Freiburg - Im ersten Spiel, das Alexander Schwolow ohne SC-Dress an der Schwarzwaldstraße absolvierte, hätte sich der Berliner Torwart fraglos einen weniger beschäftigungsintensiven Arbeitstag gewünscht als bei der verdienten 1:4-Niederlage seiner Berliner. Abgesehen von einer kurzen Drangphase unmittelbar nach dem Seitenwechsel, in der der kurzzeitige Ausgleich durch Dodi Lukebakio fiel, enttäuschte Hertha BSC dabei auf ganzer Linie. „Die Außenbahnen überließ man fast völlig dem lauf- und spielfreudigen Sportclub“, analysierte Trainer Bruno Labbadia.

Schwolow der meistbeschäftigte Mann

In der ersten Hälfte und ab der 65. Minute avancierte der Mann, der als 16-Jähriger zum Sportklub gekommen war und insgesamt elf Jahre dort spielte, zum meistbeschäftigten Mann auf dem Spielfeld. Schon in der siebten Spielminute ging der SC in Führung. Nach einer scharfen Hereingabe von Jonathan Schmid erzielte Vincenzo Grifo das 1:0. In der 45. Minute hatte der Italiener das 2:0 auf dem Fuß, als er frei auf Schwolow zulief. Doch anstatt den Ex-Kollegen auszuspielen, versuchte er es mit einem Lupfer, der in Schwolows gar nicht mal steil nach oben gereckten Armen landete. Roland Sallai hatte zwei weitere gute Möglichkeiten (13./22.).

Auf Hertha-Seite war hingegen im gesamten ersten Durchgang keine einzige Torchance zu vermerken, sieht man einmal von einem von Keven Schlotterbeck geblockten Schuss von Maximilian Mittelstädt ab, der wohl aufs Tor gekommen wäre (36.). Der Linksverteidiger war offensiv wie defensiv neben Niklas Stark einer der wenigen Lichtblicke in einer ansonsten enttäuschenden Hertha-Mannschaft. Labbadia hatte drei Änderungen in der Aufstellung vorgenommen. Für Deyovaisio Zeefuik, Lucas Tousart und Javairo Dilrosun spielten Peter Pekarik, Vladimir Darida und Lukebakio. Doch der Plan, mit flinken Rochaden im zentralen Mittelfeld für Übergewicht zu sorgen, schlug fehl. Auch weil die Hertha im Pressing viel zu halbherzig agierte, um die anfangs sehr druckvollen Freiburger zu Ballverlusten zu zwingen.

Besonders Matheus Cunha zog sich dabei immer wieder den Zorn seines Trainers zu, der ihn mit zunehmend heiserer Stimme zu intensiverer und koordinierterer Laufarbeit bewegen wollte. „Ich mache es sehr selten, einen Spieler direkt zu kritisieren. Aber ich bin total verärgert. Matheus‘  Auftritt ist schwer zu erklären. Das war nicht das erste Mal. Wir sprechen es seit Wochen an. Er war unterirdisch, was die Körpersprache angeht und wie er so andere mit runterzieht. Es geht so nicht, wenn hier einige nur ihr Ding durchspielen wollen“, polterte Labbadia.

In der zweiten Halbzeit musste Labbadia andere Anlässe finden, um wütende Anweisungen zu geben. Cunha blieb jedenfalls zur Pause in der Kabine, für ihn kam Dilrosun. Und prompt wurde die Hertha besser. Nach einer Ecke von Darida, dem anderen ehemaligen Freiburger bei der Hertha, die Krzysztof Piatek verlängerte, köpfte Stark zuerst an die Latte (51.), ehe Lukebakio mehr Glück hatte. Eine scharfe Hereingabe von Dilrosun verwertete er völlig frei stehend am langen Pfosten zum 1:1 (52.). Spätestens als kurz darauf Dilrosun den Außenpfosten traf (56.) und Piatek eine Riesenchance vergab, konnte Freiburg von Glück sagen, dass es nicht zurücklag (57.). Doch mitten in der Hertha-Drangphase fiel dann das 2:1 für Freiburg. Demirovic schloss den ersten Freiburger Angriff im zweiten Durchgang ab, auch weil Torunarigha den Ball zuvor unglücklich abgefälscht hatte (59.). Kurz darauf erzielte Manuel Gulde nach einer Ecke von Christian Günter per Kopf das 3:1 (67.), ehe Nils Petersen per Foulelfmeter in der Nachspielzeit den 4:1-Endstand erzielte (90.+4.).

Die deutliche Niederlage hätte für die Hertha auch noch höher ausfallen können. Doch Wooyeong Jeong (66.), Lucas Höler (69.), Grifo (73.) und Baptiste Santamaria mit einem 40-Meter-Schuss (77.) vergaben gute Möglichkeiten gegen eine Berliner Mannschaft, die so schwach aus der Partie herausging, wie sie hineingekommen war und nun mit nur 13 Punkten in die kurze Weihnachtspause geht. Labbadias Fazit dazu: „Wir stehen jetzt zurecht da.“