Berlin-Westend - Kurz nach seinem zweiten Amtsantritt als Cheftrainer von Hertha BSC offenbarte Pal Dardai Anfang Februar, dass er eigentlich gerne Tierarzt geworden wäre. In den vergangenen Wochen bewies der Ungar allerdings vielmehr, dass an ihm ein Mathelehrer verloren gegangen ist. Fast täglich jonglierte er mit Zahlen, stellte verschiedene Gleichungen mit unterschiedlichen Variablen auf, an deren Ende immer das gleiche Ergebnis herauskam: der Klassenerhalt. Für die drei Nachholspiele nach der Corona-Quarantäne sollten es vier Punkte sein. Nach dem 1:1 in Mainz am Montag und dem 3:0 (2:0) gegen Freiburg am Donnerstagabend lässt sich festhalten: Hertha ist voll im Soll und dem Ziel ganz nah. „Die Jungs haben sehr diszipliniert gespielt und sind auch nach der Führung aktiv geblieben“, freute sich Dardai. 

„Top oder Flop“, hatte er als Marschroute gegen die Breisgauer vorgegeben. Offen ließ er nur, wie vielen Spielern er eine Verschnaufpause geben wollte, um das Mammutprogramm von sechs Spielen in drei Wochen zu wuppen. Und viele Beobachter im weiterhin fanleeren Olympiastadion staunten beim Blick auf den Aufstellungsbogen nicht schlecht. Gleich neun frische Kräfte durften im Vergleich zur Partie in Mainz von Beginn an ran. Nach der Mega-Rotation sollte es umso mehr mit offenem Visier nach vorne gehen. „Wir haben genügend Angreifer und Spieler, die für Ballbesitz stehen“, erklärte Dardai unmittelbar vor Anpfiff.

Krzysztof Piatek und Peter Pekarik treffen

Die neu zusammengewürfelte Berliner Elf bestätigte das Grundvertrauen ihres Trainers, indem sie nach zwölf fast ereignislosen Minuten die Vorsicht ablegte – und sich zielstrebig vor das Freiburger Tor kombinierte. Santiago Ascacibar fand den in die Mitte ein- und vor allem aufgerückten Linksverteidiger Jordan Torunarigha, der zeigte, dass er in der Jugend als Stürmer ausgebildete wurde: Herthas Eigengewächs tankte sich durch das Zentrum und zog aus rund 22 Metern ab. Freiburgs Torhüter Florian Müller ließ den Ball nach vorne klatschen, wo Stürmer Krzysztof Piatek am Fünfmeterraum zur Stelle war und den Ball zur 1:0-Führung über die Linie drückte (13.). Dardai, der den Polen nach seiner vergebenen Großchance in der Nachspielzeit in Mainz noch trösten musste, grinste und reckte beide Fäuste.

Und der 45 Jahre alte Cheftrainer hatte noch mehr Grund zur Freude. Weil seine Mannschaft fortan konzentriert und konsequent zu Werke ging, kaufte sie den sich im Niemandsland der Tabelle befindenden Freiburgern immer mehr den Schneid ab. Und blieb effizient: Nemanja Radonjic stieß auf seiner linken Außenbahn bis zur Grundlinie vor, hielt den Ball mit der Hacke im Spiel und flankte auf den kurzen Pfosten, wo Rechtsverteidiger Peter Pekarik gekonnt sein drittes Saisontor per Kopf erzielen konnte – 2:0 (23.).

Saisonaus für Matteo Guendouzi?  

Auf die Glückseligkeit folgte allerdings große Sorge. Matteo Guendouzi musste mit Verdacht auf einen Mittelfußbruch vom Platz. Für den Franzosen übernahm Sami Khedira. Mit der Hiobsbotschaft im Gepäck kam Hertha aus der Kabine und musste erkennen, dass die Freiburger das Spiel doch nicht abschenkten. Lucas Höler prüfte Torhüter Alexander Schwolow mit einem Kopfball, Ermedin Demirovic versuchte es aus der Distanz. 

Die zaghaften Versuche der Gäste konterte der eingewechselte Matheus Cunha mit zwei guten Abschlüssen. Das schönste Tor des Abends sollte aber Radonjic vorbehalten sein. Der von Marseille geliehene Serbe krönte seine starke Leistung mit einem 40-Meter-Sprint und einem tollen Solo durch den Strafraum und traf zum umjubelten 3:0-Endstand. 

Damit springen die Berliner auf Platz 14. Zu früh freuen sollten sie sich allerdings nicht. Auch Dardai betonte bei seinen Rechenspielen, dass die Partien gegen die direkten Tabellennachbarn aus Bielefeld (Sonntag, 18 Uhr) und eine Woche später gegen Köln (Sonnabend, 15.30 Uhr) zum Zünglein an der Waage werden. Der souveräne Sieg gegen den Sportclub sollte Selbstvertrauen geben. „Jetzt haben wir den Punkt aus Mainz vergoldet. Ich bin sehr zufrieden und glücklich“, erklärte Dardai.