Berlin-Westend - An eine Verschwörung des viel zitierten Fußballgottes wollen sie bei Hertha BSC nicht glauben. Und doch kommt es im Endspurt um den Klassenerhalt für die Berliner knüppeldick: Am Dienstag bestätigte der Klub das Saisonaus für Jhon Cordoba. Der Stürmer verletzte sich bei der Nullnummer gegen Arminia Bielefeld am Sonntag am Bandapparat des linken Sprunggelenks. Weil auch Spielmacher Matheus Cunha ein dick geschwollener Fuß plagt, fehlen Trainer Pal Dardai für das letzte Nachholspiel auf Schalke (Mittwoch, 18 Uhr, Sky) seine treffsichersten Angreifer. „So ist der Fußball. Ich bin vorbereitet und heule nicht“, erklärte der Ungar, der neben den beiden Offensivspielern auch auf Maximilian Mittelstädt, Matteo Guendouzi und höchstwahrscheinlich Sami Khedira verzichten muss.

Trotz des nächsten Nackenschlags gab sich Dardai kämpferisch. Er habe Vertrauen in das noch vorhandene Personal. „Wir werden losfahren und Mut zeigen“, kündigte er an. Auf dem Papier erscheint die Ausgangslage gut. Trotz des noch ausstehenden Nachholspiels und der vielen Ausfälle sind die Berliner – Corona-Quarantäne übergreifend – seit sechs Spielen ungeschlagen. Mit einem Sieg auf Schalke wäre der Klassenerhalt ganz nah. „Einen Punkt akzeptieren wir, wenn es drei sind, wäre es ein Traum“, so Dardai.

Niklas Stark fordert bedingungslosen Einsatz

Wird dieser wahr, könnten die Berliner am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) mit einem weiteren Sieg gegen den derzeit zwei Punkte schlechteren und auf einem direkten Abstiegsplatz liegenden 1. FC Köln einen Schlussstrich unter die verkorkste Saison ziehen. „Natürlich ist es schon ein bisschen in den Köpfen drin. Wir können alle die Tabelle lesen, aber sollten uns auch nicht zu viele Gedanken machen“, sagte Verteidiger Niklas Stark über das zum Greifen nahe Ziel. Bleibt Dardai seiner Riesenrotation treu, wird Herthas Vize-Kapitän in Gelsenkirchen zunächst auf der Bank Platz nehmen. Einen Auftrag, wie seine Kollegen das Spiel angehen sollen, hatte Stark auf der digitalen Pressekonferenz dennoch parat: „Morgen muss der Rasen brennen.“

Morgen muss der Rasen brennen.

Herthas Vize-Kapitän Niklas Stark 

Weder Dardai noch Stark leugnen dabei die besondere Fallhöhe gegen den seit Wochen feststehenden Absteiger. Die Schalker, bisher überhaupt nur zweimal siegreich, zeigten zuletzt beim 2:4 in Hoffenheim zumindest eine Halbzeit lang, dass sie die letzten Spiele ihrer desaströsen Saison nicht herschenken. „Wir müssen davon ausgehen, dass sie nochmals alles raushauen“, erklärte Stark. Es sei eine Bundesligapartie, „da will sich jeder zeigen“. Sorge, dass das vermeintliche „Bonusspiel“ zur Blamage werden könnte, wenn Hertha wie schon so oft in dieser Saison in entscheidenden Momenten die zweifelsfrei vorhandene Pferdestärke des Kaders nicht auf den Rasen bekommt, hat der Trainer nicht. „Ich spüre keine verunsicherten Spieler“, sagte Dardai. Zwar sei ein angeschlagener Gegner immer gefährlich, aber „die Lage dort und ob die freiaufspielen, beschäftigt uns nicht“.

Marvin Plattenhardt und Dodi Lukebakio erhalten grünes Licht

Das könnte sich freilich ändern, wenn noch ein dritter Corona-Fall bei den Gastgebern auftreten sollte. Nach zwei positiv auf Covid-19 getesteten Spielern gab das zuständige Gesundheitsamt am Dienstag zunächst grünes Licht für die Partie. Eine weitere Testreihe soll am Mittwochmorgen kurzfristig ausgewertet werden. 

Den Daumen hoben bereits Herthas Mannschaftsärzte. Sowohl Stürmer Dodi Lukebakio als auch Linksverteidiger Marvin Plattenhardt seien nach überstandener Corona-Erkrankung ab sofort wieder einsatzbereit. Ob das Duo die Personallage allerdings tatsächlich ein bisschen entspannt, entscheidet Dardai nach bewährter Methode. Weil beide in den vergangenen Wochen kaum trainiert haben, will er das Abschlusstraining abwarten und dann beiden tief in die Augen schauen: „Wenn ich dann das Gefühl habe, dass sie bereit sind, nehme ich sie mit.“