Berlin - Helles Sakko, weißes Hemd – optimistisch, eloquent, aber auch mit deutlichen Worten zur Situation beim Berliner Bundesligisten – so präsentierte sich Fredi Bobic bei seiner Vorstellung als neuer Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC. Flankiert wurde der 49-jährige neue starke Mann dabei von Präsident Werner Gegenbauer und Aufsichtsratschef Torsten-Jörn Klein. Gegenbauer sagte: „Fredi Bobic war von Anfang an unser Wunschkandidat. Er stand auf der Liste für den wichtigen Job immer ganz oben.“

Fredi Bobic ist heiß auf die Aufgabe bei der Hertha

Bobic, als ehemaliger Torjäger und erfolgreicher Profi mit 37 Länderspielen einst 1996 Europameister unter Bundestrainer Berti Vogts, sprach von einem „ganz speziellen und erfreulichen Tag“ für ihn. Er sei „total heiß“ und verspüre große Lust auf die neue Aufgabe. Und er konnte sofort eine wichtige Personalie verkünden: „Arne Friedrich bleibt Sportdirektor, darüber bin ich sehr glücklich. Ein Sportdirektor mit seinen Fähigkeiten tut uns gut.“ Angaben über die Vertragslaufzeit wurden keine gemacht, aber Friedrich wird wohl wie Trainer Pal Dardai erst einmal eine Saison in der Verantwortung stehen.

Bobic, bis 2024 plus Option verpflichtet, wird nun zusammen mit Friedrich und Cheftrainer Dardai den sportlichen Kurs bestimmen, aber er bringt auch beinahe ein halbes Dutzend neuer Mitstreiter mit nach Berlin – etwa Kaderplaner Dirk Dufner und andere Spezialisten. Auch ein neuer Chefscout soll folgen. „Wir werden uns breiter aufstellen und wollen uns auf allen Gebieten verbessern.“ Er wolle aber natürlich auch diejenigen, die schon hier sind, mitnehmen.

Analysiert man die ersten Aussagen von Bobic, steht Hertha zumindest im Mitarbeiterstab ein Umbruch bevor. „Wir müssen zuerst Stabilität im sportlichen Bereich herstellen“, sagte Bobic, „wir müssen die Strukturen anpassen und modernisieren. Hier herrschte gefühlt zwei Jahre Abstiegskampf, und fünf Trainer in zwei Spielzeiten sind nicht gut. Damit kann man keinen Erfolg haben. Wir müssen uns bewegen und auch schnell sein!“

Als Spieler bei Hertha blieb der große Erfolg für Bobic seinerzeit aus. Statt um die Champions League ging es gegen den Abstieg. Nach zwei Spielzeiten, 54 Bundesligaspielen und lediglich acht Treffern verließ er Berlin. Das aber hatte die Verbindung zu Hertha nie belastet. Die wichtige Erfahrung, wie weit oft Anspruch und Realität auseinanderklaffen können, hat Bobic damals bei Hertha erfahren müssen. Das wird ihm jetzt helfen, eine ähnliche Konstellation zu meistern.

Als Manager und Sportchef hat sich Bobic – vor allem beim VfB Stuttgart und zuletzt in den fünf Jahren bei Eintracht Frankfurt – als Realist erwiesen, der aber große Ziele mit viel Engagement und Kreativität angehen kann. Bei Hertha BSC soll er in den kommenden Jahren und eigentlich möglichst schnell das schaffen, was ihm bei der Eintracht gelungen ist: Einen oft kriselnden Traditionsklub in den europäischen Fußball führen.

In Frankfurt landete er mit den Trainern Niko Kovac und später Adi Hütter zwei Volltreffer. Unter Kovac holte die Eintracht den DFB-Pokalsieg im Finale gegen Bayern München, stand im Jahr darauf unter Hütter im Halbfinale der Europa-League und kratzte zuletzt gar an der Champions League. Fredi Bobic fiel dabei mit spektakulären Transfers auf – sowohl bei Einkäufen wie Verkäufen, aber vor allem mit cleveren Leihgeschäften. Die berühmte „Büffelherde“ mit Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic sorgte für Aufsehen, rasanten Fußball und Erfolg. Bobic gelang das in Frankfurt mit weitaus geringeren finanziellen Mitteln, als sie den Berlinern in dieser Zeit dank Investor Lars Windhorst zur Verfügung standen. 

Der neue Geschäftsführer Sport warnt vor übertriebenen Erwartungen

Den ehemaligen Mittelstürmer, 1995/96 Torschützenkönig der Bundesliga im Dortmunder Trikot, nannte das Fachmagazin Kicker einen „Mann mit Affinität für Herausforderungen.“ Bobic, dessen Familie schon viele Jahre in Berlin lebt, sagt nun: „Ich kann mit jedem Budget arbeiten. Das habe ich oft bewiesen.“ Er warnte aber vor übertriebenen Erwartungen angesichts der Windhorst-Millionen: „Wir werden uns hüten, verrückte Dinge zu tun.“ Dennoch wird das Team auf wichtigen Positionen verstärkt werden.

Der neue Sportchef gab an, schon im Februar 2020 für sich die Entscheidung getroffen zu haben, Frankfurt zu verlassen, um sich zu verändern. Oder auch ein Jahr Pause einzulegen. Hertha war damals noch nicht im Gespräch. Seit Dienstag ist er dort offiziell im Amt und beginnt sehr fordernd: „Wir müssen klarer und leistungsorientierter werden.“