Augsburg/BerlinHertha BSC gelingt der Befreiungsschlag. Die Berliner gewinnen nach einer starken Vorstellung verdient beim FC Augsburg mit 3:0 (1:0) und beenden damit ihre Sieglos-Serie von fünf Spielen. Mit einer souveränen Vorstellung und viel Geduld knackten Matheus Cunha per Foulelfmeter (45.), Dodi Lukebakio kurz nach Wiederanpfiff (51.) und der eingewechselte Stürmer Kris Piatek (86.) das Abwehrbollwerk der größtenteils destruktiven Gastgeber. Durch den Sieg macht die Elf von Trainer Bruno Labbadia einen Sprung in der Tabelle und rangiert nach dem siebten Spieltag zumindest vorübergehend auf Rang 12. Sorgen bereitet den Blau-Weißen allerdings die Verletzung von Stoßstürmer Jhon Cordoba. „Da war eine souveräne Leistung von uns. Wir haben den Ball laufen lassen und die Tore gut gemacht. Diesen Sieg haben wir gebraucht“, sagte Labbadia und erklärte: „Bei Jhon müssen wir abwarten. Ich hoffe, es tut nur heute weh. Er ist sehr wichtig für uns.“

Herthas Cheftrainer änderte seine Startelf im Vergleich zum 1:1 gegen den VfL Wolfsburg auf zwei Positionen. Wie erwartet ersetzte Matteo Guendouzi den am Knie verletzten Lucas Tousart im defensiven Mittelfeld. Außerdem erhielt Linksverteidiger Marvin Plattenhardt erstmals seit dem vierten Spieltag wieder den Vorzug vor Maximilian Mittelstädt.

Guendouzi bestimmt den Takt 

Herthas Hoffnung galt vor allem Guendouzi, der nach seinem vielversprechenden Debüt über 30 Minuten gegen Wolfsburg erstmals von Anfang auflief und bemüht war, das Spiel an sich zu reißen. Weil die Augsburger zunächst keinen Deut von ihrer bisherigen Spielweise abwichen, tief und kompakt in der eigenen Hälfte auf Berliner Fehler lauerten, dauerte es eine Viertelstunde bis überhaupt etwas passierte. Cunha überraschte mit einem Freistoß aus spitzem Winkel beinahe Augsburgs Torwart Rafal Gikiewicz. Der Ball segelte zwar über den Ex-Unioner hinweg, aber eben auch am langen Pfosten vorbei (18.).

Auch danach waren die Herthaner bemüht, ihre spielerische Überlegenheit in Zählbares umzumünzen und Lücken in die Defensive des FCA zu reißen. Außer zwei harmlosen Kopfballchancen von Niklas Stark (26.) und Jhon Cordoba (34.) sprang dabei aber zunächst nichts heraus. Deutlich gefährlicher wurde es dafür, als Außenstürmer Lukebakio sich durch den Strafraum dribbelte und Guendouzi fand, dessen Schuss aus elf Metern aber noch geblockt wurde. (37.)

Wie schmal der blau-weiße Grat war, zeigte sich nur drei Minuten später. Andre Hahn bestätigte, warum Labbadia vor dem schnellen Umschaltspiel der Augsburger gewarnt hatte. Der Stürmer lief nur Sekunden nachdem Cunha den Ball verloren hatte allein aufs Tor zu und überwand auch Herthas Torhüter Alexander Schwolow. Weil der Angreifer beim Steckpass aber wenige Zentimeter im Abseits stand, wurde der Treffer von Schiedsrichter Frank Willenborg nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten zurecht aberkannt.

Cordoba zeigt sich auf Krücken

Da kurz vor der Pause Cordoba Neu-Nationalspieler Felix Uduokhai überraschte und seinen Fuß noch vor dessen Klärungsversuch schob, gab es Elfmeter. Für Hertha, in dieser Saison bisher eher durch das Verursachen von Strafstößen aufgefallen, trat Cunha das Erbe von Ex-Spieler Vedad Ibisevic an - und verwandelte nach einem kurzen Verzögern im Anlauf eiskalt zum 1:0 in die Mitte (45.). Folgenreich war das Foul allerdings auch für Cordoba, der mit einer lädierten Wade vom Feld musste. Für den Kolumbianer, der im Laufe der zweiten Halbzeit mit Krücken auf der Tribüne zu sehen war, wechselte Labbadia Edeljoker Piatek ein.

Und der Pole, im Winter für stolze 24 Millionen Euro vom AC Mailand geholt, brauchte in der zweiten Halbzeit lediglich sechs Minuten, um sich in Erinnerung zu rufen. Mit einer scharfen Flanke überraschte er gleich zwei Augsburger. Und weil Jeffrey Gouweleeuw und Robert Gumny im Sechzehner „Nimm du ihn, ich hab' ihn sicher!“ spielten, freute sich der lauernde Lukebakio über sein zweites Saisontor. 

Weiße Weste für Schwolow

Zwar ergaben sich durch die 2:0-Führung mehr Räume für die Berliner. Richtig gefährlich wurde es dennoch  zum ersten Mal vor dem eigenen Tor. Alfred Finnbogason bediente Florian Niederlechner, dessen Schuss Torhüter Alexander Schwolow stark parierte (61.). Hertha kam also mit dem Schrecken davon. Ob das auch für Abwehrchef Dedryck Boyata gilt, bleibt abzuarten. Der Belgier verletzte sich am linken Fuß, als er beim Versuch Niederlechner zu stören im Rasen hängenblieb. Doch Boyata biss auf die Zähne und spielte durch. 

Auf der anderen Seite verpasste Piatek zunächst die Entscheidung, als er nach einem Konter und klugen Pässen von Cunha und Lukebakio mit seinem strammen Schuss am rechten Außenpfosten scheiterte (64.). Zwanzig Minuten später machte es Piatek besser, verwandelte nach feinem Zuspiel von Cunha und einem Sprint von der Mittellinie zum 3:0-Endstand (84.). 

„Der Sieg tut unfassbar gut. Die Durststrecke ist vorbei“, erklärte Schwolow , der zudem erstmals seit seinem Wechsel kein Gegentor kassierte, nach Abpfiff erleichtert.