte schlechter platzierten Gastgeber volles Risiko einging. Schließlich hatte Cunha unter der Woche aufgrund seiner Leistenprobleme überhaupt nicht mit dem Team trainiert. „Es ist ein schmaler Grat für uns. Wir wollten ihn nicht verheizen. Außerdem war die Frage ja: Was macht seine alte Verletzung?“, erklärte Labbadia.

Dass er dieses Vabanquespiel überhaupt eingehen musste, lag daran, dass seine Mannschaft 59 Minuten lang zwar deutlich besser zusammenarbeitete als zuletzt beim 0:1 in Bielefeld, allerdings eben weiterhin nicht besonders gut spielte. Und als das aktuell formschwächste Team der Liga drauf und dran war, Hertha die Spielkontrolle zu entreißen, brachte Labbadia Cunha. „Man hat gesehen, warum es sich trotzdem gelohnt hat ihn mitzunehmen“, sagte Labbadia.

Tatsächlich sorgte Cunha dafür, dass sich in der Schlussphase doch noch ein ansehnliches Spiel entwickelte, indem es Hertha durchaus verdient hätte, als Sieger vom Platz zu gehen. Acht zu null Torschüsse zählten die Statistiker mit Cunha, der fast jeden davon direkt oder mittelbar einleitete. Weil aber weder Krzystof Piatek noch Matteo Guendouzi den Ball ins Tor brachten, rangiert Hertha durch das Remis vor der anstehenden englischen Woche mit 17 Punkten weiterhin in der gefährlichen Zone.

Preetz sucht Verstärkung

Wie bedrohlich die Lage für die Berliner noch werden kann, wird sich bereits nach den beiden Heimspielen gegen Hoffenheim (Dienstag, 20.30 Uhr, Sky) und Bremen (Sonnabend, 18.30 Uhr, Sky) zeigen. Ein spielerischer Fortschritt ist auch gegen die kriselnden Kraichgauer nicht zu erwarten. Ebenso wenig, dass sich Herthas gut gefülltes Lazarett wieder leert. „Bis Dienstag wird kein Neuer dabei sein“, winkte Labbadia bereits ab.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Labbadia weiter an seiner Augen-zu-und-durch-Devise mit Cunha festhalten muss. Zumindest solange, wie Manager Michael Preetz die Fahndung nach einem Offensivspieler, der die Last von Cunha nimmt und Hertha BSC sofort hilft, noch nicht erfolgreich abgeschlossen hat. „Wir müssen sehen, wie wir in den nächsten Tagen und Wochen überhaupt damit umgehen“, erklärte Labbadia. Entsprechend erleichtert stellte er wie eingangs erwähnt fest, dass Cunha die Partie trotz einiger rüder Fouls ohne weitere Blessuren überstanden hatte. 

Für weitere Entspannung könnte die magische Marke von 20 Punkten zum Ende der verschobenen Hinrunde sorgen. Das typischerweise von um den Klassenerhalt kämpfenden Mannschaften ausgerufene Minimalziel, wäre nur mit einem Sieg gegen die TSG noch erreichbar. Ein solcher scheint wiederum für Hertha derzeit nur mit Cunha möglich.