BerlinBei dem einen oder anderen Fußballprofi, den Hertha BSC in den vergangenen Monaten unter Vertrag genommen hat, kann man sich ja immer noch nicht ganz sicher sein, ob er für das ambitionierte Vorhaben, die Blau-Weißen in einen „Big-City-Club“ zu verwandeln, auch der richtige ist. Matteo Guendouzi, der im Oktober auf dem letzten Drücker vom FC Arsenal auf Leihbasis verpflichtet wurde, scheint allerdings über derartige Zweifel erhaben zu sein. Der Franzose war nämlich am Sonnabendnachmittag beim Gastspiel des Berliner Bundesligisten in Mönchengladbach einmal mehr Herthas Bester, nicht nur wegen seines Führungstreffers, sondern auch wegen seiner Lust am Fußballspielen. Guendouzi war jedenfalls maßgeblich daran beteiligt, dass seine Mannschaft beim Champions-League-Klub immerhin zu einem 1:1 kam und damit den leisen Aufwärtstrend der vergangenen Wochen fortsetzen konnte.

Schwer zu deutendes Stadtderby

Bruno Labbadia, der Trainer der Hertha, hatte aus dem wahrlich nicht einfach zu deutenden 3:1 im Stadtderby gegen den 1. FC Union personelle Konsequenzen abgeleitet. Javairo Dilrosun und Krzysztof Piatek wurden für ihren nicht ganz unwesentlichen Beitrag zum Sieg gegen die Eisernen belohnt, standen in der Stammformation. Der eine für Lucas Tousart, der bei seiner sportlichen Integration einfach nicht vorankommen will und sich mal wieder mit der Rolle des Ersatzspielers zufriedengeben musste, der andere für Matheus Cunha, der aufgrund seiner fünften gelben Karte pausieren musste.

Bei den Gastgebern waren im Vergleich zum 0:2 in der Champions League bei Real Madrid gleich sechs Veränderungen auszumachen. Wobei sich zeigte, über welch exquisiten Kader Trainer Marco Rose verfügt. Mit Lars Stindl, Allassane Plea und Marcus Thuram saß quasi fast die komplette erste Sturmreihe auf der Bank, um sich an dieser Stelle mit einem Begriff aus dem Eishockey zu behelfen, dafür durften Hannes Wolf, Ibrahima Traore und Patrick Herrmann ran. Stammkeeper Yann Sommer war gleich gar nicht im Kader, Rose hatte dem Schweizer ein vorweihnachtliches Päuschen verschrieben und Tobias Sippel als Schlussmann aufgeboten. 

Bei der Zusammenstellung der jeweiligen Startelf und beim Erstellen des Matchplans hatten Labbadia und Rose aber dann doch wohl eine andere Konsequenz im Sinn. Da wie dort wollte in der Offensive zunächst nichts gelingen, was sich einerseits mit der konzentrierten Arbeit in den Abwehrreihen erklären lässt, andererseits natürlich aber auch mit dem Mangel an Tempo beziehungsweise dem Mangel an Esprit im Vorwärtsgang. Ein bisschen höher schlug der Puls in Hälfte eins eigentlich nur, als Piatek nach gekonnter Vorarbeit von Dilrosun den Ball auf die leere Tribüne jagte (31.). Und als Peter Pekarik mit einem Linksschuss aus 20 Metern Sippel zum technischen Torhüter-Prüfung zwang. Erwähnenswert war zudem noch der Versuch von Mönchengladbachs Wolf, der von Hertha-Keeper Alexander Schwolow mit ein bisschen Glück pariert werden konnte. Der Rest war ganz viel Zweikampf und ganz viel Diskutieren, weil Schiedsrichter Robert Hartmann bei der einen oder anderen Situation mit seiner Entscheidung wohl tatsächlich danebenlag. 

Für die Ästheten unter den Fußballfreunden war also nach diesem 45-minütigen Hickhack Schlimmstes zu befürchten, nämlich ein verlorener Nachmittag. Dann allerdings verlor Mönchengladbachs Denis Zakaria 16 Meter vor dem eigenen Tor die Kontrolle über den Ball, was Vladimir Darida flugs erkannte. Der Tscheche passte quer zu Guendouzi, der mit einem schlauen Schlenzer Sippel keine Chance ließ.

Angeschlagene Borussen

Der Treffer brachte Bewegung in die Partie, war der entscheidende Impuls für einen doch ziemlich unterhaltsamen zweiten Spielabschnitt. Mönchengladbach fühlte sich herausgefordert, presste nun entschlossener, drängte auf den Ausgleich, den Dedryck Boyata nach einem geschickten Lupfer von Herrmann mit einer beherzten Rettungstat zunächst auch verhindern konnte. Andererseits wirkten die Borussen auch ziemlich angeschlagen, wie sich nach 66. Minuten zeigte, als Dodi Lukebakio in ihrem Strafraum frei zum Schuss kam, aber nicht platziert genug abschloss, um Sippel überwinden zu können.

Labbadia tobte ob der vergebenen Chance zur Entscheidung - und musste dann in der 70. Minute mit ansehen, wie seine Abwehr durch einen blitzgescheiten Pass von Nationalspieler Florian Neuhaus überspielt wurde. Mathias Ginter, der Adressat, köpfte den Ball quer vors Hertha-Tor, wo Brel Embolo unbedrängt den Ausgleich erzielen konnte.

„Wir können uns über den Punkt nicht beschweren, nehmen ihn gerne mit. Wir werden immer stabiler, deshalb kommt auch die Offensive besser zur Geltung“, sagte Herthas Niklas Stark, der in den Schlussminuten allerdings mit seinen Kollegen die eine oder andere brenzlige Situation zu überstehen hatte.