Berlin - Der Jahresendspurt fiel bei den Berlinern aus. Sechs Punkte versprach sich Bruno Labbadia aus den letzten beiden Partien dieses Kalenderjahres. Nach der trostlosen Nullnummer gegen den Tabellenvorletzten aus Mainz sollen zumindest noch drei weitere Zähler am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) beim SC Freiburg hinzukommen. Dann wäre Hertha BSC zwar noch lange nicht dort, wo der Verein hin will. Aber zumindest in Tuchfühlung zum oberen Tabellendrittel und den internationalen Plätzen. Dafür muss im Breisgau das zuletzt bedenklich harmlose Offensivspiel wieder angekurbelt werden. „Wir müssen vor dem Tor wieder zielstrebiger sein“, fordert Labbadia und erklärt auch, was dazu nötig ist: „Wir brauchen mehr Bewegung, vor allem Läufe in die Tiefe.“

Helfen soll dabei ein Spieler, der selten großen Glanz versprüht, aber ungemein wichtig für das gesamte Team ist: Mittelfeldspieler Vladimir Darida. Der 30-jährige Tscheche trägt seit 2015 die Fahne auf der Brust und ist damit einer der dienstältesten Profis bei Hertha BSC. In dieser Saison stand er in jedem Spiel in Labbadias Startelf. Dabei schien seine blau-weiße Zeit vor zwei Jahren schon vorbei. Erst bremsten den ruhigen, nur 1,72 Meter großen Nationalspieler Knieprobleme aus. Danach zwickte der Oberschenkel, bevor ihn ein Außenbandriss im Knie endgültig außer Gefecht setzte. Darida galt als Verkaufskandidat, kämpfte sich aber zurück und war in der vergangenen, chaotischen Saison unter allen vier Trainern der konstanteste Herthaner. So sehr, dass Michael Preetz im September seinen 2021 auslaufenden Vertrag um zwei Jahre verlängerte. „Mit seinen spielerischen Fähigkeiten und seinem großen Willen wird er unser Spiel weiterhin prägen“, lobte Herthas Kaderplaner damals.

Tousart braucht noch Zeit 

Weil es genau so kam, gilt Darida auch unter Labbadia als unverzichtbar. Gegen Mainz unter der Woche verordnete ihm sein Trainer nur eine Verschnaufpause, weil der Tank von Herthas Mittelfeldmotor schlichtweg leer war. „Dass ihm ein paar Körner fehlten“, sagt Labbadia, habe sich schon beim 1:1 in Mönchengladbach vor einer Woche bemerkbar gemacht. „Wegen seiner Qualitäten haben wir ihn dort gebracht und Lucas Tousart draußen gelassen. Er war zwar weiterhin unterwegs, aber er kam nicht mehr dorthin, wo er seine Stärken zeigen kann“, erklärt Labbadia. Diese liegen, neben seiner Eigenschaft als Ballverteiler und Dauerläufer, mit mehr als elf Kilometern pro Partie für viele Betrachter teilweise im Verborgenen. „Er ist nicht nur ein Ballschlepper“, erklärt Labbadia und präzisiert: „Vladi ist jemand, der auch ohne Ball mit wichtigen Läufen in die Tiefe viel bewirkt.“

Diese Rolle sollte eigentlich Tousart im Sommer übernehmen. Herthas Rekordeinkauf, für 25 Millionen Euro vom letztjährigen Champions-League-Halbfinalisten Olympique Lyon transferiert, fremdelt aber noch in Berlin. Mit der Sprache und dem Spiel. Tousart ist kein klassischer Abräumer. Zwar fiel er Herthas Scouts in Frankreichs Ligue 1 auch nicht durch seine Torgefahr auf. Doch glänzte er genau durch das Spiel, das Darida bei den Berlinern weiterhin verkörpert. Gegen Mainz arbeitete Tousart zwar ordentlich gegen den Ball, Akzente nach vorne konnte der 23-Jährige aber nicht setzen. „Wir geben Lucas die Zeit“, verspricht Labbadia, der den Druck von dessen Schultern nehmen will und versichert, dass Hertha noch viel Freude an Tousart haben wird, sobald dieser sich zurechtgefunden habe.

Während Darida die kurze Erholung gutgetan haben soll, litten seine Kollegen während seiner Abwesenheit gegen kompakt verteidigende Mainzer. Um nach einem Drittel der Saison in der Tabelle weiter nach oben zu klettern, muss Labbadia gegen Teams, die Hertha den Ball überlassen, Lösungen finden. Die Freiburger erwartet der Trainer zwar nicht so defensiv und destruktiv wie die Mainzer. Der Sportclub wird den Berlinern mehr abverlangen, aber eben auch mehr anbieten. „Es wird ein intensives, aber offeneres Spiel“, erklärt Labbadia. Damit die blau-weiße Weihnachtszeit besinnlich und nicht wieder einmal bedenklich wird, hofft er auf mehr Durchschlagskraft: „Wir wollen wieder zwingender sein, was den vorderen Bereich betrifft. Wir müssen mehr machen aus unserem Ballbesitz.“ Auch deswegen wird er wohl kaum nochmals auf Tiefgänger Darida verzichten.